Steckt im Ei Kin­der­ar­beit?

Vor­wurf ge­gen Fer­re­ro – Jus­tiz prüft den Fall

tz - - COMIC - SAS

Kin­der lie­ben das klei­ne Spiel­zeug, das in Über­ra­schungs­ei­ern steckt. We­gen des bun­ten Ver­gnü­gens in der gel­ben Kap­sel steckt der Her­stel­ler Fer­re­ro jetzt al­ler­dings in Schwie­rig­kei­ten: In Ru­mä­ni­en sol­len Kin­der in Heim­ar­beit an der Pro­duk­ti­on be­tei­ligt ge­we­sen sein. Die ru­mä­ni­sche Staats­an­walt­schaft hat Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men. Da­bei geht es um den Ver­dacht auf Aus­beu­tung Min­der­jäh­ri­ger, wie Mi­hae­la Po­ri­me von der Son­der­ein­heit der Staats­an­walt­schaft DIICOT in Bu­ka­rest sag­te. Aus­lö­ser war ein Be­richt der bri­ti­schenBou­le­vard­zei­tung The Sun, dem­zu­fol­ge schul­pflich­ti­ge Kin­der ein­ge­setzt wür­den, um Spiel­zeu­ge in die Plas­tik­kap­seln zu fül­len. Der Kon­zern Fer­re­ro mit Haupt­sitz im ita­lie­ni­schen Al­ba zeig­te sich ges­tern „ent­setzt und tief be­trof­fen“von den An­schul­di­gun­gen. Man ge­he den Vor­wür­fen nach und ha­be „so­for­ti­ge, um­fas­sen­de Er­mitt­lun­gen ein­ge­lei­tet“.

Die Sun hat­te ei­ne Fa­mi­lie in Ca­rei (Nord­west-Ru­mä­ni­en) be­sucht und do­ku­men­tiert, wie Han­nah (6) und Patrick (11) die Spiel­zeu­ge in Kap­seln fül­len. Bis zu 13 St­un­den am Tag müss­ten sie täg­lich ar­bei­ten – für ei­ne ma­ge­re Ent­loh­nung. Um­ge­rech­net ge­ra­de mal 4,43 Eu­ro wür­den der Fa­mi­lie an­geb­lich für 1000 Eier be­zahlt. Es sei „Skla­ven­ar­beit“, zi­tier­te das Blatt die El­tern. Die 30-jäh­ri­ge Mut­ter Ti­mea J. klag­te dem­nach ge­gen­über der bri­ti­schen Zei­tung: „Ich weiß, dass die Be­zah­lung schreck­lich nied­rig ist, aber wir brau­chen das Geld drin­gend, um Es­sen für uns und un­se­re Kin­der zu kau­fen.“Zu­dem be­schrieb die Sun die un­hy­gie­ni­schen Be­din­gun­gen, un­ter de­nen die Kap­seln zu­sam­men­ge­setzt wür­den. Die Ein­zel­tei­le be­kom­me die Fa­mi­lie von der Fir­ma Pro­le­gis, ei­nem Su­b­un­ter­neh­mer des Spiel­zeug­fa­bri­kan­ten Rom­e­xa SA.

In ei­ner Pres­se­mit­tei­lung von Fer­re­ro Deutsch­land, die der tz vor­liegt, be­stä­tig­te der Kon­zern ges­tern die Ko­ope­ra­ti­on mit dem Zu­lie­fe­rer. „Wir ar­bei­ten in der Tat mit den in den Me­di­en ge­nann­ten Fir­men Rom­e­xa und Pro­le­gis (ei­nem ge­neh­mig­ten Su­blie­fe­ran­ten von Rom­e­xa) zu­sam­men, bei de­nen re­gel­mä­ßig un­ab­hän­gi­ge Über­prü­fun­gen durch­ge­führt wer­den“, hieß es. Bei der jüngs­ten Über­prü­fung im Mai 2016 sei fest­ge­stellt wor­den, „dass der Fer­re­roKo­dex ge­nau­es­tens ein­ge­hal­ten wur­de“.

Die­ser Ko­dex für Lie­fe­ran­ten sei Teil der Ver­trags­be­din­gun­gen und schlie­ße „den Ein­satz von Kin­dern zwin­gend aus“, wie Fer­re­ro in der Er­klä­rung aus­drück­lich be­ton­te. Der Süß­wa­ren­her­stel­ler will die er­ho­be­nen Kin­der­ar­beits­vor­wür­fe schnellst­mög­lich auf­klä­ren. Da­zu sei­en be­reits un­ab­hän­gi­ge Prü­fer so­wie ein ent­spre­chend spe­zia­li­sier­tes Team nach Ru­mä­ni­en ge­schickt wor­den. Of­fen blieb zu­nächst, ob Heim­ar­beit bei der Her­stel­lung von Über­ra­schungs­ei­ern bei Fer­re­ro-Zu­lie­fe­rern all­ge­mei­ne Pra­xis ist. Fer­re­ro gab da­zu zu­nächst kei­ne Aus­kunft.

Mitt­ler­wei­le wur­den ers­te Zwei­fel an der Darstel­lung der Sun laut. So sag­te die Schul­di­rek­to­rin von Han­nah und Patrick ge­gen­über ört­li­chen Me­di­en, die Kin­der be­such­ten re­gel­mä­ßig die Schu­le, es sei da­her aus­zu­schlie­ßen, dass sie an 13-stün­di­gen Ar­beits­ta­gen aus­ge­beu­tet wür­den.

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