Was zählt, ist im­mer nur das nächs­te Spiel

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Über die Per­son Uli Ho­en­eß ist viel ge - schrie­ben wor­den. Vi­el­leicht so­gar zu viel. „Vor­bild a.D.“oder „Ser vus Sau­ber­mann“war da­mals im Rah­men sei­ner Steu­er­af­fä­re zu le­sen, aber Pa­pier ist schließ­lich ge - dul­dig. Und Ho­en­eß auch. Heu­te bleibt fest­zu­hal­ten, dass ein Mensch ei­nen Feh­ler ge­macht hat, ihn be­reut, da­für ge­sühnt hat und wie (fast) je­der an­de­re Mensch auf die­ser Welt ei­ne zwei­te Chan­ce ver­dient. Die­se zwei­te Chan­ce ver­dient Ho­en­eß nicht nur von den 284 041 Mit­glie­dern des FC Bay­ern, son­dern auch vom Rest der Bun­des­li­ga, den Klub -Bos­sen, Trai­nern, Spie­lern so­wie Fans. Und vom kom­plet­ten Rest der deut­schen Ge­sell­schaf t, die sich nur all­zu of t und ger­ne auf Ge­schich­ten von ge­fal­le­nen Hel­den stürzt – und da­bei die Grund­wer te ver­gisst, die un­ser Mit­ein­an­der hier­zu­lan­de trotz ver­gif te­ter und al­ter­na­ti­ver Ein­flüs­se nach wie vor aus­zeich­nen. Und das Schö­ne im Le­ben ist ja, dass sich stets die Par­al­le­le zum Fuß­ball zie­hen lässt. Es zählt im­mer nur das nächs­te Spiel. Bei Uli ist das nicht an­ders. Auch und ge­ra­de jetzt beim FC Bay­ern. Sei­nem FC Bay­ern. Ei­nem Ver­ein, der sich ak­tu­ell in ei­ner spor tli­chen, vi­el­leicht aber auch in ei­ner klei­nen Sinn­kri­se be­fin­det. Gut zwei Jah­re war Ho­en­eß nun weg, zwei Jah­re, in de­nen der Ver­ein Bay­ern Mün­chen ei­nen un­ver­kenn­ba­ren Wan­del hin zur Welt­mar­ke Bay­ern Mün­chen durch­ge­macht hat. Will man im heu­ti­gen Fuß­ball­ge­schäf t mit­schwim­men, ist die­ser Wan­del al­ter­na­tiv­los. Will man in Pe­king und Den­ver ro­te Tri­kots an den Mann brin­gen, sind Leu­te wie Pep Guar­dio­la na­tür­lich hilf­reich. Was man da­bei aber nie­mals ver­ges­sen dar f, sind die Wur­zeln und die ei­ge­ne Iden­ti­tät, je­ne DNA, aus der Ho­en­eß vor un­zäh­li­gen Jah­ren den FC Bay­ern von heu­te ge­formt hat. Und die jetzt wie­der von­nö­ten ist, um ei­ne Kri­se mit ge­nau den Wer­ten hin­ter sich zu las­sen, die die­sen Ver­ein von Lan­dau­er bis Ho­en­eß aus­zeich­nen wie kei­nen Zwei­ten: Ge­schlos­sen­heit, Zu­sam­men­halt, Mia san mia. Ge­nau die­ses Ge­fühl war es auch, das Ho­en­eß im April 2014 bei sei­ner letz­ten Re­de als Prä­si­dent vor sei­ner Haf tstra­fe von den Mit­glie­dern ent­ge­gen­schlug und das ihn da­zu be­wog, „das war’s noch nicht“zu ru­fen. Und die­ses Ge­fühl wird Ho­en­eß dem Ver­ein wie­der ein­imp­fen. Weil er es lebt. Weil er den FC Bay­ern lebt.

Von Jo­sé Car­los Men­zel López

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