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tz - - MENSCHEN - JOA­CHIM SIEBERT (72), RENT­NER AUS MÜN­CHEN

Von VR-Bril­len ha­ben vie­le von uns schon ein­mal et­was ge­hört. Was das aber ge­nau ist, wis­sen die we­nigs­ten. VR ist die Ab­kür­zung für Vir­tu­al Rea­li­ty. Mit ei­ner VR-Bril­le kann man in die­se an­de­re, vor­ge­täusch­te Rea­li­tät ein­tau­chen. Heu­te be­rich­ten wir über ei­nen

Le­ser, der so ei­ne Bril­le kauf­te, aber die neue Tech­nik völ­lig falsch ein­ge­schätzt hat­te. Die­se Tech­nik hat zu­erst die Com­pu­ter­spie­le re­vo­lu­tio­niert, in­zwi­schen ex­pe­ri­men­tie­ren auch Do­ku­men­tar­fil­mer da­mit, und so­gar ei­ni­ge Han­dy­her­stel­ler ha­ben sie ent­deckt. Beim Han­dy wird das Dis­play als Bild­schirm ver­wen­det. Wer be­stimm­te Bil­der auf ihm mit der Am 1. Ju­ni die­ses Jah­res war ich in ei­nem Te­le­fon­la­den in der Fuß­gän­ger­zo­ne, in dem mir ein Han­dy mit ei­ner VR-Bril­le an­ge­bo­ten wur­de. Ich woll­te das Han­dy und die Bril­le zur An­sicht mit nach Hau­se neh­men. Als ich al­les da­heim hat­te, stell­te sich her­aus, dass ich mit der neu­en Tech­nik nicht zu­recht­kam. Dar­auf­hin woll­te ich das Han­dy und die Bril­le wie­der zu­rück­ge­ben. Aber im La­den hieß es, ich ha­be ei­nen Kauf­ver­trag ab­ge­schlos­sen, und man neh­me die Ge­gen­stän­de nicht zu­rück. In mei­ner Ver­zweif­lung schrieb ich meh­re­re Mails an die Ge­schäfts­lei­tung der Fir­ma. Er­reicht ha­be ich trotz­dem nichts. Bit­te hel­fen Sie mir!

Die Ju­ris­tin der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bay­ern, Da­nie­la Cze­kal­la, klär­te uns auf, dass das Un­ter­neh­men im Recht sei. Bei dem Kauf in ei­nem La­den han­delt es sich um ei­nen so­ge­nann­ten „sta­tio­nä­ren Kauf“. Sol­che Käu­fe kön­nen am nächs­ten Tag nicht wi­der­ru­fen wer­den. An­ders wä­re es ge­we­sen, wenn ein Ver­käu­fer den Kun­den auf der Stra­ße an­ge­spro­chen hät­te, um dann mit ihm im La­den ei­nen Ver­trag ab­zu­schlie­ßen. Dann wä­re ein Rück­tritt mög­lich ge­we­sen.

Joa­chim Siebert ist ein Fan von 3-D-Bil­dern. Er war der Mei­nung, mit dem neu­en Han­dy kön­ne er 3-DFo­tos auf­neh­men und sie dann mit der VR-Bril­le drei­di­men­sio­nal se­hen. Das stimmt aber nicht. Bil­der, Spie­le und Fil­me für VRB­ril­le sind mit ei­ner spe­zi­el­len Tech­nik auf­ge­nom­men. Man muss die fer­ti­gen Pro­duk­te al­so auf das Han­dy la­den, um sie dann mit der Bril­le an­schau­en zu kön- Zau­ber­bril­le be­trach­tet, für den ver­mischt sich ei­ne vir­tu­el­le Welt mit der Rea­li­tät. Das heißt, er sieht drei­di­men­sio­na­le Bil­der rings um sich, egal wo­hin er den Kopf dreht. Ur­sprüng­lich war die­se Tech­nik teu­ren Si­mu­la­to­ren zur Aus­bil­dung von Pi­lo­ten oder Ärz­ten, die für kom­pli­zier­te Ope­ra­tio­nen üb­ten, vor­be­hal­ten. In­zwi­schen ist sie reif fürs Han­dy. Die VR-Bril­le misst die Kopf­be­we­gung, er­rech­net blitz­schnell das nen. Wer das tut, er­lebt ei­ne neue Welt. Die­se Welt heißt Vir­tu­al Rea­li­ty und ver­mischt zwei Rea­li­tä­ten. Ei­ne ech­te und ei­ne fal­sche. Man kann in sol­chen drei­di­men­sio­na­len Bil­dern re­gel­recht spa­zie­ren ge­hen, und man kann in die ver­schie­dens­ten Rich­tun­gen schau­en, als wä­re man in ei­ner rea­len Sze­ne. Ärz­te emp­feh­len al­ler­dings, nicht zu lan­ge in die­se vir­tu­el­le Welt ein­zu­tau­chen, weil rich­ti­ge Bild und spielt es ein. Da­mit wird un­se­rem Hirn vor­ge­gau­kelt, nicht nur ein Bild zu se­hen, son­dern in ei­nem Raum zu ste­hen, in dem wir uns be­we­gen kön­nen. Die tech­ni­sche Schwie­rig­keit bei sol­chen Bril­len ist, dass sie die Kopf­be­we­gun­gen dau­ernd mes­sen müs­sen, um das je­weils rich­ti­ge Bild zu er­rech­nen. Wenn die Ver­zö­ge­rung zu lan­ge wird, stim­men Be­we­gung und Bil­der nicht über­ein, und dem Be­trach­ter wird schlecht. Schweiß­aus­brü­che, Herz­ra­sen und Kopf­weh die Fol­ge sein kön­nen.

Um die­se neue Wun­der­welt ging es Joa­chim Siebert aber gar nicht. Als wir der Fir­ma das klar­ge­macht hat­ten, dau- Das ers­te Head­set, mit dem man in die VR-Welt ein­tau­chen konn­te, kon­stru­ier­te der da­mals 18-jäh­ri­ge Pal­mer Lu­ckey. Er war so über­zeugt von sei­ner Er­fin­dung, dass er per Crowd­fun­ding mehr als zwei Mil­lio­nen Dol­lar sam­mel­te, um die Bril­le markt­reif zu ma­chen. Zwei Jah­re spä­ter ver­kauf­te er sein Un­ter­neh­men für zwei Mil­li­ar­den Dol­lar. Das ist der Stoff, aus dem mo­der­ne Mär­chen sind.

Ihr er­te es nicht lan­ge, und der tz- Le­ser be­kam ei­nen Brief, in dem stand, er dür­fe Han­dy und Bril­le zu­rück­schi­cken. Die Fir­ma trat von dem Ver­trag zu­rück und er­stat­te­te den Kauf­preis. Joa­chim Siebert ist na­tür­lich heil­froh: „Oh­ne die Hil­fe des Bür­ger­an­wal­tes hät­te ich jetzt ei­ne Da­ten­bril­le, mit der jun­ge Leu­te si­cher ih­ren Spaß ha­ben, die aber die nichts für mich ist.“

F.: Micha­el Wes­ter­mann

Joa­chim Siebert und Bür­ger­an­walt Diet­mar Gai­ser (li.) mit fu­tu­ris­ti­scher Tech­nik

Te­le­fon 089/530 65 22, Fax: 089/530 61 27, buer­ger­an­walt@tz.de, tz-Re­dak­ti­on, „Jetzt schreib i“, 81027 Mün­chen

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