Der Wir­bel­säu­len­ka­the­ter

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Die­ses Mar­ty­ri­um ken­nen Mil­lio­nen Pa­ti­en­ten – in un­ter­schied­li­cher Stär­ke: Sie ha­ben Schmer­zen beim Ste­hen und beim Ge­hen, manch­mal strah­len die Be­schwer­den von ei­ner be­stimm­ten Stel­le am Kreuz (Fach­be­griff lo­ka­ler Rü­cken­schmerz) ins Ge­säß und in die Bei­ne aus. Aus­lö­ser für die­se Be­schwer­den ist häu­fig ei­ne Ei­n­en­gung des Wir­bel­ka­nals. Ei­ni­ge Va­ri­an­ten die­ser Er­kran­kung – vor al­lem im leich­ten bis mitt­le­rem Sta­di­um – las­sen sich mit ei­nem Wir­bel­säu­len­ka­the­ter be­han­deln.

Das ist ein we­ni­ge Mil­li­me­ter dün­ner, bieg­sa­mer Kunst­stoff­schlauch. Er wird mit ei­ner Na­del durch ei­ne na­tür­li­che Öff­nung am Kreuz­bein (im Be­reich des un­te­ren Rü­ckens) bis in den Wir­bel­ka­nal vor­ge­scho­ben. Das Schläuch­lein hat ei­ne Op­tik – ei­ne Art Mi­ni­ka­me­ra, die Bil­der auf ei­nen Mo­ni­tor über­trägt. Zu­sätz­lich lie­fert ei­ne mo­bi­le Rönt­ge­n­an­la­ge (Fach­be­griff C-Bo­gen) Bil­der. Die Kom­bi­na­ti­on der bei­den Ver­fah­ren er­mög­licht es dem Arzt, Me­di­ka­men­te ge­nau an die Stel­le zu lei­ten, wo die Schmer­zen mut­maß­lich ent­ste­hen. Die Mit­tel sol­len bei­spiels­wei­se Ent­zün­dun­gen be­kämp­fen oder dar­aus re­sul­tie­ren­de Ver­kle­bun­gen so­wie stö­ren­des Nar­ben­ge­we­be von vor­he­ri­gen Ope­ra­tio­nen lö­sen. Zu­sätz­lich kann auch ein Schrump­fen von stö­ren­dem Band­schei­ben­ge­we­be (von ei­nem Band­schei­ben­vor­fall) die Ner­ven­wur­zel ent­las­ten.

„Die­se Ka­the­ter­tech­nik gilt seit vie­len Jah­ren als eta­bliert“, er­läu­tert Dr. Schnei­der­han. In­zwi­schen steht nun auch ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung zur Ver­fü­gung: ein Vi­deo­ka­the­ter, der zu­sätz­lich mit ei­nem Ar­beits­ka­nal aus­ge­stat­tet ist. Das heißt: „In­ner­halb des Schläuch­leins las­sen sich feins­te In­stru­men­te wie Mi­kro­zan­gen in den Wir­bel­ka­nal trans­por­tie­ren – ge­nau­er ge­sagt zu den Ner­ven­wur­zel­durch­tritts­stel­len“, so der Or­tho­pä­de. „Dort kann man bei­spiels­wei­se her­vor­ge­quol­le­nes Band­schei­ben­ge­we­be oder ver­schleiß­be­ding­te knö­cher­ne An­bau­ten an den Wir­bel­kör­pern be­sei­ti­gen.“In die­sen Fäl­len spricht man von kom­bi­nier­ten Ste­no­sen.

Der wei­ter­ent­wi­ckel­te Ka­the­ter bie­tet auch die Mög­lich­keit, ei­ne Art zu­sam­men­ge­fal­te­ten Mi­ni­bal­lon zu den Ner­ven­wur­zeln zu brin­gen. Dort wird er ent­fal­tet, um den ein­ge­eng­ten Be­reich auf­zu­deh­nen – das Grund­prin­zip er­in­nert an die Wei­tung von Eng­stel­len in den Herz­kranz­ge­fä­ßen (mit­tels Herz­ka­the­ter).

Der Pa­ti­ent be­kommt von der ver­gleichs­wei­se sanf­ten Ope­ra­ti­on nichts mit, er be­fin­det sich in ei­ner Däm­mer­schlaf­nar­ko­se. Zwei Ta­ge spä­ter darf er in der Re­gel das Kran­ken­haus wie­der ver­las­sen.

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