Dar­um müs­sen wir hel­fen!

tz - - REPORT - DORIT CASPARY

Hai­ti, die völ­lig über­be­völ­ker­te Hälf­te der In­sel Hi­s­pa­ni­o­la, be­fin­det sich bei mei­ner An­kunft im Aus­nah­me­zu­stand. Hur­ri­kan Mat­t­hew ist ge­ra­de mal gu­te vier Wo­chen her. Wir in der Au­ßen­welt hat­ten im Fern­se­hen be­ob­ach­tet, wie sich der Hur­ri­kan Flo­ri­da, den Ba­ha­mas und Hai­ti nä­her­te. Vie­le Leu­te dort wa­ren bis zum Schluss ah­nungs­los. Denn es gibt kei­nen Strom in den länd­li­chen und von Mat­t­hew am schlimms­ten heim­ge­such­ten Ge­gen­den. Kei­nen Fern­se­her, kei­nen Han­dy­emp­fang. Ein­fach nichts au­ßer den ei­ge­nen Hüt­ten, in de­nen die Fa­mi­li­en dar­auf war­te­ten, dass die­se Na­tur­ka­ta­stro­phe vor­über­ging.

Das tat sie. Und der Re­gen kam. So schlimm wie seit vie­len Jah­ren nicht mehr. Es schüt­tet über vie­le Ta­ge hin­weg. Als ich an­kom­me, ste­hen im ein­zi­gen be­tret­ba­ren Raum des in­ter­na­tio­na­len Flug­ha­fens von Cap Hai­ti­en über­all Ei­mer und Wan­nen, die die Was­ser­mas­sen auf­fan­gen sol­len. Der Re­gen hört die nächs­ten Ta­ge nicht auf. Fa­mi­li­en, die nach Mat­t­hew noch ei­nen Über­rest von Hüt­te hat­ten, ver­lie­ren ihn jetzt. Sie flüch­ten in Kir­chen und Schu­len, die als Not­un­ter­künf­te die­nen. 1000 Men­schen sind es al­lei­ne wäh­rend mei­nes Be­suchs in Cap Hai­ti­en, die Un­ter­schlupf in der evan­ge­li­schen Kir­che Ta­ber­na­cle de Louan­ges su­chen. Man­che ha­ben ein paar Hab­se­lig­kei­ten da­bei, aber vie­le kom­men ein­fach so. Hung­rig und nass, nur mit der Hoff­nung, dass sie hier über­le­ben. Unicef ist ge­mein­sam mit Ox­fam vor Ort, stellt Was­ser­tanks und Hand­wasch­sta­tio­nen auf, sucht nach Kran­ken, die be­han­delt wer­den müs­sen. „Wenn wir hier nicht so­fort re­agie­ren, brei­tet sich die Cho­le­ra mit ra­sen­der Ge­schwin­dig­keit aus“, er­klärt die Deut­sche Cor­ne­lia Walt­her, die die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung von Unicef Hai­ti lei­tet.

Über 1000 Kin­der wur­den al­lei­ne nach Mat­t­hew mit der ex­tre­men Brech­durch­fall­krank­heit in­fi­ziert. Unicef be­fürch­tet, dass es bald noch viel mehr sein wer­den, dass es er­neut vie­le To­te ge­ben wird.

Vor dem Erd­be­ben 2010, bei dem 200 000 Men­schen star­ben, war Hai­ti cho­le­ra­f­rei­es Ge­biet. Ne­pa­le­si­sche Blau­helm­sol­da­ten, die beim Auf­bau hel­fen soll­ten, schlepp­ten die Seu­che ein, die seit­her 10 000 To­des­op­fer ge­for­dert hat.

Mei­ne Rei­se führt mich in vie­le Tei­le des Lan­des. Die meis­ten Dör­fer sind nur mit ei­nem Jeep er­reich­bar. Man durch­quert Flüs­se und schlag­loch­durch­setz­te Schlamm­pis­ten, braucht oft vie­le St­un­den für ein paar Ki­lo­me­ter. Selbst in den Städ­ten sind nicht al­le Haupt­stra­ßen ge­teert. Lä­den gibt es kei­ne. Auf den Märk­ten wer­den Salz, Pfef­fer und Mag­gi­wür­fel in Kleinst­por­tio­nen ver­kauft – für nor­ma­le Grö­ßen fehlt den Leu­ten das Geld.

Wie sol­len die­se Fa­mi­li­en ihr Zu­hau­se wie­der auf­bau­en, das Schul­geld für die Kin­der be­zah­len, wenn sie nicht ein­mal al­le satt be­kom­men? Es ist nicht un­ge­wöhn­lich, dass Fa­mi­li­en nur al­le zwei Ta­ge et­was zu es­sen ha­ben. Die Ern­ten sind ver­nich­tet, Geld ist kei­nes da.

