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tz - - MENSCHEN - R. OGIER­MANN

Grün­wald: Die ers­ten 33 Jah­re wa­ren durch­wach­sen, seit­dem ist es sehr gut ge­lau­fen.

Die ers­ten 33 Jah­re – das ist mehr als die Hälf­te Ih­res bis­he­ri­gen Le­bens …

Grün­wald: Ich ha­be lan­ge nicht ge­wusst, wo­mit ich mein Geld ver­die­nen soll. Ich ha­be die Schu­le ab­ge­bro­chen, auf dem Bau ge­ar­bei­tet, ich ha­be Ge­trän­ke aus­ge­fah­ren, ich hat­te ei­nen Na­tur­kost­la­den, ha­be als Film­vor­füh- rer ge­ar­bei­tet und im La­ger ei­nes Kauf­hau­ses. Und bei je­dem Job war mir klar, dass ich das nicht ewig ma­chen wer­de. Bis ich dann übers Ka­ba­rett ge­stol­pert bin. Ich ha­be in ei­ner Band Mu­sik ge­macht, ir­gend­wann ha­ben wir da­mit an­ge­fan­gen, zwi­schen­durch auch Sket­che zu spie­len, und dar­aus hat sich die Idee ent­wi­ckelt, es ein­mal al­lei­ne zu pro­bie­ren auf der Büh­ne.

Das klingt nicht da­nach, als sei­en Sie so rich­tig da­von über­zeugt ge­we­sen, dass das das Rich­ti­ge ist.

Grün­wald: War ich auch nicht. Ich ha­be mir aus­ge­rech­net: Wenn es mög­lich wä­re, 300 Mark pro Auf­tritt zu krie­gen, und ich schaf­fe zehn Auf­trit­te pro Mo­nat, dann wä­ren das 3000 Mark im In­wie­fern? Grün­wald: Wenn man nur 300 Mark pro Auf­tritt be­kä­me, dann be­kä­me man auch kei­ne zehn Auf­trit­te im Mo­nat. Es ist im Ka­ba­rett wirk­lich so: Ent­we­der man ver­dient gut, oder man ver­dient gar nichts.

Es hat dann aber funk­tio­niert. Grün­wald: Es hat su­per funk­tio­niert. Zu­min­dest bei den Leu­ten, die da wa­ren. Es wa­ren halt am An­fang wahn­sin­nig we­ni­ge da (lacht). Aber ich ha­be nicht mehr dar­an ge­zwei­felt, dass das was wird.

Wol­len Sie dem Pu­bli­kum da­zu ver­hel­fen, den All­tags­frust weg­zu­la­chen?

Grün­wald: Ob die frus­triert sind, die da in der Vor­stel­lung sit­zen, weiß ich nicht. Ich will die Leu­te un­ter­hal­ten. Ich möch­te nicht die Welt ver­än­dern – wenn ich das könn­te, wür­de ich kein Ka­ba­rett ma­chen.

Apro­pos Frust – Sie ha­ben das Gäs­te­buch auf Ih­rer Home­page ge­schlos­sen, nach­dem üb­le Be­schimp­fun­gen über­hand­ge­nom­men ha­ben.

Grün­wald: Ja, das ha­be ich in mehr als 25 Jah­ren nicht er­lebt, was ich da zu le­sen be­kom­me. So nach dem Mot­to: „Jetzt sind wir bald am Ru­der, und dann geht’s Euch dre­ckig.“Idio­ten hat’s ja im­mer ge­ge­ben, aber … … nicht so vie­le? Grün­wald: Viel­leicht sind es gar nicht mehr ge­wor­den, aber frü­her ha­ben die da­heim vor sich hin idio­ti­siert, und jetzt kön­nen sie sich halt im In­ter­net äu­ßern, und das tun sie lei­der auch.

Nun sind Sie aber doch kein klas­si­scher po­li­ti­scher Ka­ba­ret­tist, oder?

Grün­wald: Nicht wirk­lich. Wir ha­ben uns auch be­wusst ent­schie­den, ein The­ma wie die Flücht­lings­kri­se in Grün­wald Frei­tags­come­dy nicht vor­kom­men zu las­sen, und trotz­dem hat mich ei­ner be­schimpft als „Flücht­lings­freund“. Ich sei schuld, dass bei uns Frau­en ver­ge­wal­tigt wer­den, weil ich Flücht­lin­ge un­ter­stüt­ze. Da ist ein­fach nur blin­de Wut im Netz.

tz

Fo­tos: BR

Han­nes Ringl­stet­ter (re.) gra­tu­liert Gün­ter Grün­wald zum Ge­burts­tag

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