Ein wah­rer Ro­cket­man

tz - - REPORT - KAT­JA KRAFT

Ach, „Blues“... – um 20 Uhr stimmt El­ton John ges­tern Abend ei­nen sei­ner schöns­ten Songs an und – mein Gott! – mit was für ei­ner Stim­me. Die­ser Mann wird nächs­tes Jahr 70. Was den fröh­li­chen Pad­ding­ton Bär in Men­schen­ge­stalt im ewi­gen Glit­zer­an­zug ver­rät, sind die Hän­de. Doch mag man ih­nen auch das Al­ter an­se­hen – sie flie­gen so flink wie eh und je über die Kla­via­tur.

Er hackt in die Tas­ten; tritt aufs Pe­dal; gibt so viel Kraft in die­sen Holz­kas­ten. Treibt. Als wür­de Ka­ter Tom Mäu­schen Jer­ry ein ums an­de­re Mal vom tie­fen zum ho­hen C ja­gen. Hoch und run­ter, Kreuz und quer. Ein wah­rer Ro­cket Man. Be­rauscht von sei­nem ei­ge­nen Spiel.

Aus­ver­kauf­te Olym­pia­hal­le, Ver­kehrs­cha­os auf dem Ring. Ein Welt­star ist zu Gast. Und der Welt­star be­ginnt pünkt­lich. Das ist ja, wie man spä­tes­tens seit Ri­han­nas Auf­tritts­fi­as­ko vor ei­ni­gen Mo­na­ten im Sta­di­on ein paar Me­ter wei­ter weiß, nicht selbst­ver­ständ­lich.

Was ein ech­ter Sir ist, lässt nie­man­den war­ten. Ver­geu­det auch kei­ne Zeit mit lee­ren Kom­pli­men­teF­los­keln ans Pu­bli­kum, son­dern geht gleich in die Vol­len. Er ist der Bar­mu­si­ker, der die Leu­te mit sei­ner Mu­sik ver­zau­bern möch­te. Ab und zu ei­nen Arm in die Hö­he ge­ho­ben, ab und zu vom Flü­gel-Hö­cker auf­ge­schaut. An­sons­ten völ­li­ge Hin­ga­be zur Mu­sik.

Sei­ne Band, ge­führt vom lang­jäh­ri­gen Gi­tar­ris­tenGe­fähr­ten Da­vey Johns­to­ne, be­glei­tet ihn kon­ge­ni­al, der Sound ist per­fekt an die­sem Abend.

Am stärks­ten wirkt El­ton Johns cha­rak­te­ris­ti­sche Stim­me frei­lich in sei­nen Bal­la­den. „So­meo­ne sa­ved my Li­fe to­day“, „Ti­ny Dan­cer“, „Sor­ry“, die Büh­ne in li­la­far­be­nes Licht ge­taucht, die gan­ze Hal­le er­füllt von Ge­fühl.

Die Lie­der aus sei­nem ak­tu­el­len Al­bum wid­met er all den Lie­ben­den im Saal. Ja, da gibt es ei­ni­ge an die­sem Abend. Und zu „Good He­art“schmie­gen sie sich an­ein­an­der, hin und her­ge­ris­sen zwi­schen An­schmach­ten von ein­an­der oder dem Pia­no Play­er da oben auf der Büh­ne, der auch nach zig Mil­lio­nen ver­kauf­ten Ton­trä­gern weiß, wie Hits ge­schrie­ben wer­den.

Man möch­te der Da­me, die da ein­sam und al­lein um 20.25 Uhr das ers­te Feu­er­zeug zückt, zu­ru­fen: Da kom­men noch ein paar Num­mern wie die­se, ver- brenn dich nicht! Das er­le­digt dann der Wach­mann für ei­nen. Of­fe­nes Feu­er ver­bo­ten. Wie gut, dass es Smart­pho­nes gibt. Spä­tes­tens zu den Klas­si­kern von „Sor­ry“bis „Your Song“und „Don‘t let the Sun go down on me“glit­zert die gan­ze Hal­le – ge­spie­gelt in den li­la­far­be­nen ob­li­ga­to­ri­schen Son­nen­bril­len­glä­sern des Su­per-En­ter­tai­ners. Zwei­ein­halb St­un­den vol­le Po­wer macht zwei­ein­halb St­un­den Glück für die Fans. 70? Drauf ge­lacht, ge­tanzt, ge­ju­belt!

Fo­tos: Mar­tin Han­gen

Auch mit bald 70 Jah­ren zeigt der bri­ti­sche Rock­star, dass er noch Sta­di­en fül­len und Fans be­geis­tern kann.

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