Bay­ern

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Er ist ei­ner der meist­ge­such­ten Ver­bre­cher in der baye­ri­schen Kri­mi­nal­ge­schich­te – und ge­nau heu­te vor zehn Jah­ren ver­üb­te er sei­ne scho­ckie­ren­de Tat, die bis­lang un­ge­sühnt ist: der Über­fall auf ei­ne Rent­ne­rin am Lei­ten­berg, den die Frau nur mit viel Glück über­leb­te. Es geht um die so­ge­nann­te Bes­tie von Brau­neck …

Wo­bei ge­nau die­se Be­zeich­nung für die Er­mitt­ler ein Pro­blem dar­stellt, den Sa­dis­ten viel­leicht noch zu fin­den: „Durch die­sen Ter­mi­nus ent­stan­den fal­sche Bil­der in den Köp­fen der Men­schen“, sagt Kri­mi­nal­ober­rat Mar­kus Deindl, Chef der Kri­po Weil­heim. Und Pro­fi­ler Alex­an­der Horn, Chef der Ab­tei­lung Ope­ra­ti­ve Fal­l­ana­ly­se im Lan­des­kri­mi­nal­amt er­gänzt: „Wir müs­sen den Tä­ter ent­mons­tern, um den Fall doch noch zu lö­sen.“

Der Fall: Am 25. No­vem­ber, ei­nem Sams­tag, fährt die Wit­we aus Mün­chen bei schö­nem Wet­ter mit dem 9.45-Uhr-Zug der BOB in Rich­tung Leng­gries und steigt in Ober­gries aus. Sie hat sich zu­vor das Län­gen­tal in ei­nem Wan­der­füh­rer als nicht so schwe­res Ta­ges­ziel aus­ge­sucht. Die Frau ist herz­krank und möch­te lie­ber in der Ebe­ne ge­hen. Sie ist das ers­te Mal in dem Wan­der­ge­biet.

Es kommt zu ei­ner schick­sal­haf­ten Be­geg­nung zwi­schen 11 und 11.30 Uhr na­he des Bahn­steigs. Sie spricht dort mit ei­nem et­wa 40 bis 45 Jah­re al­ten Mann und nennt ihm das Ziel Län­gen­tal. Der ha­ge­re, 1,75 Me­ter gro­ße Mann mit schma­len Lip­pen ant­wor­tet: „Da will ich auch hin.“Die zwei mar­schie­ren mit Ab­stand los, et­wa drei St­un­den dau­ert die nun fol­gen­de Wan­de­rung. Ent­lang des zehn Ki­lo­me­ter lan­gen We­ges ste­hen im­mer wie­der Weg­wei­ser in Rich­tung Län­gen­tal und Brau­neck. Der Weg wir im­mer stei­ler und mün­det zu­letzt so­gar in ei­nem leh­mi­gen Pfad. Plötz­lich schlägt der Tä­ter zu. Er zieht ein Mes­ser und for­dert Geld. Dann fes­selt er ihr mit Hand­schel­len die Ar­me auf den Rü­cken. Ein wei­te­res Paar nimmt er her, um sie ab­ge­le­gen im Un­ter­holz an ei­nen Ast zu ket­ten. Er zieht ein brei­tes, ro­tes Kle­be­band aus sei­nem Ruck­sack und wi­ckelt den Kopf sei­nes wehr­lo­sen Op­fers tur­ban­ar­tig ein. Dann ent­klei­det er die 67-Jäh­ri­ge teil­wei­se und ver­ge­wal­tigt sie. Nach der Tat packt er den Ruck­sack des Op­fers und flüch­tet.

Die Frau ist mit den Hand­schel­len so stramm ge­fes­selt, dass die Blut­zir­ku­la­ti­on na­he­zu ab­ge­schnürt ist. „Selbst ein kräf­ti­ger jun­ger Mann hät­te sich nicht be­frei­en kön­nen“, sagt die Kri­po und schließt auch dar­aus, dass der Tä­ter den Tod des Op­fers in Kauf ge­nom­men hat. Auch hät­te die Frau die Nacht we­gen der nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren nicht über­lebt. Es steht da­mit ver­such­ter Mord im Raum.

Das Op­fer wird nur durch ei­nen un­glaub­li­chen Zu­fall ge­ret­tet: Kurz vor Ein­bruch der Dun­kel­heit über­prüft ein Jä­ger ei­ne Füt­te­rungs­stel­le am Berg­hang. Durchs Fern­glas ent­deckt er „et­was Ro­tes“. Er steigt hin­auf und be­freit die Rent­ne­rin.

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