Uli

Bay­ern-Chef teilt wie­der aus

tz - - ERSTE SEITE - JO­SÉ CAR­LOS MEN­ZEL LÓPEZ

Uli Ho­en­eß wird ges­tern Abend am Te­gern­see mit ei­nem brei­ten Lä­cheln auf den Lip­pen ins Bett ge­gan­gen sein. Be­stimmt. Be­reits auf der Jah­res­haupt­ver­samm­lung hat­te der al­te und zugleich neue Prä­si­dent des FC Bay­ern zu­ge­ge­ben, dass ihm der Ge­dan­ke an sei­ne Rück­kehr wäh­rend sei­ner Zeit in Haft stets Kraft ge­ge­ben ha­be, das zu­rück­lie­gen­de Wo­che­n­en­de dürf­te die Er­war­tun­gen des 64-Jäh­ri­gen aber um ein Viel­fa­ches über­trof­fen ha­ben. Am Frei­tag zu­nächst die um­ju­bel­te Wie­der- wahl zum Prä­si­den­ten, am Sams­tag der 2:1-Sieg sei­ner Bay­ern ge­gen Le­ver­ku­sen und am Sonn­tag schließ­lich der Be­such meh­re­rer Fan­clubs in Wun­sie­del. Uli Ho­en­eß ist zu­rück!

Ab­tei­lung Atta­cke in­klu­si­ve, wie der Bay­ern-Ma­cher be­reits am Frei­tag un­ter Be­weis ge­stellt hat­te. Di­rekt nach sei­ner Wie­der­wahl war­te­te Ho­en­eß mit ei­ner Spit­ze ge­gen den Sen­sa­ti­ons­ta­bel­len­füh­rer aus Leip­zig auf, die nicht über­all in der Re­pu­blik auf die­sel­be Eu­pho­rie stieß wie im Au­di Do­me. Der FC Bay­ern ha­be „ne­ben Dort­mund end­lich wie­der ei­nen Feind, den wir at­ta­ckie­ren kön­nen“, po­saun­te er ins Mi­kro. Kein Wun­der, dass die Re­ak­tio­nen nicht be­son­ders lan­ge auf sich war­ten lie­ßen. Tags drauf ent­geg­ne­te Tho­mas Tu­chel vor der 1:2-Nie­der­la­ge sei­nes BVB in Frank­furt, er ha­be Ho­en­eß’ Wort­wahl „nicht gut“ge­fun­den. „Wir sind ger­ne ein Ri­va­le. Es geht nicht um Feind­schaft“, so der Dort­mun­der Trai­ner wei­ter.

Kri­tik, die Ho­en­eß an­nahm – und sich um­ge­hend für sei­ne Wor­te ent­schul­dig­te. „Da hat er voll­kom­men recht. Das Wort wür­de ich auch nie mehr be­nut­zen“, mein­te der Bay­ern-Prä­si­dent bei Sky und füg­te an, dass es „Fein­de nur im Irak oder Sy­ri­en“ge­be, „aber nicht im Fuß­ball“. In sei­ner Eu­pho­rie ha­be Ho­en­eß „na­tür­lich ein völ­lig fal­sches Wort ge­sagt“, er­klär­te er. „Das gilt so­wohl für Leip­zig, als auch für Dort­mund.“Ei­ne Ent­schul­di­gung, die Ho­en­eß auch am Sonn­tag vor den rund 500 Bay­ern-Fans im Fich­tel­ge­bir­ge wie­der­hol­te, „Rum­ge­eie­re“gab es wie von ihm be­reits ver­spro­chen aber auch dies­mal nicht. Ganz im Ge­gen­teil, bei Wun­sied­ler Weiß­bier, selbst ge­ba­cke­nen Plätz­chen und Live-Mu­si kam Ho­en­eß rich­tig in Fahrt. Wann die Lö­wen denn end­lich aus der Are­na aus­zie­hen, woll­te ein Fan wis­sen, wor­auf ihn Ho­en­eß zu­nächst an den Sta­di­on­ver­trag er­in­ner­te, dar­auf aber sei­ne Be­reit­schaft wie­der­hol­te, beim Aus­zug die Blas­ka­pel­le mit Karl-Heinz Rum­me­nig­ge an­zu­füh­ren. Zu den Ide­en ei­nes ei­ge­nen Sta­di­ons bei 1860 füg­te er an: „Sie soll­ten mit ei­nem rei­chen On­kel wie Trump re­den, viel­leicht baut der ih­nen ei­nes.“Gro­ßes Ge­läch­ter, Bei­fall, Uli in sei­nem Ele­ment. Nicht an­ders beim The­ma BVB – ak­tu­ell ja im Schmu­se­kurs mit dem FCB. „Wir soll­ten die Ri­va­li­tät zu den Dort­mun­dern er­hal­ten“, for­der­te Ho­en­eß – und er­gänz­te un­ter Bei­fall: „Ich wer­de be­stimmt nicht mit Herrn Watz­ke Arm in Arm durch die Welt lau­fen.“In­ter­res­san­tes gab’s auch zum The­ma Bas­ti­an Schwein­stei­ger. Ho­en­eß dürf­te mit ei­nem Zi­tat zum Welt­meis­ter in Di­ens­ten von Man­ches­ter Uni­ted näm­lich für die ei­ne oder an­de­re Schlag­zei­le in England ge­sorgt ha­ben – weil er ein bal­di­ges Kar­rie­re-En­de des 32-jäh­ri­gen Ki­ckers nicht aus­schließt. „Ich ha­be das nicht so ge­hört, aber ich ken­ne ihn ja auch ein biss­chen und ich spü­re nicht mehr so das Feu­er, un­be­dingt et­was zu ma­chen“, sag­te der 64-Jäh­ri­ge. Ob man Schwein­stei­ger, der ges­tern beim 1:1 ge­gen West Ham Uni­ted erst­mals nach über acht Mo­na­ten wie­der im Ka­der von ManUni­ted stand, zum FCB zu­rück­ho­len kön­ne, woll­te ein Fan wis­sen. Doch Ho­en­eß er­wi­der­te, man tue „ihm und dem FC Bay­ern kei­nen Ge­fal­len, wenn man das Rad zu­rück­dreht. Schwein­stei­ger soll sich bis zum letz­ten Tag von Man­ches­ter aus­zah­len las­sen, Golf spie­len und dann sa­gen: Ar­ri­ve­der­ci.“

Und dann war der gro­ße Tag im Fich­tel­ge­bir­ge nach knapp vier St­un­den rum. Was blieb? Un­zäh­li­ge Au­to­gram­me, noch mehr Fo­tos, la­chen­de Ge­sich­ter – und ein wei­te­rer Satz in Rich­tung Leip­zig. Ho­en­eß: „Wir wer­den sie be­kämp­fen – und be­sie­gen.“Als Ri­va­len, ver­steht sich.

Ho­en­eß über RB Leip­zig Ho­en­eß über den TSV 1860

Sam­pics Fo­to:

Prä­si­dent Ho­en­eß freu­te sich über den 2:1-Sieg des FCB

Fo­tos: Strimm (1), fkn

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