So ist’s Recht am Rech­ner

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WLAN-Net­ze, In­ter­net-Ein­käu­fe, Face­book-Miss­brauch oder der PC am Ar­beits­platz – sie ge­hö­ren zu den wich­tigs­ten The­men vor deut­schen Ge­rich­ten. Die Ur­tei­le rund um Com­pu­ter, Smart­pho­nes und so­zia­le Net­ze ge­hen bei­na­he je­den von uns an: Und sie fal­len manch­mal ziem­lich über­ra­schend aus!

Zu lang­sa­mes In­ter­net: Wenn der DSL-An­schluss auf Dau­er deut­lich lang­sa­mer ist als im Ver­trag an­ge­ge­ben, kann der Nut­zer kün­di­gen. Im Münch­ner Fall ka­men statt „bis zu 18 Mbit/s“nur 5 bis 7 Mbit/s zu­stan­de. 60 bis 70 Pro­zent we­ni­ger sind laut Rich­ter nicht ak­zep­ta­bel. (Amts­ge­richt Mün­chen, Az. 223 C 20760/14)

■ DSL-Kün­di­gung bei Um­zug: Wenn Sie ei­nen gül­ti­gen DSLVer­trag be­sit­zen und an ei­nen Ort um­zie­hen, an dem kein DSL ver­füg­bar ist, ha­ben Sie das Recht zu kün­di­gen – aber auch nur dann. Wenn Ihr Pro­vi­der am neu­en Wohn­ort ver­gleich­bar schnel­les DSL an­bie­tet, zie­hen der An­schluss und der Ver­trag mit um. (Land­ge­richt Ko­blenz, Az. 12 S 246/10)

■ Ex­trem fal­sche Prei­se: Wenn ein In­ter­net-Ver­käu­fer irr­tüm­lich Prei­se an­bie­tet, die ganz of­fen­sicht­lich falsch sind, ver­pflich­tet ihn das nicht zur Lie­fe­rung. In Mün­chen ging es um Snow­boards, die mit 1,05 Eu­ro statt mit 1.049,95 Eu­ro aus­ge­zeich­net wa­ren. Ein Kun­de be­stell­te zehn Stück, ver­lang­te die Wa­re, und un­ter­lag vor Ge­richt. An­ders sieht es aus, wenn der fal­sche Preis nicht auf An­hieb er­kenn­bar ist. (Land­ge­richt Mün­chen I, Az. 12 O 11274/13)

■ Recht auf di­gi­ta­le Ein­käu­fe: Ein In­ter­net-An­bie­ter wie Ama­zon ist nicht be­rech­tigt, ein Kon­to so zu sper­ren, dass der Kun­de nicht mehr auf sei­ne di­gi­ta­len Ein­käu­fe zu­grei­fen kann. E-Books, MP3-Mu­sik oder Fil­me, die in der Cloud ge­spei­chert sind, müs­sen wei­ter zu­gäng­lich sein. Ama­zon hat­te das Kon­to we­gen zu häu­fi­ger Rück­sen­dun­gen ge­sperrt. (Ober­lan­des­ge­richt Köln, Az. 6 U 90/15)

■ Tes­ten er­laubt: Bei Be­stel­lung im In­ter­net kann der Käu­fer ei­nen Ar­ti­kel aus­gie­big tes­ten und bei vol­ler Prei­ser­stat­tung zu­rück­ge­ben – auch wenn die Wa­re durchs Aus­pro­bie­ren nicht mehr neu­wer­tig ist. Vor dem BGH ging es um ein Was­ser­bett. Der Ver­käu­fer muss es hin­neh­men, dass durch ei­nen sach­ge­rech­ten Test ei­ne „Ver­schlech­te­rung“des Ar­ti- kels ein­tritt. (Bun­des­ge­richts­hof, Az. VIII ZR 337/09)

■ Scherz­ar­ti­kel aus dem Netz: Wer sich im In­ter­net Scherz­ar­ti­kel be­stellt, mit de­nen ei­ne Amts­an­ma­ßung mög­lich ist, kann sich straf­bar ma­chen. Im Münch­ner Fall ging es um ein Blau­licht und ei­nen LED-Blitzer, mit de­nen ein Mann „zum Spaß“ei­nen Be­kann­ten mit des­sen Au­to an­hielt. 1000 Eu­ro Stra­fe und drei Mo­na­te Fahr­ver­bot. (Amts­ge­richt Mün­chen, Az. 468 Js 178122/16)

