Die Band­schei­ben-Kis­sen

tz - - MÜNCHEN+REGION - ANDREAS BEEZ

Sie gel­ten als ei­ne Art Stoß­dämp­fer zwi­schen den Wir­bel­kör­pern. Wenn die Band­schei­ben ers­te Ab­nut­zungs­er­schei­nun­gen auf­wei­sen, spre­chen Me­di­zi­ner von Chon­d­ro­se. Die Er­kran­kung führt un­ter an­de­rem da­zu, dass die Band­schei­ben an Flüs­sig­keit ver­lie­ren und da­durch schrump­fen. Das be­kommt der Pa­ti­ent häu­fig im Sit­zen oder bei be­stimm­ten Dreh­be­we­gun­gen zu spü­ren, im Lie­gen wird’s meist bes­ser.

So­lan­ge sich der Band­schei­ben­ver­schleiß noch im An­fangs­sta­di­um be­fin­det, las­sen sich die Schmer­zen mit ei­nem spe­zi­el­len Ver­fah­ren sta­bi­li­sie­ren. Es funk­tio­niert mit­hil­fe so­ge­nann­ter Hy­dro­gelS­ticks, die man sich wie Was­ser­kis­sen für die Band­schei­be vor­stel­len kann.

Und die funk­tio­nie­ren so: Der Arzt sticht mit ei­ner fei­nen Hohl­na­del bis in den Band­schei­ben­kern und trans­por­tiert klei­ne fa­den­ar­ti­ge Im­plan­ta­te hin­ein. „Die­se Hy­dro­gel-Sticks sau­gen Flüs­sig­keit aus der Band­schei­be und aus dem um­lie­gen­den Ge­we­be auf. Bin­nen kur­zer Zeit schwel­len sie auf die et­wa zehn­fa­che Grö­ße an. Da­durch kann sich die Band­schei­be aus­deh­nen und ih­re Puf­fer­funk­ti­on wie­der bes­ser er­fül­len“, er­läu­tert der Neu­ro­chir­urg Dr. Frank Som­mer im tz- Ge­spräch. „Ein po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt ist, dass der Säu­re­grad in­ner­halb des Band­schei­ben­kerns durch die Hy­dro­gel-Sticks er­höht wird. Dies hemmt be­stimm­te Bo­ten­stof­fe, die an der Schmer­zwei­ter­lei­tung be­tei­ligt sind.“

Der Ein­griff er­folgt in leich­ter Däm­mer­schlaf­nar­ko­se und dau­ert et­wa 20 Mi­nu­ten. „Vie­le Pa­ti­en­ten ver­spü­ren schon am Tag der OP ei­ne Lin­de­rung ih­rer Be­schwer­den“, be­rich­tet Dr. Som­mer. „Ei­ne end­gül­ti­ge Beur­tei­lung des Be­hand­lungs­er­geb­nis­ses ist al­ler­dings erst nach sechs bis acht Wo­chen mög­lich.“Der Pa­ti­ent bleibt nach dem Ein­griff in der Re­gel zwei Ta­ge in der Kli­nik. Wich­tig: „Die­se Be­hand­lung macht nur bei Band­schei­ben­ver­schleiß Sinn, nach Band­schei­ben­vor­fäl­len oder Vo­ro­pe­ra­tio­nen ist sie un­ge­eig­net“, be­tont Dr. Som­mer.

Die Band­schei­be dient als Stoß­dämp­fer zwi­schen den Wir­bel­kör­pern . Die fa­den­ar­ti­gen Im­plan­ta­te wer­den mit ei­ner Na­del in den Band­schei­ben­kern trans­por­tiert . Dort sau­gen sie Flüs­sig­keit auf . Da­durch dehnt sich die Band­schei­be und kann ih­re Puf­fer­funk­ti­on wie­der bes­ser er­fül­len.

Neu­ro­chir­urg Dr. Frank Som­mer

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