My­thos, Mord, Me­dea

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Vor fast 2500 Jah­ren schrieb Eu­ri­pi­des sein Dra­ma Me­dea. Die­se Frau aus der grie­chi­schen My­tho­lo­gie, die zau­ber­mäch­ti­ge Frem­de, ist Trä­ge­rin vie­ler ak­tu­el­ler Kon­flikt­stof­fe – und ei­ne fas­zi­nie­rend grau­sig kom­pro­miss­lo­se Fi­gur. Fürs Volks­thea­ter in­sze­nier­te Ab­dul­lah Ken­an Ka­ra­ca das Stück.

Ein trost­lo­ser War­te­raum mit dem sonst bei Ver­hö­ren üb­li­chen Be­ob­ach­tungs­spie­gel lässt viel von der Büh­ne frei. Wie man My­thos mit Ge­gen­wart ver­quickt? Da­für gibt’s hier al­ler­dings kei­ne Lö­sung. Ge­ra­de die halb­scha­ri­ge Aus­stat­tung zwi­schen Dis­co kleid­chen, Roll­kra­gen­pull­over und auf­tou­pier­ten Pe­rü­cken macht die Fi­gu­ren zu klein.

Die Ins­ze­nie­rung formt die Män­ner eher zu Ka­ri­ka­tu­ren. Oli­ver Möl­ler (Kö­nig Kre­on), Le­on Pfan­nen­mül­ler (Freund Ägeus) und Mo­ritz Kie- ne­mann ent­le­di­gen sich der Auf­ga­be mit An­stand. Den Schmerz der Vä­ter (Kre­on, Ja­son) kön­nen sie aber nicht glaub­wür­dig dar­stel­len. Da muss der Re­gis­seur stär­ker un­ter­stüt­zen. Dar­an man­gel­te es au­ßer­dem bei Lui­se Kin­ner als Go­ra und so­gar bei Ju­lia Rich­ter als Me­dea.

Nur Ma­ra Wid­mann konn­te als still be­weg­te und be­we­gen­de Chor­frau über­zeu­gen. Mit Nuan­cen mach­te sie klar, dass sie an Me­de­as Schick­sal als ver­las­se­ne Frau und Flücht­ling mit­litt, so­gar de­ren Kin­der­mord nach­voll­zie­hen konn­te.

Ju­lia Rich­ter, neu im En­sem­ble, ist ei­ne jun­ge Me­dea, was Rich­ter in­des ver­lei­tet, pu­ber­tä­ren Trotz zu sehr her­aus­zu­keh­ren. Das Hin-un­d­her­ge­schleu­dert-wer­den zwi­schen Ge­fühls­zu­stän­den, Ra­se­rei und raf­fi­nier­ter Über­le­gung spielt Ju­lia Rich­ter aber mit Hin­ga­be und viel­sei­ti­ger Kör­per­spra­che. Doch auch hier müss­te man noch stär­ker struk­tu­rie­ren. Denn die Wir­kung kommt be­kannt­lich über die Ru­he. ■ Wie­der am 1., 6., 16.12 ., Tel. 52 34 655.

Fo­to: De­clair

Neu im En­sem­ble: Ju­lia Rich­ter als Me­dea

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