Cl­in­tons letz­te Hoff­nung

tz - - PANORAMA - DL

Der de­si­gnier­te USPrä­si­dent Do­nald Trump bil­det schon sei­ne neue Re­gie­rung. Aber jetzt soll es ei­ne Neu­aus­zäh­lung von Wahl­stim­men ge­ben, even­tu­ell in drei USStaa­ten mit knap­pem Re­sul­tat. Kann Hil­la­ry Cl­in­ton am En­de doch noch hof­fen? Die tz be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen. ■ Wer hat die mög­li­chen Neu­aus­zäh­lun­gen in Gang ge­bracht? Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin Jill St­ein, die eben­falls bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len­an­ge­tre­ten war, brach­te mit Hil­fe ei­ner spen­den­un­ter­stütz­ten Pe­ti­ti­on den St­ein ei­ner Neu­aus­zäh­lung ins Rol­len ( tz be­rich­te­te).

Mit wel­cher Be­grün- dung? Com­pu­ter-Ex­per­ten hat­ten dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die in Wis­con­sin be­nutz­ten Wahl­au­to­ma­ten an­fäl­lig für Ha­cker­an­grif­fe sei­en. Cl­in­ton hat­te in Stimm­be­zir­ken, in de­nen Wahl­ma­schi­nen be­nutzt wur­den, deut­lich schlech­ter ab­ge­schnit­ten als in Wahl­lo­ka­len, wo auf hand­ge­schrie­be­ne Stimm­zet­tel ge­setzt wor­den war. ■ Wel­che Staa­ten kön­nen jetzt noch fol­gen? Nach Wis­con­sin will St­ein nun auch die Staa­ten Penn­syl­va­nia und Mi­chi­gan neu aus­zäh­len las­sen. Im Ers­te­ren hat­te Trump knapp ge­won­nen (60 000 Stim­men Vor­sprung), in Mi­chi­gan lau­fen gar noch die Aus­zäh­lun­gen, aber auch dort sieht es nach ei­nem hauch­dün­nen Trump-Sieg (knapp 11 000 Stim­men) aus. ■ Wie re­agiert das Cl­in­ton-La­ger dar­auf? Mark Erik Eli­as, Rechts­be­ra­ter der Cl­in­ton-Kam­pa­gne, be­stä­tig­te, dass das Team der Ex-Au­ßen­mi­nis­te­rin den Vor­stoß Jill St­eins mit un­ter­stüt­zen wer­de. ■ War­um hat Cl­in­ton die Neu­aus­zäh­lun­gen nicht selbst be­auf­tragt? Be­zeich­nen­der­wei­se hat­te das Cl­in­ton-La­ger nicht selbst die Initia­ti­ve er­grif­fen, son­dern schließt sich nur den Vor­stö­ßen St­eins an. Cl­in­tons Rechts­be­ra­ter Eli­as be­ton­te näm­lich, dass ei­ge­ne Nach­prü­fun­gen kei­ne Be­wei­se für Un­stim­mig­kei­ten er­bracht hät­ten. Al­ler­dings wol­le man sich jetzt, wo der St­ein ins Rol­len ge­kom­men sei, be­tei­li­gen, „um si­cher­zu­stel­len, dass der Pro­zess für al­le Sei­ten fair ab­läuft“.

Wie geht es jetzt wei­ter? Bis zum 13. De­zem­ber wer­den die Stim­men in Wis­con­sin neu aus­ge­zählt. Zu­dem müs­sen laut Wa­shing­ton Post bis heu­te bzw. Mitt­woch die An­trä­ge für Penn­syl­va­nia und Mi­chi­gan ein­ge­reicht wer­den. Dann lau­fen die Fris­ten ab. ■ Kann Cl­in­ton noch Prä­si­den­tin wer­den? Die Chan­cen sind un­glaub­lich ge­ring, es ist fast schon un­mög­lich. Fak­tor eins ist die Zeit: Selbst wenn es in al­len drei Staa­ten zu Neu­aus­zäh­lun­gen kom­men soll­te, müs­sen die­se bis zum 19. De­zem­ber voll­zo­gen sein. Dann tref­fen sich die Wahl­män­ner der je- wei­li­gen Staa­ten, um den Prä­si­den­ten zu wäh­len. Fak­tor zwei ist die Tech­nik. In Penn­syl­va­nia gibt es bei­spiels­wei­se Re­gio­nen, in de­nen mit Wahl­com­pu­tern ge­wählt wur­de, die aber kei­ne Aus­dru­cke zu­las­sen. Dort kann al­so nicht zu­ver­läs­sig neu aus­ge­zählt wer­den. Es feh­len die Be­le­ge. Au­ßer­dem müss­te Cl­in­ton die Er­geb­nis­se in al­len drei Staa­ten zu ih­ren Guns­ten um­dre­hen. 60 000 Stim­men in Penn­syl­va­nia auf­zu­ho­len ist aber un­rea­lis­tisch. In drei Staa­ten sol­len die Er­geb­nis­se der USWahl vom 8. No­vem­ber neu aus­ge­zählt wer­den. Das ist der Wunsch von Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin Jill St­ein. Das ist auch ein teu­rer Pro­zess. Meh­re­re Mil­lio­nen USDol­lar soll die Ak­ti­on kos­ten. Fi­nan­ziert durch so­ge­nann­tes Crowd­fun­ding. Oder auch: Spen­den. 2,7 Mil­lio - nen Dol­lar will St­ein schon ge­sam­melt ha­ben. Die Grü­nen rech­nen da­mit, sechs bis sie­ben Mil­lio - nen für den ge­sam­ten Pro­zess zu be­nö­ti­gen. Was kos­tet so viel? Al­lein die An­trä­ge für die Neu­aus­zäh­lung ge­hen ins Geld. Rund zwei Mil­lio­nen für die Neu­aus­zäh­lungs­an­trä­ge in Wis­con­sin, Mi­chi­gan und Penn­syl­va­nia. Da­zu kom­men ad­mi­nis­tra­ti­ve Kos­ten: Die Lo­gis­tik muss, ge­nau­so wie die­je­ni­gen, die am En­de aus­zäh­len wer­den, be­zahlt wer­den. Zu­dem wird ei­ne Men­ge an Geld für An­walts­kos­ten ver­pul­vert wer­den. Al­les für ei­ne Initia­ti­ve, die we­nig Aus­sicht auf Er­folg hat.

F.: dpa, afp, rts

Po­li­ti­ke­rin Jill St­ein (o.) brach­te den St­ein ins Rol­len. Kann Cl­in­ton (re.) doch noch Prä­si­den­tin wer­den? Trump (u.) for­dert, die Wahl zu ak­zep­tie­ren

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