Im Jazz-Ki­no

tz - - KULTUR + TV - REIN­HOLD UN­GER

Oh­ne Mu­sik wä­re das Ki­no nicht die emo­tio­na­le Über­wäl­ti­gungs­ma­schi­ne, die es sein kann. Zwei Groß­meis­ter in der Kunst, be­weg­te Bil­der durch be­we­gen­de Klang­bil­der zu ver­stär­ken, sind die Ita­lie­ner Ni­no Ro­ta und En­nio Mor­ri­co­ne.

Für den heiß­blü­ti­gen Sa­xo­fon-Vir­tuo­sen Ro­sa­rio Gi­u­lia­ni und den ver­schmitz­ten Ak­kor­de­on-Meis­ter Lu­cia­no Bi­on­di­ni lag die Idee na­he, die Film­mu­si­ken ih­rer Lands­leu­te für den Jazz zu nut­zen. 8 ½ Stü­cke lang spin­nen sie im­pro­vi­sie­rend Stim­mun­gen fort, die Ro­ta und Mor­ri­co­ne für Re­gis­seu­re wie Fel­li­ni oder Leo­ne ge­schaf­fen ha­ben: von der me­lan­cho­li­schen De­ka­denz in La dol­ce vi­ta bis zum rau­en Dra­ma von Es war ein­mal in Ame­ri­ka.

Im Duo um­gar­nen sich Sax und Ak­kor­de­on – mal be­hut­sam, mal keck –wie zwei frisch Ver­lieb­te vor dem ers­ten Kuss. Im Quar­tett, von En­zo Pie­tro­pao­li (Bass) und Mi­che­le Rab­bia (Drums) ef­fek­tiv un­ter­stützt, las­sen sie Ge­fühl­s­pan­ora­men wie in ei­nem gro­ßen Lein­wan­de­pos ent­ste­hen: ver­füh­re­risch, mys­te­ri­ös, sen­ti­men­tal, lei­den­schaft­lich. Es war ein­mal in der Un­ter­fahrt: Ci­ne­ma Pa­ra­di­so wird zu Jazz fan­tas­ti­co.

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