Lu­kas Rie­ger im Han­dy-Ge­wit­ter

tz - - KULTUR & TV - Jörg Hein­ricH

Hoch­in­ter­es­san­te Ver­suchs­an­ord­nung: Weil das An­ge­bot an Jus­tin Bie­bers deut­lich ge­rin­ger ist als die Nach­fra­ge, ha­ben sich schlaue Mu­sik­pro­du­zen­ten über­legt, ih­ren ei­ge­nen deut­schen Bie­ber zu er­schaf­fen. Der blon­dier­te Bub heißt Lu­kas Rie­ger, ist 17 und sorg­te jetzt im aus­ver­kauf­ten Tech­ni­kum in der Kult­fa­brik für rui­nier­te Trom­mel­fel­le. Bie­ber-Er­satz­dro­ge, Mäd­chen-Metha­don – dar­über lässt sich leicht spot­ten. Soll­te man aber nicht, denn der jun­ge Rie­ger zeig­te, wie ein Kon­zert 2.0 funk­tio­niert.

Die Mu­sik steht nur noch im Hin­ter­grund. Wo To­kio Ho­tel noch müh­se­lig selbst mu­si­zier­ten, kom­men die In­stru­men­te nun läs­sig von der Fest­plat­te. Den Kids macht das Play­back nichts aus. Viel wich­ti­ger: Hy­per- ven­ti­lier-Lu­kas for­dert, jetzt „al­le zu­sam­men Snap­chat zu ma­chen“– Me­ga­kreisch! Es war ein Abend mit mehr Sel­fies als Ak­kor­den. Die Han­dys zum Him­mel!

Ein Kon­zert 2.0 funk­tio­niert wie ein YouTube-Vi­deo von „Be­au­ty-Bi­bi“Bi­an­ca Hei­ni­cke – der­be über­dreht, nur oh­ne Schmin­ken. Trau­ma­ti­sier­te El­fäh­ri­ge, die wis­sen, die fi­na­le Lie­be ih­res Le­bens ge­fun­den zu ha­ben, schmach­ten „Lu­kas, ich lie­be Dich!“. Die Stim­me von Lu­kas-Ba­by wird vom künst­li­chen Au­to­tu­ne-Ef­fekt zu­ge­deckt. Gi­ga­kreisch! Noch wun­dert man sich, doch in ein paar Jah­ren ist das ganz nor­mal. Sin­gen und Mu­si­zie­ren bei ei­nem Pop­kon­zert ha­ben kei­ne Zu­kunft.

F.: Jörg Hein­rich

Mu­si­ker braucht’s nicht bei Lu­kas Rie­ger

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