„Fa­mi­lie ist gar nicht so schwie­rig“

tz - - KULTUR + TV - KAT­JA KRAFT

Lars Krau­me hat mit Fa­mi­li­en­fest ein Kam­mer­spiel in­sze­niert, das al­le Fa­cet­ten mensch­li­cher Be­zie­hun­gen of­fen­legt. Der Film lebt von den bril­lan­ten Dia­lo­gen und von dem her­aus­ra­gen­den En­sem­ble. Im Zen­trum steht Gün­ther Ma­ria Hal­mer (73). Er spielt ei­nen Fa­mi­li­en­pa­tron, der für die Söh­ne nur Her­ab­las­sung üb­rig­hat. Der ge­bür­ti­ge Ro­sen­hei­mer, der durch die Rol­le des Tschar­lie in Hel­mut Dietls Münch­ner Ge­schich­ten zum ge­frag­ten TV-Schau­spie­ler wur­de, weiß, wie kom­pli­ziert das Ver­hält­nis zwi­schen Va­ter und Sohn sein kann.

Wie­so ist Fa­mi­lie so schwie­rig?

Gün­ther Ma­ria Hal­mer: Mei­ne ei­ge­ne Fa­mi­lie ist gar nicht so schwie­rig. (Schmun­zelt.) Na ja, wenn man wie im Film be­stimm­te Vor­stel­lun­gen hat, was die ei­ge­nen Söh­ne wer­den sol­len, und sie er­fül­len das nicht, dann be­ginnt schon mal ei­ne ge­wis­se Kri­tik.

Aber am En­de zeigt sich, dass er doch stolz ist auf den ei­nen Sohn.

Hal­mer: Ja, das kommt dann raus. Ich ha­be ja so­wie­so den Glau­ben, dass die Er­zie­hung von Vä­tern ei­gent­lich Re­vier­kämp­fe sind mit den Söh­nen. Bei mir war das si­cher so: Der woll­te, dass ich so wer­de wie er und al­les, was an­ders war, war schlecht. Al­so Vä­ter sind ge­fähr­lich, fin­de ich.

Sie auch als Va­ter?

Hal­mer: Ich pas­se auf, dass ich es nicht bin. Weil ich das Bei­spiel von mei­nem Va­ter kann­te, ha­be ich ge­dacht: Da hal­te ich mich raus, und mei­ne Frau macht das schon rich­tig. Ich wä­re lie­ber von vie­len Frau­en er­zo­gen wor­den. Die bau­en dich auf, wäh­rend vom Va­ter gleich kommt (mit tie­fer Stim­me): „Quatsch nicht so ein dum­mes Zeug!“Mei­ne Mut­ter hat im­mer an mich ge­glaubt. Und mein Va­ter hat im­mer be­wie­sen, dass ich ei­ne ab­so­lu­te Null bin.

Gibt’s denn auch Po­si­ti­ves an Vä­tern?

Hal­mer: (Über­legt.) Viel­leicht kann man das sei­nen Söh­nen mit­ge­ben: ein ge­wis­ses Selbst­be­wusst­sein und den not­wen­di­gen Kampf­geist, sich nichts ge­fal­len zu las­sen. In ers­ter Li­nie aber muss man ih­nen Lie­be ge­ben, das Ge­fühl, dass sie ge­liebt wer­den. Und dann lässt man’s lau­fen.

Sie schrei­ben ge­ra­de ei­ne Bio­gra­fie. Spielt Ihr Va­ter ei­ne Rol­le?

Hal­mer: Ja, schon weil er mit mir vor­hat­te, dass ich An­walt wer­de. Was ich nicht wer­den konn­te und woll­te. Da gab’s vie­le Rei­bun­gen.

Hat­ten Sie so ein Rei­ne­ma­chen mit Ih­rem Va­ter wie im Film?

Hal­mer: Nein. Er hätt’s nicht be­grif­fen. Der ist ein Bau­ern­sohn aus Schwa­ben ge­we­sen. Das ist ei­ne an­de­re Denk­wei­se. Das Le­ben ist nicht da, um es zu ge­nie­ßen, son­dern um sich das Pa­ra­dies zu ver­die­nen. Mein Va­ter sag­te, wenn ich am Tisch um et­was Salz ge­be­ten ha­be: „Iss! Es geht nicht dar­um, dass es dir schmeckt, son­dern dar­um, dass du satt wirst.“

Hat­ten Sie Ih­ren Va­ter vor Au­gen, als Sie die Rol­le ge­spielt ha­ben?

Hal­mer: Sa­gen wir mal so: Es fiel mir nicht so schwer, die Sät­ze zu sa­gen. Die ha­be ich nach­voll­zie­hen kön­nen. Den Tschar­liey konn­te ich auch nach­voll­zie­hen. Wo­bei der nun ein ganz an­de­rer Mensch war. (Lacht). In mir ist wohl bei­des vor­han­den.

Fo­to: Sam­my Hart

Gün­ther Ma­ria Hal­mer: Lie­be ist das Wich­tigs­te

Fo­to: ZDF

Hal­mer mit Michae­la May und den Film­söh­nen Da­ni­el Krauss (r.) und Barna­by Met­schu­rat

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