Das Pfer­de-Drei­rad, das nicht nur Kin­der be­geis­tert

tz - - SPORT -

Wenn Kon­rad Alt­mann die Tür zu sei­nem Fahr­ra­dKel­ler öff­net, ist es ein we­nig, als wür­de er ei­ne Tür zur Ver­gan­gen­heit öff­nen. Oder zu ei­ner Schatz­kam­mer. Was er dort un­ten auf­be­wahrt, gibt es in kaum ei­nem Mu­se­um zu se­hen: Fahr­rä­der die vor vie­len, vie­len Jahr­zehn­ten durch die Stra­ßen roll­ten. Ei­ni­ge sind äl­ter als 100 Jah­re. Und ei­ni­ge sind wah­re Uni­ka­te. Mehr als 150 Ra­ri­tä­ten hat er in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ge­kauft und be­staunt.

Ge­gen den Zau­ber al­ter Fahr­rä­der ist Kon­rad Alt­mann macht­los. Das war im­mer so und das wird im­mer so sein. Erst wa­ren sie für ihn ein Hob­by, dann hat er als Rad­sport-Spe­zia­list mit Fahr­rä­dern sein Geld ver­dient – heu­te sind sie sei­ne Lei­den­schaft.

Man­che sei­ner Schät­ze ge­fal­len ihm so gut, dass er den Ge­dan­ken, dass sie un­ge­se­hen in ei­nem Kel­ler ver­stau­ben, nur schwer er- tra­gen kann. Da ist zum Bei­spiel die­ses rund 130 Jah­re al­te Pfer­de-Drei­rad. Ein Samm­ler hat es Alt­mann ein­mal an­ge­bo­ten. Er muss­te zu­schla­gen – bei so ei­nem schö­nen Stück.

Das Rad stammt ur­sprüng­lich aus Frankreich. Es ist der Nach­bau ei­nes Kin­der­drei­rads, auf dem Clau­de Mo­net sei­nen Sohn 1872 ge­malt hat­te. Ei­ne ab­so­lu­te Ra­ri­tät. Alt­mann hat viel Zeit in­ves­tiert, bis es wie­der wie neu aus­sah. Es ist sein gro­ßer Stolz. Ei­ne Wei­le lang hat­te er es im Schau­fens­ter sei­nes Rad-Ge­schäfts ste­hen – und freu­te sich je­des Mal, wenn er sah, wie Fuß­gän­ger es von drau­ßen be­staun­ten.

Doch seit vie­len Jah­ren hat­te das Drei­rad kei­ne gro­ße Büh­ne mehr. Und das macht Kon­rad Alt­mann un­glück­lich. So sehr, dass er sich nun da­zu durch­ge­run­gen hat, es zu ver­kau­fen. Er hofft auf je­man­den, der sei­ne Lei­den­schaft für al­te Rä­der teilt. Je­man­den, der viel­leicht ei­nen bes­se­ren Platz für das Pfer­de- Drei­rad hat als ei­nen Kel­ler­raum. Leicht fällt ihm das nicht. Ei­nen klei­nen Trost hat er aber: Schließ­lich ist sein Fahr­rad-Kel­ler noch voll mit an­de­ren Schät­zen.

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