Die Tä­ter ka­men über den Bal­kon

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„Mein Ma­gen tut weh, ich ha­be rich­tig Angst“, sagt Ger­traud S. (80). Zu­sam­men­ge­kau­ert sitzt sie auf ei­nem Stuhl in der Kü­che ih­rer Woh­nung in Ober­schleiß­heim. Tags­über war sie mit Freun­den beim Wan­dern. Als die Däm­me­rung über den Münch­ner Vo­r­ort her­ein­brach, knack­ten Ein­bre­cher ih­re Bal­kon­tü­re und durch­wühl­ten ih­re Pri­vat­sphä­re Viel Wert­vol­les gab es bei der Rent­ne­rin nicht zu ho­len – da­für je­de Men­ge Stü­cke, an de­nen Er­in­ne­run­gen hän­gen. Der Ehe­ring ih­res ver­stor­be­nen Man­nes scheint zu feh­len. „Sie ha­ben ihn mit- ge­nom­men“, schluchzt die tap­fe­re Se­nio­rin. „Auch mein schö­nes gol­de­nes Arm­band.“

Wa­ren bei Ger­traud S.Se­ri­en­tä­ter­amWerk? Be­reits we­ni­ge Ta­ge zu­vor gab es in der Nä­he vier Ein­brü­che. Auch dort gin­gen die Tä­ter nach dem im­mer­sel­ben Mus­ter vor. Woh­nun­gen im Erd­ge­schoss oder im ers­ten Stock sind das be­lieb­te Ziel. Dort he­beln die Tä­ter meist mit ei­nem Schrau­ben­dre­her Fens­ter und Tü­ren auf. Wie bei Ger­traud S. ge­hen die Ein­bre­cher oft mit bru­ta­ler Ge­walt vor. Andre­as Steffl: „In die­sem Fall sind sta­bi­le Fens­ter und Tü­ren mit mas­si­ven Si­che­run­gen ver­baut. Der Tä­ter war be­stimmt meh­re­re Mi­nu­ten mit dem Auf­bruch be­schäf­tigt.“He­bel­spu­ren fin­den sich am gan­zen Tür­rah­men.

„Ich ha­be nie da­mit ge­rech­net, dass bei mir ein­ge­bro­chen wird“, sagt die frü­he­re Schuh­ver­käu­fe­rin mit Trä­nen in den Au­gen. „Ich ha­be mich ei­gent­lich im­mer si­cher ge­fühlt. Aber das macht mir Angst.“Ob sich Ger­traud S. vor­stel­len könn­te, wer bei ihr ein­ge­stie­gen ist, will Clau­dia Bau­er wis­sen. Die Se­nio­rin schüt­telt den Kopf. Ver­däch­ti­ge An­ru­fe? „Nein, da wa­ren kei­ne“, sagt sie.

Im Schlaf­zim­mer sam­melt Ger­traud S., was die Ein­bre­cher nicht ge­fun­den ha­ben. Dann holt sie ein klei­nes Käst­chen aus dem Schrank her­vor. Als sie den ge­stoh­len ge­glaub­ten Ehe­ring ih­res Man­nes vor­zeigt, sagt sie: „Jetzt ist es nicht mehr so schlimm.“

Tief­trau­rig sitzt Ein­bruchsop­fer Ger­traud S. (80) auf ei­nem Stuhl in ih­rer Kü­che. Clau­dia Bau­er spricht Zeu­gen­an­ga­ben in ein Dik­tier­ge­rät

Als Ger­traud S. (r.) beim Wan­dern war, ka­men die Ein­bre­cher. In ih­rer Woh­nung in Ober­schleiß­heim hat­ten es die Tä­ter auf Schmuck ab­ge­se­hen

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