Spritz­tour in den Tod

tz - - BAYERN - MC

Der Lu­kas (16), der Chris­ti­an (16), der Jo­sef (18), der Mi­chi (17) und der Patrick (16): Sie wuch­sen zu­sam­men auf, gin­gen mit­ein­an­der in die Schu­le, wa­ren in den glei­chen Ver­ei­nen, ei­ni­ge hat­ten zu­sam­men Fir­mung. Nun sind vier von ih­nen tot, ge­stor­ben bei ei­nem schreck­li­chen und nicht in Wor­te zu fas­sen­den Un­fall na­he ih­rer Hei­mat Markt Ret­ten­bach (Land­kreis Un­ter­all­gäu).

Jo­sef S. war der Ein­zi­ge der fünf Bur­schen, der ei­nen Füh­rer­schein be­saß. Die Prü­fung hat­te er vor vier Wo­chen be­stan­den. Am Sams­tag­abend lieh er sich von sei­ner Mut­ter ei­nen äl­te­ren Au­di 80 aus, mit sei­nen Spezln be­such­te er dann ei­ne Weih­nachts­fei­er in Markt Ret­ten­bach. Nach­dem die vor­bei war, woll­ten sie noch nicht heim, son­dern zu ei­nem Bau­wa­gen, ei­nem be­lieb­ten Treff­punkt der Ju­gend. Um dort­hin zu kom­men, ging es auf der Staats­stra­ße 2013 über Lan­nen­berg nach Eu­ten­hau­sen. Ein Kurz­trip nur, kei­ne drei Mi­nu­ten mit dem Au­to.

Doch in ei­ner lang­ge­zo­ge­nen Rechts­kur­ve ver­lor Fahr­an­fän­ger Jo­sef auf nas­sem As­phalt und mit weit­über­höh­terGe­schwin­dig­keit – er soll Tem­po 150 drauf­ge­habt ha­ben – die Ge­walt über den al­ten Au­di. Das Au­to kam von der Stra­ße ab, prall­te ge­gen ei­nen frei ste­hen­den Baum und wur­de in zwei Tei­le zer­ris­sen. Da war es 23.08 Uhr. Die Ju­gend­li­chen auf der Rück­bank wur­den durch die Wucht aus dem Au­to ge­schleu­dert, vier der fünf Freun­de star­ben noch an der Un­fall­stel­le. Un­ter ih­nen auch der Fah­rer. Nur Patrick über­leb­te, er kam schwer ver­letzt ins Kran- ken­haus nach Ottobeuren.

Kurz nach Be­kannt­wer­den der Tra­gö­die ka­men An­ge­hö­ri­ge an die Un­fall­stel­le, es spiel­ten sich er­schüt­tern­de Sze­nen ab. Auch die Ein­satz­kräf­te stan­den un­ter Schock. Vie­le kann­ten die Jungs. Ers­ter Po­li­zei­haupt­kom­mis­sar Ger­hard Ziel­bau­er be­rich­te­te, die Ein­satz- kräf­te hät­ten zu­nächst zwei Un­fall­fahr­zeu­ge ver­mu­tet. „Das war bru­tal“, so Ziel­bau­er. Auch sei­ne Kol­le­gen sei­en „sicht­lich ge­schockt“von dem Ein­satz zu­rück­ge­kehrt. „Das geht al­len wirk­lich nah. Da ist nie­mand zu be­nei­den.“

Im Lau­fe des gest­ri­gen Nach­mit­tags ka­men mehr und mehr Ju­gend­li­che zu dem Baum, an dem ih­re Freun­de ihr Le­ben lie­ßen. Sie stell­ten Ker­zen auf, hef­te­ten Bil­der an den Stamm.

F: Zwieb­ler, dpa

Zwei der vier Op­fer: Chris­ti­an (li.) und Lu­cas. Freun­de der Ver­un­glück­ten trau­ern an der Un­fall­stel­le. Der Au­di wur­de in zwei Tei­le zer­ris­sen

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