„Der Bie­ro packt das!“

tz - - SPORT - IN­TER­VIEW: LUD­WIG KRAMMER

Fuß­ball­gott? Da kann es beim TSV 1860 nur ei­nen ge­ben: Tho­mas Mil­ler (53), der als kom­pro­miss­lo­ser Ab­wehr­spie­ler mit den Sech­zi­gern von der Bay­ern­li­ga bis in die Bun­des­li­ga mar­schier­te und dort bis zum Kar­rie­re­en­de 1997 auch Star­stür­mern das Fürch­ten lehr­te. Der Kampf war „Kil­ler“Mil­lers Me­tier, um­so mehr ha­ben ihn die blut­lee­ren Auf­trit­te der Lö­wen in die­ser Sai­son ent­setzt. Was Mil­ler von Da­ni­el Bier­of­kas zwei­tem Ret­tungs­auf­trag hält, wen er im neu­en Jahr ger­ne als Trai­ner des TSV sä­he und wo sich die Lö­wen ein Bei­spiel an RB Leip­zig neh­men soll­ten, er­zählt er im tz- In­ter­view.

Tho­mas, Sie wa­ren am Mon­tag beim 1:1 ge­gen Kai­sers­lau­tern im Sta­di­on. Wel­chen Ein­druck hat die Mann­schaft auf Sie ge­macht?

Mil­ler: Ei­nen tem­pe­ra­ment­lo­sen, po­ma­di­gen, mut­lo­sen. Da war nichts zu se­hen, kein Sprint, kei­ne Idee, gar nichts. Es hat mir weh­ge­tan beim Zu­schau­en. Und es macht ei­nen wü­tend, weil es ja nicht der ers­te sol­che Auf­tritt in die­ser Sai­son war. Im Grun­de ge­nom­men ha­ben die Geg­ner in al­len 13 bis­he­ri­gen Spie­len mehr in­ves­tiert als Sech­zig, auch bei den Sie­gen. Aue hat uns beim Stand von 2:4 mit ei­nem Mann we­ni­ger an die Wand ge­spielt! Ei­ne Fra­ge der Qua­li­tät? Mil­ler: Ganz si­cher nicht. Die Mann­schaft ist de­fi­ni­tiv stär­ker be­setzt als letz­tes Jahr, auch die Ver­letz­ten­si­tua­ti­on las­se ich nicht als Aus­re­de gel­ten. Ich bin mir ab­so­lut si­cher: Wenn die­ser Ka­der nor­mal trai­niert wird und die Mann­schaft ver­nünf­tig auf­ge­stellt wird, dann lan­dest du zwi­schen Platz acht und zwölf. War­um ein And­ra­de nicht frü­her spie­len durf­te, das soll ver­ste­hen wer will. Und wenn es nicht ver­säumt wor­den wä­re, im Som­mer ei­nen In­nen­ver­tei­di­ger da­zu­zu­ho­len, dann müss­test du jetzt so­gar im obe­ren Drit­tel der Ta­bel­le ste­hen.

Trai­ner Kos­ta Run­jaic, der Haupt­adres­sat Ih­rer Kri­tik, ist Ver­gan­gen­heit bei 1860, bis zur Win­ter­pau­se soll es nun wie­der Da­ni­el Bier­of­ka rich­ten. Die rich­ti­ge Lö­sung? Mil­ler: Auf je­den Fall. Der Da­ni­el packt das, der wird das wie­der sehr gut ma­chen, da ha­be ich über­haupt kei­ne Zwei­fel. Die Fra­ge ist, was da­nach kommt.

Wel­che Trai­ner könn­ten Sie sich denn vor­stel­len bei 18 60?

Mil­ler: Was bei die­sem spe­zi­el­len Ver­ein funk­tio­niert, ist Zu­cker­brot und Peit­sche. Der idea­le Mann für mich wä­re Bernd Holl-

„Das Team ist stär­ker be­setzt als letz­tes Jahr!“ Tho­mas Mil­ler sieht kein

er­bach ge­we­sen. Auch Jens Kel­ler hät­te ich mir sehr gut vor­stel­len kön­nen. Aber bei bei­den wur­de lei­der ver­säumt, sie zum rich­ti­gen Zeit­punkt an­zu­spre­chen. Jetzt ist es da­für na­tür­lich zu spät. Wer bleibt üb­rig?

Mil­ler: Von den Trai­nern, die ak­tu­ell auf dem Markt sind, ge­fällt mir das Duo Bru­no Lab­ba­dia und Bern­hard Tra­res. Das sind zwei Kämp­fer, die wis­sen wie’s geht.

Nur dürf­te der jüngs­te Auf­tritt von In­ves­tor Ha­san Is­ma­ik den Stand­ort Gie­sing nicht un­be­dingt at­trak­ti­ver ge­macht ha­ben…

Mil­ler: Er will, dass Sech­zig nach oben kommt, aber er kennt sich mit den Mecha­nis­men des Pro­fi­ge­schäfts nicht aus und ist schwer ent­täuscht. Mei­ne größ­te Angst ist, dass bei der der­zei­ti­gen Ver­wir­rung schon wie­der wert­vol­le Zeit für die Pla­nung der nächs­ten Sai­son ver­lo­ren geht. Pro­fes­sio­na­li­tät be­deu­tet früh dran zu sein, sie­he Leip­zig – da wird per­spek­ti­visch ge­ar­bei­tet.

Wie soll das mit ei­nem de­mon­tier­ten Sport­chef Tho­mas Eichin funk­tio­nie­ren?

Mil­ler: Er ist an­ge­stellt, war­um soll er dann nicht ar­bei­ten kön­nen? Trans­fers an­zu­bah­nen, das ist sei­ne Auf­ga­be. Es geht hier um 1860, nicht um Ein­zel­schick­sa­le.

Fo­tos: Im­a­go (2), Sam­pics

Ein­schwö­ren für Braun­schweig: Da­ni­el Bier­of­ka im Kreis der Pro­fis

Mil­ler (r.) mit Bernd Tra­res 1995 ge­gen Sté­pha­ne Cha­pui­sat

Kult­lö­we Tho­mas Mil­ler (53)

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