So war’s mit Uschi

tz - - KULTUR + TV - MAT­THI­AS BIE­BER

Zum Glück hat er sich durch­ge­setzt“, sagt Wer­ner En­ke (75). Er fand den Film­ti­tel zu rei­ße­risch, aber Pro­du­zent Pe­ter Scha­mo­ni ließ nicht von Zur Sa­che, Schätzchen ab, der 1969 in den Ki­nos star­te­te. „Und so ha­be ich aus der Not ei­ne Tu­gend ge­macht und in dem Mo­no­log im Un­gerer­bad den Ti­tel ver­äp­pelt.“In dem be­rühm­ten Mo­no­log, wo En­ke als glück­lo­ser Ly­ri­ker Mar­tin, der sich als Schla­ger­tex­ter durch­schla­gen soll, den Un-Reim im­pro­vi­siert: „Zur Sa­che, Schätzchen / mach’ kei­ne Mätz­chen / komm’ ins Bett­chen / rau­chen wir noch’n Zi­ga­rett­chen.“

Und wie war das nun mit dem Schätzchen – dem Flirt Uschi Glas ali­as Bar­ba­ra – am Set? Wie kam sie mit dem Im­pro­vi­sa­ti­ons­ta­lent, den Lau­nen des, nun ja, leb­haf­ten Wer­ner En­ke zu­recht? „Uschi war über­haupt nicht ge­nervt, son­dern un­heim­lich ge­dul­dig“, sagt En­ke. „Sie hat von An­fang bis En­de toll mit­ge­macht.“

Ein biss­chen schwie­rig wur­de es nur, wenn das Krea­tiv­team May Spils (Re­gie), Ak­tiv­pos­ten Henry van Bosch und En­ke selbst (Dreh­buch) nicht wuss­ten, was sie als Nächs­tes ma­chen soll­ten. „Wir wuss­ten nur im­mer, was wir nicht ma­chen woll­ten – die Dut­zen­de mie­fi­gen Klamotten der Zeit.“

Henry van Bosch spielt im Film den Kum­pel (Henry, klar), der Mar­tin zum Ar­bei­ten ani­mie­ren will. Was schwie­rig ist. „Henry war der op­ti­mis­ti­sche Drauf­gän­ger, ich der pes­si­mis­ti­sche Zau­de­rer.“Auch hier zeigt sich wie­der, wie eng der Film und das „rich­ti­ge Le­ben“ver­zahnt sind, wie al­les in­ein­an­der greift.

Dass der Film ei­ner der er­folg­reichs­ten über­haupt des deut­schen Ki­nos wur­de (6,5 Mil­lio­nen Be­su­cher), konn­te zu­nächst nie­mand glau­ben. „Wir wur­den über­rollt. Scha­mo­ni hat­te ihn zu­nächst in den gro­ßen Ki­nos an­lau­fen las­sen, aber da ge­hör­te er nicht hin und hat­te we­nig Pu­bli­kum. Erst über Um­we­ge, über klei­ne­re Ki­nos in klei­ne­ren Städ­ten, be­gann der Sie­ges­zug. Er hat sich über Mund­pro­pa­gan­de durch­ge­bis­sen.“Nur May Spils warf die Fl­in­te nie ins Korn. „Sie glaub­te von An­fang an an den Er­folg – aber nicht in die­ser Di­men­si­on.

Heu­te kann der Schwa­bin­ger schmun­zeln, wenn er zu­rück­blickt: „Es gab ja län­ge­re Mo­no­lo­ge mei­ner­seits mit phi­lo­so­phi­schem Touch, über Ver­gäng­lich­keit und Tod, ge­würzt mit Zi­ta­ten von Geis­tes­grö­ßen und so. Was die da­ma­li­gen Con­stan­tin-Film­bos­se zu dem Spruch ani­mier­te: ,Der kann ja nicht mal jung sein!‘ Ich war da­mals Mit­te zwan­zig …“

Wie kam’s zur Be­set­zung von Uschi Glas? Die hat der Pro­du­zent Pe­ter Scha­mo­ni her­aus­ge­sucht. „Er woll­te ei­ne Schau­spie­le­rin, die schon ein biss­chen ei­nen Na­men hat­te – Uschi hat­te ihn über Win­ne­tou als Apa­nats­chi. Und im Schätzchen? Wer­den sich Bar­ba­ra und Mar­tin nach ih­rer be­hut­sa­men, zärt­li­chen ge­mein­sa­men Nacht wie­der­se­hen? Der Film lässt das ja of­fen. En­ke über­legt. „Das weiß ich nicht. Und ich fin­de es schön, dass ich es nicht weiß.“

Noch­mals zu­rück zum rea­len Schatz: Wenn man En­kes Le­bens­part­ne­rin May Spils als „sei­ne Frau“be­zeich­net, dann grätscht er hu­mor­voll da­zwi­schen. „Wir sind nicht ver­hei­ra­tet. Wenn es mal Krach gibt, dann kann man leich­ter ab­hau­en oh­ne Pa­pier­krieg – aber man macht es dann doch nicht.“

■ Pa­sin­ger Fa­b­rik: Die Aus­stel­lung „Zur Sa­che, Schätzchen“läuft ab 1. De­zem­ber.

F: Gno­ni, fkn

Wer­ner En­ke und Uschi Glas 1968 beim Dreh von „Zur Sa­che, Schätzchen“– und 45 Jah­re spä­ter

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