Im­mer wie­der er­schreckt es mich, wenn ich Kin­der nach ih­rem Ge­burts­tag fra­ge. Ich schaue in Ge­sich­ter, die um ein viel­fa­ches äl­ter als ihr tat­säch­li­ches Al­ter schei­nen. Die meis­ten sind zu klein, un­ter­ernährt, Bes­ser geht’s doch nicht: Zehn Eu­ro spen­den und mit ein biss­chen Glück ein Traum­au­to ge­win­nen. Un­ter al­len Spen­dern, die min­des­tens zehn Eu­ro auf ei­nes un­se­rer Unicef-Kon­ten ein­zah­len (sie­he Kas­ten), ver­lo­sen wir ei­nen BMW 116i im Wert von rund 30 000 Eu­ro. Der kom­pak­te 109 PS star­ke 5-Tü­rer war­tet be­reits in der BMW Nie­der­las­sung Mün­chen (Fo­to: Nie­der­las­sungs­lei­ter Pe­ter Mey) auf sei­nen künf­ti­gen Be­sit­zer. Falls Sie das sport­lich mo­der­ne Mo­dell Ad­van­ta­ge mit neu ge­stal­te­ter Front­par­tie dort selbst in Au­gen­schein neh­men möch­ten – am Frank­fur­ter Ring 35 sind Sie je­der­zeit herz­lich will­kom­men zum Pro­be­sit­zen. Der Ge­win­ner wird nach Ab­schluss un­se­rer Weih­nachts­ak­ti­on ge­zo­gen. Der Rechts­weg ist aus­ge­schlos­sen. Wich­tig: Bit­te no­tie­ren Sie bei Ih­rer Über­wei­sung den voll­stän­di­gen Na­men und die Adres­se, da­mit wir Sie im Ge­winn­fall be­nach­rich­ti­gen kön­nen. BMW und tz wün­schen viel Glück. ent­wick­lungs­ver­zö­gert. Man sieht es in ih­ren Au­gen – sie ha­ben schon viel zu viel Schlim­mes in ih­rem kur­zen Le­ben ge­se­hen.

In all dem Cha­os, in all die­ser Ar­mut gibt es auch Hoff­nung. In Hai­ti le­ben Men­schen, die et­was än­dern wol­len. Die se­hen, dass das Nach­bar­land, die Do­mi­ni­ka­ni­sche Re­pu­blik, ganz an­ders funk­tio­niert. Vor al­lem bes­ser. Ju­gend­li­che er­zäh­len mir, was sie al­les bes­ser ma­chen wür­den, wä­ren sie Prä­si­dent von Hai­ti. Es sind tol­le Ide­en, die wir Ih­nen in den nächs­ten Wo­chen wäh­rend un­se­rer Spen­den­ak­ti­on auch vor­stel­len wer­den. Ich ha­be Kin­der ge­trof­fen, die ihr Le­ben selbst in die Hand neh­men und da­bei auch noch an­de­ren hel­fen. Bu­ben, die bei­spiels­wei­se St­ei­ne in Flüs­sen sam­meln und als Bau­ma­te­ri­al ver­kau­fen, da­mit sie Schul­hef­te für die gan­ze Klas­se fi­nan­zie­ren kön­nen – ech­te klei­ne Hel­den. Auch de­ren Ge­schich­ten wer­den wir er­zäh­len. Ich ha­be ver­schie­de­ne Unicef-Pro­jek­te, -ko­ope­ra­tio­nen und lo­ka­le Part­ner be­sucht, die wir ganz kon­kret un­ter­stüt­zen wol­len. Denn da sind wir si­cher, dass je­der ge­spen­de­te Cent gut in­ves­tiert ist und wirk­lich an­kommt.

Al­lein kann Hai­ti es nicht schaf­fen, ir­gend­wann wie­der ein Land zu wer­den, das selbst über­le­ben kann.

Lie­be Le­ser, wir wis­sen, dass Sie ein gro­ßes Herz ha­ben. Das be­wei­sen Sie Jahr für Jahr nicht nur wäh­rend un­se­rer Spen­den­ak­tio­nen zu­guns­ten von Unicef. Hel­fen Sie bit­te auch heu­er mit, un­ter­stüt­zen Sie die Kin­der in Hai­ti! Sie ha­ben die Chan­ce auf ei­ne bes­se­re Zu

kunft ver­dient!

Nur ein paar Wo­chen nach Hur­ri­kan Mat­t­hew be­such­te Dorit Caspary die Kin­der in Hai­ti

Fo­to: Achim Schmidt

Fo­tos: Ma­xence Brad­ley

Hai­ti liegt wie die Do­mi­ni­ka­ni­sche Re­pu­blik auf der Ka­ri­bik­in­sel Hi­s­pa­ni­o­la, süd­öst­lich von Ku­ba

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