Die Ho­en­eß-Re­de

tz - - SPORT - AUF­GE­ZEICH­NET VON LOP, BOK

Mei­ne sehr ver­ehr­ten Da­men und Her­ren,

vor gut zwei­ein­halb Jah­ren war ich auch hier ge­stan­den und wuss­te nicht, was aus mir wird. Dass ich heu­te hier bin, ha­be ich ver­schie­de­nen Fak­to­ren zu ver­dan­ken: Mei­nen Freun­den und mei­nen zwei Fa­mi­li­en. Die ei­ne ist mei­ne pri­va­te. Mei­ne Frau, die ge­kämpft hat wie ei­ne Lö­win, mei­ne Kin­der, mein Schwie­ger­sohn, mei­ne Schwie­ger­toch­ter und mei­ne vier En­kel. Wir ha­ben vier, nicht drei, wie ich im­mer lesen muss.

Und dann die Fa­mi­lie des FC Bay­ern. Als ich zur Ver­samm­lung kam, in der Karl Hopf­ner zum Prä­si­den­ten ge­wählt wur­de, ha­be ich mich ge­fragt, ob ich kom­men soll­te. Ich war we­gen der Steu­er­sa­che zu­rück­ge­tre­ten, ha­be mich aber doch ent­schlos­sen zu kom­men. Und als ich die Emo­tio­nen und die Un­ter­stüt­zung ge­spürt ha­be, ha­be ich die­sen Satz ge­sagt („Das war’s noch nicht“, d.Red.). Ich war so über­wäl­tigt von der Un­ter­stüt­zung, Lie­be und Freund­schaft – das hat mich die gan­ze Zeit in der Haft an­ge­trie­ben: Zu die­sen Leu­ten zu­rück­zu­kom­men. Ich ha­be in der Zeit in Haft über 5500 Brie­fe be­kom­men, auch von Mit­glie­dern und Fans des FC Bay­ern. Und im­mer dann, wenn ich nicht mehr wei­ter wuss­te – meis­tens an Sonn­ta­gen, weil man un­ter der Wo­che ein­ge­schlos­sen war – ha­be ich die­se Brie­fe ge­le­sen und wie ein Schloss­hund ge­weint. Denn ich ha­be nicht ver­stan­den, dass Leu­te, die ich nicht ken­ne, mir schrei­ben und mir die Kraft ge­ben, es zu pa­cken. Das hat da­zu bei­ge­tra­gen, dass ich die­se Zeit gut über­stan­den ha­be.

Ich ha­be ei­nen gro­ßen Feh­ler be­gan­gen und re­spek­tie­re je­den, der mir sei­ne Stim­me we­gen die­ses Fehl­ver­hal­tens nicht gibt. Ich bin De­mo­krat. Aber ich ha­be al­les ge­tan, um die­sen Feh­ler wie­der­gut­zu­ma­chen. Ich ha­be mei­ne Steu­er­schul­den in­klu­si­ve Zin­sen und Zin­sen­zin­sen und der Kir­chen­steu­er bis auf den letz­ten Cent be­zahlt. Ich ha­be mich im Ge­fäng­nis wie ein Häft­ling ver­hal­ten, der es nicht besser ma­chen kann. Die Beur­tei­lung der Che­fin in Lands­berg hat da­zu bei­ge­tra­gen, dass ich ei­ne Halb­stra­fe er­hal­ten ha­be, was in Bay­ern nicht selbst­ver­ständ­lich ist. Man muss al­les zu hun­dert Pro­zent er­fül­len, um die Chan­ce auf ei­ne Halb­stra­fe zu er­hal­ten. Und ich ha­be es ge­schafft. Und jetzt bin ich hier. Ich bin glück­lich, dass der Ver­wal­tungs­bei­rat ein­stim­mig dar­über ab­ge­stimmt hat, mich als Prä­si­dent für die­sen groß­ar­ti­gen Ver­ein zu no­mi­nie­ren. Ich bit­te Sie um ei­ne zwei­te Chan­ce und ich ver­spre­che Ih­nen, dass ich al­les tun wer­de, um Ih­re Er­war­tun­gen zu er­fül­len.

Ich bin kei­ner, der auf die Uhr schaut, wenn er zum Ar­bei­ten geht. Ich ha­be im­mer bis zum En­de durch­ge­zo­gen, und wenn es mal sie­ben Ta­ge die Wo­che wa­ren, dann war ich sie­ben Ta­ge ar­bei­ten. Da­für muss mei­ne Frau Ver­ständ­nis ha­ben. Ich möch­te ein Bin­de­glied sein. Zwi­schen den Mit­glie­dern, ih­nen, de­nen 75 Pro­zent des Ver­eins ge­hö­ren. Zwi­schen Vor­stand unf Auf­sichts­rat, zwi­schen Ver­wal­tungs­bei­rat und dem Prä­si­di­um. Ich möch­te ein Küm­me­rer sein, ein Ratgeber für al­le Mit­ar­bei­ter in die­sem Klub, für die Spie­ler im Bas­ket­ball wie im Fuß­ball, und für die da sein, die mich brau­chen. Auch Trai­ner kön­nen zu mir kom­men, wenn sie Rat su­chen. Ich den­ke, dass man am En­de ei­ner Zeit oft nach­denk­lich wird, aber der Ver­ein hat mir die­se Kraft zu­rück­ge­ge­ben.

Ich be­dan­ke mich auch bei Karl­Heinz Rum­me­nig­ge für die Mög­lich­keit, in mei­ner Frei­gän­ger­zeit für den FC Bay­ern ge­ar­bei­tet ha­ben zu kön­nen. Das hat mir den Blick ge­öff­net für ei­ni­ge Din­ge, die ich zu­künf­tig ge­brau­chen kann. Ich wer­de mich auch dar­um küm­mern, dass der FC Bay­ern sei­ner un­ge­heu­ren so­zia­len Ver­ant­wor­tung wie bis­her ge­recht wird. Das ist mir ein wich­ti­ges An­lie­gen, denn der Fuß­ball ist das Ei­ne, die Ge­sell­schaft aber das An­de­re. Der FC Bay­ern ist ein wich­ti­ger Teil da­von und hat wich­ti­ge Auf­ga­ben. Und die Fä­hig­keit, in ei­ner kla­ren Spra­che Pro­ble­me an­zu­spre­chen, ist mir nicht ver­lo­ren­ge­gan­gen. Sie schläft nicht, sie ruht nur und sie kann bei Be­darf je­der­zeit zu­rück­kom­men. Und ich möch­te Sie nun bit­ten, mir Ihr Ver­trau­en zu schen­ken und mir bei der Wahl die­ses groß­ar­ti­gen Klubs Ih­re Stim­me zu ge­ben. Vie­len Dank.

„Ich ha­be ge­heult wie ein Schloss­hund“

Fo­tos: Kol­bert, MIS, dpa (2)

Die Fans fei­er­ten die Rück­kehr von Uli Ho­en­eß und den Ab­schied von Karl Hopf­ner (l. mit Karl-Heinz Rum­me­nig­ge), auch Car­lo An­ce­lot­ti be­kam Ap­plaus

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