Si­cher­heits­netz für die Ren­te!

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In wel­chen Punk­ten ist sich die Gro­ße Ko­ali­ti­on ei­nig?

Bei der An­glei­chung der Ost- und We­st­ren­ten. An­ders als ur­sprüng­lich ge­plant soll die Ren­ten­ein­heit nicht schon bis 2020 voll­zo­gen sein, son­dern erst 2025. Al­ters­ar­mut von Men­schen, die we­gen Krank­heit früh aus dem Job aus­schei­den und Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­kom­men, soll mi­ni­miert wer­den. Bei den der­zeit rund 1,8 Mil­lio­nen Er­werbs­min­de­rungs­rent­nern la­gen die Be­zü­ge 2015 in West­deutsch­land im Schnitt bei nur 730 Eu­ro im Mo­nat. Der­zeit wird ih­re Ren­te so be­rech­net, als wenn sie bis 62 ge­ar­bei­tet hät­ten – die­se Zu­rech­nungs­zeit soll zwi­schen 2018 und 2024 auf 65 Jah­re er­höht wer­den. Kos­ten­punkt: lang­fris­tig bis zu drei Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr.

Der Ren­ten­wahl­kampf ist er­öff­net! SPD-So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les will ei­ne „dop­pel­te Hal­t­el­i­nie“für die Ren­ten­hö­he und den Bei­trags­satz ins Sys­tem ein­bau­en – und so ver­hin­dern, dass die Ren­te wie ur­sprüng­lich ge­plant von der­zeit 48 auf 41,7 Pro­zent bis zum Jahr 2045 ab­sinkt. Das Si­cher­heits­netz soll laut Nah­les bei 46 Pro­zent lie­gen und ge-

Wo hakt es noch? Un­ter an­de­rem bei der Fi­nan­zie­rung der Ost-West-An­glei­chung. Denn wäh­rend Nah­les er­klär­te, die Kos­ten da­für in Hö­he von jähr­lich rund 3,9 Mil­li­ar­den Eu­ro sol­len aus Steu­ern fi­nan­ziert wer­den, wi­der­sprach das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um von Wolf­gang Schäu­b­le (CDU): „Wir ge­hen da­von aus, dass die Fi­nan­zie­rung aus dem Sys­tem der Ren­ten­ver­si­che­rung er­folgt.“

■ Was wird aus dem CSU-Pro­jekt Müt­ter­ren­te?

Auch die­ser Streit­punkt wur­de bei dem Ko­ali­ti­ons­Gip­fel am Don­ners­tag­abend nicht ge­klärt. Die CSU will ih­re For­de­rung nach ei­ner Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te jetzt zum Wahl­kampf­the­ma ma­chen. Schon in der lau­fen­den Le­gis­la­tur hat­te die schwarz­ro­te Ko­ali­ti­on ei­ne Ver­bes­se­rung für Müt­ter äl­te­rer Kin­der be­schlos­sen. Ih­nen wer­den bei der Ren­te nun zwei Er­zie­hungs­jah­re an­er­kannt – und setz­lich ver­an­kert wer­den. Die Ober­gren­ze für die Bei­trä­ge will die SPD-Mi­nis­te­rin bei 24 Pro­zent zie­hen. Nah­les will auch Selbst­stän­di­ge ins Ren­ten­sys­tem mit­ein­be­zie­hen. Die Uni­on lehnt das Kon­zept ab. Und auch bei der am Don­ners­tag­abend ver­kün­de­ten Ei­ni­gung zur An­glei­chung der Ost­Ren­ten gibt es Zoff. Die er­klärt die Be­schlüs­se – und die Streit­punk­te. da­mit ei­nes mehr als zu­vor. Müt­tern, de­ren Kin­der nach 1992 zur Welt ka­men, wer­den al­ler­dings drei Jah­re an­ge­rech­net. Das soll nach dem Wil­len der CSU auch für Müt­ter von äl­te­ren Kin­dern gel­ten.

■ Wie will die SPD die Al­ters­ar­mut be­kämp­fen?

Nah­les schlug für Ge­ring­ver­die­ner ei­ne „ge­setz­li­che So­li­d­ar­ren­te“vor. Wer 35 Jah­re Bei­trä­ge ge­leis­tet ha­be, sol­le mehr Ren­te be­kom­men als nur die Grund­si­che­rung im Al­ter. Die So­li­d­ar­ren­te sol­le zehn Pro­zent über dem Be­trag lie­gen, der an Grund­si­che­rung ge­zahlt wer­de. Au­ßer­dem will die SPD mit Nah­les‘ „Ren­ten-Hal­t­el­i­nie“von 46 Pro­zent in den Wahl­kampf zie­hen. (Was der SPD-Plan für den Ren­ten­bei­trags­satz be­deu­tet, se­hen Sie in der Ta­bel­le rechts.) Nah­les zeig­te sich ent­täuscht, dass die Uni­on ih­rem Plan beim Ren­ten­gip­fel am Don­ners­tag nicht zu­ge­stimmt ha­be: „Es ist ges­tern ei­ne Chan­ce ver­passt wor­den“, sag­te sie. Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) wand­te sich ge­gen ei­nen Wahl­kampf rund um die Al­ters­si­che­rung: An­ge­sichts der Be­schlüs­se se­he er nun kei­ne Not­wen­dig­keit, ei­nen Ren­ten­wahl­kampf zu füh­ren.

■ Was ist mit dem Gro­Ko-Pro­jekt der Fle­xi-Ren­te?

Die kann 2017 kom­men! Der Bun­des­rat gab da­für am Frei­tag grü­nes Licht. Kür­zer­tre­ten oder län­ger ar­bei­ten: Die Fle­xiRen­te der Gro­Ko macht bei­des at­trak­ti­ver. Nach dem Ge­setz der Bun­des­re­gie­rung kann künf­tig ei­ne neu ein­ge­führ­te Teil­ren­te mit Teil­zeit­ar­beit kom­bi­niert wer­den. Das soll An­reiz bie­ten, län­ger zu ar­bei­ten und den dro­hen­den Fach­kräf­te­man­gel ab­mil­dern. Au­ßer­dem dür­fen die­je­ni­gen, die mit 63 Jah­ren in Teil­ren­te ge­hen, künf­tig deut­lich mehr hin­zu­ver­die­nen. Bis­lang droh­ten dras­ti­sche Kür­zun­gen von bis zu zwei Drit­teln, wenn der Hin­zu­ver­dienst mehr als 450 Eu­ro im Mo­nat be­trug. Ab Ju­li 2017 kön­nen Rent­ner jähr­lich 6300 Eu­ro hin­zu­ver­die­nen. Dar­über lie­gen­de Ver­diens­te wer­den zu 40 Pro­zent auf die Ren­te an­ge­rech­net.

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