El Gre­co: Der Hei­li­ge Mar­tin und der Bett­ler, um 1600

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Ty­pisch für El Gre­co sind die lang ge­zo­ge­nen Fi­gu­ren, er ist der Hö­he- und End­punkt des so­ge­nann­ten Ma­nie­ris­mus. Was will er da­mit er­rei­chen? Über­wäl­ti­gung zum ei­nen durch ei­ne ex­tre­me Un­mit­tel­bar­keit des Aus­drucks. Man ist ganz nah dran am Ge­sche­hen. Und: Die völ­lig ab­sicht­lich lang ge­streck­ten Glie­der, die­se Über­stei­ge­rung der Kör­per, ver­weist auf ei­ne zwei­te Rea­li­täts­ebe­ne. Schau­en Sie ge­nau­er hin: Wäh­rend der Hei­li­ge auf sei­nem Pferd – in der da­mals mo­der­nen Rüs­tung und ei­nem Ara­be­rhengst, den es zu Zei­ten der ei­gent­li­chen Ge­schich­te ja noch nicht bei uns gab – re­la­tiv nor­ma­le Pro­por­tio­nen be­sitzt, ist der Bett­ler sehr lang ge­zo­gen. Es ist Je­sus Chris­tus, der sich erst in der fol­gen­den Nacht dem hei­li­gen Mar­tin im Traum zu er­ken­nen gibt. Auch hier wie­der die Mi­schung aus Himm­li­schem und Ir­di­schem. Das ist das viel­leicht größ­te Fas­zi­no­sum der spa­ni­schen Kunst je­ner Zeit. Im Hin­ter­grund se­hen Sie, ty­pisch für El Gre­co, sei­ne Hei­mat­stadt To­le­do.

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