„Das ist ver­fas­sungs­wid­rig!“

tz - - GELD+MARKT - Chris­ti­nA DeCk­wirth Lob­by Con­trol IN­TER­VIEW: KLAUS RIM­PEL

Mi­nis­ter­kon­tak­te, die man kau­fen kann: Hat Sie das über­rascht?

Chris­ti­na Deck­wirth, Lob­by Con­trol: Die Pra­xis ist schon seit Län­ge­rem be­kannt – 2010 gab es ja die „Rent-a-Rütt­gers“-Af­fä­re, zu­dem den Skan­dal um Til­lich in Sach­sen. Trotz­dem hat uns das Aus­maß der neu­en Ent­hül­lun­gen er­schreckt. Denn all un­se­re For­de­run­gen, hier end­lich kla­re Re­geln auf­zu­stel­len, wur­den von den Par­tei­en mit dem Ar­gu­ment ab­ge­blockt, das sei­en ja nur Ein­zel­fäl­le.

Die Bun­des­tags­ver­wal­tung hat klar ge­sagt, es ge­be hier kei­nen Re­gel­ver­stoß. Se­hen Sie das auch so?

Deck­wirth: Das ist ja der Skan­dal, dass es nicht ge­re­gelt ist! Die Bun­des­tags­ver­wal­tung be­zieht sich auf das Par­tei­en­gesetz. Und dort gibt es die­se Lü­cke, die wir seit Jah­ren an­pran­gern: Denn Spon­so­ring taucht im Par­tei­en­gesetz über­haupt nicht auf. Zu­dem fällt es bis­lang nicht un­ter die Trans­pa­renz­re­geln, wenn Par­tei­en Un­ter­neh­men grün­den. Im Grund­ge­setz heißt es, Par­tei­en müs­sen Re­chen- schaft über ih­re Finanzen ge­ben. Wenn ein Teil wie das Spon­so­ring ein­fach aus­ge­glie­dert wird, ist das nach un­se­rer An­sicht ver­fas­sungs­wid­rig.

Was ist ei­gent­lich der Un­ter­schied zwi­schen Spon­so­ring und Spen­den?

Deck­wirth: Im Par­tei­en­gesetz heißt es klar, dass es für Spen­den kei­ne Ge­gen­leis­tung ge­ben darf. Beim Spon­so­ring ge­hört ei­ne Ge­gen­leis­tung aus­drück­lich da­zu – in der Re­gel ist das die Plat­zie­rung von Lo­gos auf Stän­den oder auf Ku­lis, die ver­teilt wer­den. Pro­ble­ma­tisch ist vor al­lem das, was bei Par­tei­en gän­gi­ge Pra­xis ist: Dass zu­sätz­lich noch Kon­tak­te ver­kauft wer­den. Ein wich­ti­ger Un­ter­schied ist zu­dem: Bei Spen­den gibt es Trans­pa­renz­re­ge­lun­gen, beim Spon­so­ring nicht. Das Un­ter­neh- men hat beim Spon­so­ring al­so zwei Vor­tei­le: Für die Öf­fent­lich­keit ist nicht nach­voll­zieh­bar, wie­viel ein Un­ter­neh­men ei­ner Par­tei gibt und wo die Gel­der her­kom­men. Und Un­ter­neh­men kön­nen die Spon­so­rin­g­aus­ga­ben – an­ders als Par­tei­spen­den – steu­er­lich ab­set­zen.

In dem ZDF-Bei­trag ging es nur um SPD-Mi­nis­ter. Wie sieht es bei den an­de­ren Par­tei­en aus?

Deck­wirth: Es ist si­cher nicht nur ein SPD-Skan­dal. Bei der CDU gab es 2010 den Fall Jür­gen Rütt­gers, wo man den da­ma­li­gen NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten auf ei­nem Par­tei­tag mie­ten konn­te. Auch die FDP war in du­bio­se Spon­so­ring­fäl­le ver­wi­ckelt. Die Uni­on war es zu­dem, die frü­he­re An­läu­fe, das Par­tei­en­gesetz hier zu ver­schär­fen, im­mer wie­der blo­ckiert hat.

Bei Par­tei­ta­gen ist es ja ganz üb­lich, dass da Stän­de der Phar­ma-, Zi­ga­ret­ten- oder Au­to­ma­ten­in­dus­trie ste­hen. Gibt es dar­an was zu be­män­geln?

Deck­wirth: Das ist schon frag­wür­dig, weil die Prei­se für die Stän­de im Ver­gleich zu Mes­sen sehr hoch sind. Das heißt, es geht in Rich­tung ver­deck­te Par­tei­en­fi­nan­zie­rung. Zu­dem geht es hier nicht nur dar­um, sein Lo­go zu zei­gen, son­dern es geht um Kon­takt­auf­nah­me mit Par­tei­funk­tio­nä­ren und Spit­zen­po­li­ti­kern. Ein noch viel grö­ße­res Pro­blem ist es aber, wenn – wie im ak­tu­el­len Fall – ei­ne ex­tra Fir­ma für die Kon­takt­ver­mitt­lung zwi­schen­ge­schal­tet wird und Kon­tak­te im Auf­trag der Spon­so­ren ver­mit­telt.

Hei­ko Maas hat ge­sagt, dass er kei­ne Ah­nung hat­te, dass für die­ses Mit­tag­es­sen mit ING-Di­ba-Ver­tre­tern und an­de­ren Lob­by­is­ten Geld be­zahlt wur­de…

Deck­wirth: Das hal­te ich für ge­ra­de­zu na­iv und nicht glaub­wür­dig.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.