■ Schmer­zens­geld für Nackt­fo­tos: Wer Nackt­fo­tos ei­ner an­de­ren Per­son oh­ne de­ren Zu­stim­mung im In­ter­net ver­brei­tet, macht sich straf bar. Das gilt auch, wenn die Fo­tos gar nicht echt sind und bei­spiels­wei­se der Kopf der oder des Ge­schä­dig­ten per Pho­to­shop in ei­ne Por­no­sze­ne mon­tiert wur­de. Die Rich­ter spra­chen der Klä­ge­rin 15.000 Eu­ro Schmer­zens­geld zu. (Ober­lan­des­ge­richt Ol­den­burg, Az. 13 U 25/15)

■ El­tern-Haf­tung: Wenn ein min­der­jäh­ri­ges Kind oh­ne Er­laub­nis der El­tern ex­zes­siv ein kos­ten­pflich­ti­ges Brow­ser­spiel zockt, müs­sen die El­tern nicht be­zah­len. Im Ham­bur­ger Fall ging es um Kos­ten von 430 Eu­ro. Laut Ur­teil kann der Spie­le­an­bie­ter nicht da­von aus­ge­hen, dass die El­tern der kos­ten­pflich­ti­gen Leis­tung zu­ge­stimmt ha­ben. (Amts­ge­richt Ham­burg, Az. 7c C 53/10)

■ E-Mail-Pran­ger: Es ist nicht er­laubt, dass Chefs oder Kol­le­gen E-Mails ei­nes an­de­ren Mit­ar­bei­ters auf Platt­for­men wie Xing oder Face­book wei­ter­ver­brei­ten. Im kon­kre­ten Fall ging es um ei­ne Kün­di­gung. Der E-Mail-Pran­ger, so die Rich­ter, ver­letzt Per­sön­lich­keits­rech­te. (Land­ge­richt Ham­burg, Az. 324 O 90/15) ■ Ab­mah­nung per E-Mail: Für ei­ne wirk­sa­me Ab­mah­nung ist kei­ne pos­ta­li­sche Form oder ein Ein­schrei­ben er­for­der­lich. Der Ar­beit­ge­ber kann die Ab­mah­nung auch per E-Mail ver­schi­cken. Wenn die Mail zum Bei­spiel durch ei­nen Spam­fil­ter aus­sor­tiert wird und nicht im Post­fach lan­det, liegt das in der Ver­ant­wor­tung des Ab­ge­mahn­ten. Die Ab­mah­nung gilt den­noch als zu­ge­stellt. (Land­ge­richt Ham­burg, Az. 312 O 142/09)

■ Krank­mel­dung per E-Mail: Sie kön­nen sich nicht nur te­le­fo­nisch krank­mel­den, son­dern auch per E-Mail. Das gilt aber nur, wenn Sie si­cher sein kön­nen, dass in Ih­rem Be­trieb die Mails früh und oft ge­nug ge­le­sen wer­den, da­mit Ih­re Krank­mel­dung recht­zei­tig die Ver­ant­wort­li­chen er­reicht. (laut Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz/EFZG)

■ Di­enst-PC pri­vat nut­zen: Wenn der Ver­dacht be­steht, dass Sie Ih­ren Di­ens­tCom­pu­ter un­er­laub­ter­wei­se auch pri­vat nut­zen, darf Ihr Ar­beit­ge­ber den Brow­ser­ver­lauf über­prü­fen. Ih­re Zu­stim­mung ist hier­für nicht er­for­der­lich. Laut Ge­richt ha­be der Ar­beit­ge­ber kei­ne Chan­ce ge­habt, den Miss­brauch an­ders nach­zu­wei­sen. (Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Az. 5 Sa 657/15)

■ E-Mail-Brief­ge­heim­nis: Wird ein Mit­ar­bei­ter län­ger­fris­tig krank, hat der Ar­beit­ge­ber das Recht, sich Zu­griff auf des­sen dienst­li­ches E-Mail-Kon­to zu ver­schaf­fen, um even­tu­el­le Kun­den­an­fra­gen zu be­ant­wor­ten. Hier muss das Fern­mel­de­ge­heim­nis zu­rück­ste­hen, das so ei­nen Zu­griff ei­gent­lich ver­bie­tet. (Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Az. 4 Sa 2132/10)

In­ter­net zu lang­sam? Ei­ne Kün­di­gung ist dann mög­lich!

Oben: Ama­zon & Co. dür­fen Mu­sik nicht sper­ren! Geht: Krank­mel­dung per Mail! (re.)

Fo­tos: 123.de

Vor­sicht – El­tern haf­ten nicht im­mer für Com­pu­ter­sün­den ih­rer Kin­der!

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