Echt wahr, Herr Is­ma­ik!

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Ob Sie’s glau­ben oder nicht, Herr Is­ma­ik: Die Lö­wen ha­ben ver­lo­ren. 1:2 in Braun­schweig. Die ach­te Nie­der­la­ge im 14. Sai­son­spiel, nur ein Sieg in den ver­gan­ge­nen zehn Spie­len – das kann man nur noch mit fas­sungs­lo­sem Schwei­gen hin­neh­men. Und da­zu braucht’s nicht mal ei­nen Boy­kott, wie ihn Ha­san Is­ma­ik ver­hängt hat: Seit Sams­tag dür­fen die Spie­ler nicht mehr mit Jour­na­lis­ten spre­chen, Me­di­en ha­ben Haus­ver­bot an der Grün­wal­der Stra­ße. Tags dar­auf hat Da­ni­el Bier­of­ka sei­nen Nim­bus ver­lo­ren. Mit drei Sie­gen aus drei Spie­len ret­te­te der 37-jäh­ri­ge als Aus­hilfs­trai­ner zum En­de der Sai­son die Lö­wen vor dem Ab­stieg, beim zwei­ten Ver­such setz­te es gleich ei­ne Nie­der­la­ge. Okay, man trat beim Ta­bel­len­füh­rer an, aber was die Lö­wen in der ers­ten Halb­zeit in Braun­schweig ge­bo­ten ha­ben, spot­te­te je­der Be­schrei­bung. Auch Bier­of­ka ließ vor dem SkyMi­kro – da spre­chen die Lö­wen noch, weil der Sen­der be­zahlt – kein gu­tes Haar an sei­ner Mann­schaft. „Das war nicht ge­nug“, mo­ser­te er. „Wir ha­ben Zwei­kampf­stär­ke ver­mis­sen las­sen so­wie tak­ti­sche Dis­zi­plin nach hin­ten, und auch auf den Au­ßen­bah­nen wa­ren wir nicht gut.“Die Lö­wen konn­ten noch froh sein, dass es zur Pau­se nur 0:1 hieß. Ny­man hat­te in der 16. Mi­nu­te ge­trof­fen, nach ei­ner per­fek­ten Kopf­ball­vor­la­ge von 1860-Ver­tei­di­ger Per­de­daj. Was den Ko­so­va­ren da ge­rit­ten hat – man fasst es nicht.

Aber auch sei­ne Ne­ben­leu­te agier­ten wirr und fahr­läs­sig, vor al­lem der zu­letzt so hoch­ge­lob­te Fe­lix Uduok­hai stand häu­fig ne­ben sich. Ein Glück, dass die Braun­schwei­ger die vie­len gu­ten Chan­cen nicht nutz­ten. Chan­cen der Lö­wen vor der Pau­se: Fehl­an­zei­ge.

Da sa­hen auch die Ver­ant­wort­li­chen auf der Tri­bü­ne be­schei­den aus der Wä­sche. Als da ge­we­sen wä­ren: Vi­ze­prä­si­dent Hans Sitz­ber­ger, Ya­hya Is­ma­ik, Bru­der von Ha­san so­wie Bei­rat und Auf­sichts­rat, Mar­ke­ting­chef Ra­ed Ger­ges so­wie der neue Ge­schäfts­füh­rer Ant­ho­ny Po­wer. Der trug ei­nen Wer­ner-Lorant-Schal um den Hals, ein Re­likt aus weit er­freu­li­che­ren Lö­wen-Zei­ten. Lorant war üb­ri­gens auch in Braun­schweig, als Ex­per­te von Sky. Und der 68-jäh­ri­ge Ex-Trai­ner macht sich gro­ße Sor­gen um sei­ne Lö­wen, die er über neun Jah­re lang be­treut hat. „Mir blu­tet das Herz, wenn ich auf die Ta­bel­le se­he“, sag­te Lorant. „Das sieht ganz ge­fähr­lich aus.“Nur ei­nen Punkt Vor­sprung be­sitzt 1860 auf ei­nen Ab­stiegs­platz. „Oh­ne Er­folg aber kommt der Ver­ein nie zur Ru­he“, warn­te Lorant. „Au­ßer­dem glau­be ich, dass Is­ma­ik in sei­nem Um­feld nicht die rich­ti­gen Be­ra­ter hat.“

Sport­chef – oder wie im­mer man ihn noch nen­nen soll – Tho­mas Eichin saß auf ei­ge­nen Wunsch dies­mal nicht auf der Bank, son­dern auf der Pres­se­tri­bü­ne, ganz in der Nä­he der Münch­ner Jour­na­lis­ten. Wenn das bloß nicht Ha­san Is­ma­ik er­fährt…

„Mit dem 0:1 zur Pau­se wa­ren wir noch gut be­dient“, sag­te Eichin, „aber auf Grund der 2. Halb­zeit und den gu­ten Um­stel­lun­gen von Bie­ro hät­ten wir ein Un­ent­schie­den ver­dient ge­habt.“Nach Kum­be­las Tor zum 0:2 (65.) hat­te Olic den An­schluss­tref­fer er­zielt (72.), und in der Nach­spiel­zeit schei­er­te La­ca­zet­te nur ganz knapp mit ei­nem He­ber.

Und wie geht’s wei­ter bei den Lö­wen? Ar­min Veh, so heißt es, ha­be ab­ge­sagt, ihm ist der Job an der Grün­wal­der Stra­ße of­fen­bar zu heiß. Bier­of­ka muss­dieMann­schaft auch auf das Heim­spiel am Sams­tag ge­gen Dres­den ein­stel­len. Und er sag­te: „Ich ha­be ei­ni­ges ge­se­hen, über das ich mir Ge­dan­ken ma­chen muss, was künf­tig die Auf­stel­lung be­trifft.“Wie wahr!

Bernd Bru­der­manns

Fo­to: Ima­go

No-Go-Area für die Me­di­en: das 1860-Ge­län­de an der Grün­wal­der Stra­ße

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