Teu­re Laub­be­sei­ti­gung

tz - - MENSCHEN - ER­WIN UND GERDA M., RENT­NER, MÜN­CHEN

Wir woh­nen im Sü­den von Mün­chen in ei­ner Wohn­sied­lung. Un­ser Nach­bar hat ei­ne Art na­tür­li­che He­cke mit gro­ßen Bäu­men und vie­len Bü­schen, die über­mä­ßig viel Laub ver­lie­ren. Für uns be­deu­tet es je­des Jahr ei­nen Rie­sen­auf­wand, da­mit un­ser Gar­ten nicht un­ter ei­ner di­cken Laub­schicht er­stickt und un­se­re Dach­rin­nen ver­stop­fen. Wir kön­nen die Ar­beit nicht mehr selbst be­wäl­ti­gen. Das Ent­fer­nen des Lau­bes kos­tet je­des Jahr ei­ne er­heb­li­che Sum­me. Kön­nen wir vom Nach­barn da­für Geld ver­lan­gen, schließ­lich ist er ja der Ver­ur­sa­cher?

Nein, lei­der nicht, sagt Ru­dolf Stür­zer, Vor­sit­zen­der von Haus und Grund Mün­chen. Laub­fall und der da­mit ver­bun­de­ne Auf­wand des Ent­fer­nens wird von der Recht­spre­chung als orts­üb­li­che Be­ein­träch­ti­gung an­ge­se­hen, so­dass kei­ne Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che be­ste­hen. Ei­ne so­ge­nann­te Lau­bren­te, al­so ei­ne Aus­gleichs­zah­lung für den mit dem Ent­fer­nen des Laubs ver­bun­de­nen Auf­wand, ge­steht die Recht­spre­chung dem be­ein­träch­tig­ten Grund­stücks­ei­gen­tü­mer nur in ganz be­son­ders ge­la­ger­ten Aus­nah­me­fäl­len zu. Da­zu hat un­ter an­de­rem das Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­den, dass in ei­ner „durch­grün­ten“Sied­lung, in der gro­ße Bäu­me das Ge­samt­bild prä­gen, ein er­höh­tes Laub-, Blü­ten- und Sa­men­auf­kom­men ge­dul­det wer­den muss. Ei­ne über­mä­ßi­ge Be­ein­träch­ti­gung des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers liegt nach Auf­fas­sung des AG Mün­chen nicht vor, wenn er drei- bis vier­mal im Jahr die Re­gen­rin­nen rei­ni­gen und zehn bis 15 Ton­nen mit je 80 Li­ter Laub ent­sor­gen muss (Az.: 114 C 31118/12). Der Bun­des­ge­richts­hof sagt, dass für ei­ne Lau­bren­te die Be­ein­träch­ti­gung tat­säch­lich un­zu­mut­bar sein muss (Az.: V ZR 102/03).

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