Die Schmerz­gren­ze ist er­reicht

tz - - POLITIK -

Die EU muss ih­re Wer­te selbst­be­wusst ver­tre­ten.

Es ist ein di­plo­ma­ti­scher Draht­seil­akt: Ob­wohl je­dem klar sein muss, dass die Tür­kei, so wie sie sich der­zeit prä­sen­tiert, kei­ner­lei Chan­ce auf ei­nen EU-Bei­tritt hat, ist es ein ge­wag­ter Schritt, die Bei­tritts­ge­sprä­che mit dem Land jetzt auf Eis zu le­gen. Trotz­dem ist die­ser Schritt rich­tig – und er zeigt uns, wie wichtig ei­ne ei­ni­ge EU für den Frie­den in Eu­ro­pa ist. Der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan tritt – nicht erst seit dem ge­schei­ter­ten Putsch vom Som­mer – so ziem­lich al­le Wer­te mit Fü­ßen, für die die EU steht. Er ver­wan­delt sein Land in ei­ne Art Frei­luft­ge­fäng­nis, in dem je­de Form der Kri­tik un­er­wünscht ist und da­zu füh­ren kann, im ech­ten Ge­fäng­nis zu lan­den. Er hat den ei­gent­lich schon fast be­frie­de­ten Kur­den­kon­flikt wie­der an­ge­facht. Und er fa­bu­liert dar­über, die nach dem ers­ten Welt­krieg ge­zo­ge­nen Gren­zen nicht mehr an­zu­er­ken­nen. Spä­tes­tens hier kommt Eu­ro­pa ins Spiel, weil da­von auch das EUMit­glied Grie­chen­land be­trof­fen wä­re. Trotz­dem ist es rich­tig, die Ge­sprä­che nicht kom­plett ab­zu­bre­chen, son­dern nur auf Eis zu le­gen. Er­do­gan war­tet nur dar­auf, sei­nen Lands­leu­ten die EU als Sün­den­bock zu prä­sen­tie­ren. Da­bei sind bei­de Sei­ten auf­ein­an­der an­ge­wie­sen. Oh­ne den Flücht­lings­de­al hät­te die EU wie­der ein gro­ßes Pro­blem, die Tür­kei ist wirt­schaft­lich auf ei­ne en­ge An­bin­dung an Eu­ro­pa an­ge­wie­sen. Es ist wichtig, dass die EU jetzt klar zeigt, wo ih­re Schmerz­gren­ze bei der Ver­let­zung ele­men­tars­ter Grund­rech­te liegt!

Marc Kniep­kamp

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