Boateng: Erst ver­letzt, dann vom Boss ra­siert

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Sorg­los, harm­los, feh­ler­haft“– so lau­te­ten noch die wohl­mei­nends­ten Aus­sa­gen nach dem 2:3 in Ros­tow. „Bla­ma­bel, nicht Bay­ern-li­ke“, sag­ten an­de­re. Ers­te­res wa­ren die meis­ten Spie­ler und Of­fi­zi­el­len des FC Bay­ern, die mit vol­lem Ein­satz das Wort Kri­se ver­mie­den. Viel­leicht mit mehr Ein­satz als sie zum Teil zu­vor auf dem Platz un­ter­wegs wa­ren, auf je­den Fall aber mit mehr Er­folg. Ins­ge­samt zehn Ki­lo­me­ter lie­fen die Spie­ler aus Ros­tow mehr ges­tern, so viel zum The­ma Ein­stel­lung. Die kri­ti­sche­re Ein­schät­zung war in et­li­chen Fan-Fo­ren und in den so­zia­len Netz­wer­ken nach­zu­le­sen. Und bei Je­ro­me Boateng zu hö­ren.

Denn der Ver­tei­di­ger, der selbst ei­ne schwa­che Par­tie zeig­te, war selbst­kri­tisch ge­nug, um zu­zu­ge­ben, dass nun „je­der ein­zel­ne jetzt mal in sich hin­ein­hor­chen muss, ob er gut ge­spielt hat“. Vor al­lem er selbst, meint Karl-Heinz Rum­me­nig­ge. „Je­ro­me muss wie­der ein biss­chen mehr zur Ru­he kom­men. Seit dem letz­ten Som­mer ist mir das ein biss­chen zu viel. Es wä­re im Sin­ne von ihm und dem gan­zen Klub, wenn er mal wie­der back to earth run­ter­kommt“, kri­ti­sier­te der FCB-Boss den Ab­wehr­boss der Bay­ern.

Auf dem Feld kann Boateng sei­ne Ein­stel­lung in nä­he­rer Zu­kunft nicht be­wei­sen, und das ist viel­leicht die bit­ters­te Nach­richt des gest­ri­gen Abends. Boateng muss­te ver­letzt raus – und zwar nicht nur als Vor­sichts­maß­nah­me! „Es ist wahr­schein­lich ei­ne Mus­kel­ver­let­zung, vor­ne am Ober­schen­kel. Ich muss mor­gen zum MRT“, sag­te er in Ros­tow.

Da­mit fällt in der Kri­sen­be­wäl­ti­gung schon mal ein wich­ti­ger Mann aus – da­bei wä­ren ge­ra­de jetzt die Häupt­lin­ge ge­fragt, sag­te Sky- Ex­per­te Lothar Mat­thä­us: „Das ist nicht das Bay­ern, das wir ken­nen. Es fehlt die letz­te Kon­se­quenz, die Ent­schlos­sen­heit, der letz­te Schritt, die Gal­lig­keit und Ag­gres­si­vi­tät. Da ist kein Le­a­der auf dem Platz, der das Spiel in die Hand nimmt, da fehlt viel­leicht ei­ner wie Vi­dal, der mit sei­ner Ag­gres­si­vi­tät die Mann­schaft mit­nimmt.“Auf den hof­fen die Bay­ern ge­gen Le­ver­ku­sen. Phil­ipp Lahm blickt mit ge­run­zel­ter Stirn auf Sams­tag: „Wir sind ak­tu­ell et­was sorg­los auf dem Platz. Ich weiß nicht, wo­her das kommt, das müs­sen wir ana­ly­sie­ren. An den Wech­seln liegt es nicht, wir ha­ben ge­nü­gend Qua­li­tät, da ste­hen vie­le ge­stan­de­ne Na­tio­nal­spie­ler auf dem Platz.“

Nur zei­gen sie es eben nicht, das gibt auch Lahm zu. „Wir müs­sen mal wie­der ein Spiel ab­lie­fern, das uns po­si­tiv stimmt, das schaf­fen wir ge­ra­de nicht. Wir sind jetzt in der CL Zwei­ter und in der Bun­des­li­ga auch.“

Ge­nau des­we­gen dürf­te auch Ralph Ha­sen­hüttl vom Spit­zen­rei­ter RB Leip­zig sich kö­nig­lich amü­sie­ren. „Sport­lich ha­ben wir in ein We­s­pen­nest ge­sto­chen. Dass es jetzt ein biss­chen summt, ist klar“, hat­te der Ös­ter­rei­cher schon vor der Par­tie ge­sagt und auf die Aus­sa­gen von Rum­me­nig­ge re­agiert. „Wir wer­den jetzt Jagd ma­chen, wol­len schnell wie­der Ta­bel­len­füh­rer wer­den. Ab so­fort geht es zur Sa­che“, hat­te der FCB-Boss ge­sagt. Für ech­ten Jagd­er­folg müss­te nur et­was mehr Leis­tung her.

Fo­tos: AFP, ba­b­i­rad

Beim drit­ten Ge­gen­tor war Boateng schon vom Feld, an­schlie­ßend wies ihn Rum­me­nig­ge in die Schran­ken

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