Darf der das?

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Gibt es recht­li­che Grün­de ge­gen die Wie­der­wahl? Nein. „Ju­ris­tisch ist da nichts ein­zu­wen­den, es gibt kein Ge­setz, das ver­bie­tet, dass Vor­be­straf­te Prä­si­dent ei­nes Ver­eins wer­den dür­fen“, er­klärt Kuhn. Auch in sei­ner Hand­lungs­fä­hig­keit ist Ho­en­eß nicht ein­ge­schränkt, er kann schal­ten und wal­ten wie vor sei­ner Ver­ur­tei­lung. ■ Gibt es ähn­li­che Bei­spie­le? „Bei wirt­schaft­li­chen Un­ter­neh­men wä­re ein ähn­li­cher Vor­gang äu­ßerst schwie­rig, zu­min­dest nach ei­ner so kur­zen Zeit­span­ne zwi­schen Ver­ur­tei­lung und Wie­der­be­schäf­ti­gung. Be­son­ders bei Un­ter­neh­men mit Kun­den­kon­takt wä­re man sehr vor­sich­tig, da man ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen we­gen schlech­ter Pres­se fürch­ten wür- de.“Ho­en­eß wur­de im März 2014 ver­ur­teilt, rund zwei­ein­halb Jah­re spä­ter kehrt er zu­rück. „Ten­den­zi­ell wer­den sol­che The­men im Sport an­ders wahr­ge­nom­men. War­um das so ist, ist eher ei­ne in­ter­es­san­te so­zio­lo­gi- sche Fra­ge“, so Kuhn. „Viel­leicht denkt ein Fan oder Ver­eins­mit­glied an­ders als ein Kun­de“. ■ Hat je­der ei­ne zwei­te Chan­ce ver­dient? Das Straf­recht zielt auf Re­so­zia­li­sie­rung ab, so Kuhn: „Für ei­nen Straf­tä­ter, der sei­ne Tat ver­büßt und in Form von Haft oder ei­ner Geld­zah­lung ab­leis­tet bzw. ab­ge­leis­tet hat, gibt es das Be­stre­ben des Staa­tes, die­sen Men­schen zu re­so­zia­li­sie­ren, al­so ihn zu bes­sern und wie­der in die Ge­sell­schaft ein- zu­glie­dern.“Ho­en­eß ist für die­sen Vor­gang ein Pa­ra­de­bei­spiel, auch weil ihm, selbst wäh­rend der Ver­hand­lung, vie­le Sym­pa­thi­en ent­ge­gen­ge­bracht wur­den. ■ Wel­che Aus­wir­kun­gen könn­te die Wahl ha­ben? Kein Spon­sor – im FCB-Auf­sichts­rat sit­zen Adi­das, Au­di, Te­le­kom, Al­li­anz und die UniCre­dit Bank – hat sich bis­her ne­ga­tiv über die Ho­en­eß-Rück­kehr ge­äu­ßert. „Soll­te dort bei ei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung die Fra­ge auf­tau­chen, ob man dar­auf nicht re­agie­ren müs­se, könn­te dies zu in­ter­es­san­ten Dis­kus­sio­nen füh­ren“, so Kuhn.

Sa­scha Kuhn

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