So kön­nen Vi­ren das Herz schä­di­gen

tz - - POLITIK - ANDRE­AS BEEZ

In der tz er­klärt Herz-Pro­fes­sor Dr. Ha­rald Kühl, Chef­arzt im städ­ti­schen Kli­ni­kum Har­la­ching, war­um ein ver­schlepp­ter In­fekt so tü­ckisch wer­den kann. ■ Die Ge­fah­ren: Bei ei­ner Er­käl­tung, aber auch bei be­stimm­ten Ma­genDarm-Er­kran­kun­gen, sind Vi­ren über­all im Kör­per ver­teilt. „Sie kön­nen auch den Herz­mus­kel be­fal­len und in des­sen Zel­len Ent­zün­dungs­pro­zes­se aus­lö­sen. Wir Me­di­zi­ner spre­chen von ei­ner Myo­kar­d­i­tis“, er­läu­tert Prof. Kühl. „Oft nimmt ei­ne Myo­kar­d­i­tis ei­nen harm­lo­sen Ver­lauf. Sie bleibt un­ent­deckt, bil­det sich von al­lei­ne wie­der zu­rück. Aber es kön­nen sich auch dra­ma­ti­sche Fol­ge­schä­den ent­wi­ckeln. So kann die Pump­funk­ti­on des Herz­mus­kels dau­er­haft ge­schä­digt blei­ben. Der Pa­ti­ent be­hält dann ei­ne chro­ni­sche Herz­schwä­che zu­rück, die le­bens­be­droh­lich wer­den kann.“

■ Die Alarm­si­gna­le: Weil sich ei­ne Myo­kar­d­i­tis schlei­chend ver­schärft, kön­nen vie­le Pa­ti­en­ten die Sym­pto­me zu­nächst nicht ein­deu­tig zu­ord­nen. Sie füh­len sich schlapp und mü­de, kla­gen über Rhyth­mus­stö­run­gen oder et­was Luft­not. „Wenn ne­ben dem Herz­mus­kel auch der Herz­beu­tel ent­zün­det ist, kön­nen Brust­schmer­zen da­zu­kom­men“, be­rich­tet Prof. Kühl. „Die­se kom­bi­nier­te Er­kran­kung ist re­la­tiv häu­fig. Der Fach­be­griff heißt Pe­ri­myo­kar­d­i­tis.“

■ Die Dia­gno­se: Ent­zün­dungs­re­ak­tio­nen des Her­zens las­sen sich in der Re­gel mit ei­ner Kern­spin­to­mo­gra­fie des Her­zens nach­wei­sen, mit dem Herz-Ul­tra­schall wird die Pump­funk­ti­on des Her­zens im Ver­lauf über­prüft. Auch ein EKG ge­hört zur Stan­dard­dia­gnos­tik.

■ Die Be­hand­lung: „In ers­ter Li­nie ist Scho­nung wich­tig“, be­tont Kühl. In man­chen Fäl­len ver­ord­nen die Ärz­te un­ter­stüt­zend Me­di­ka­men­te, die das Herz ent­las­ten – et­wa Di­ure­ti­ka; sie wir­ken ent­wäs­sernd. Da­ge­gen be­kom­men Myo­kar­d­i­tis-Pa­ti­en­ten fast nie An­ti­bio­ti­ka ver­schrie­ben. „Denn die Ent­zün­dungs­pro­zes­se wer­den in den al­ler­meis­ten Fäl­len nicht von Bak­te­ri­en, son­dern von Vi­ren ver­ur­sacht“, so Prof. Kühl. Nach ei­ner un­kom­lip­zier­ten Myo­kar­d­i­tis oh­ne Ein­schrän­kung der Pump­leis­tung des Her­zens soll­te man min­des­tens vier Wo­chen kei­nen Sport trei­ben – falls die Pump­funk­ti­on des Herz­mus­kels ein­ge­schränkt ist, soll­te man so­gar min­des­tens ein hal­bes Jahr pau­sie­ren und sich re­gel­mä­ßig kar­dio­lo­gisch un­ter­su­chen las­sen.

■ Die Vor­beu­gung: „Vor­sicht ist vor al­lem dann ge­bo­ten, wenn zu ei­nem all­ge­mei­nen Krank­heits­ge­fühl auch noch hö­he­res Fie­ber kommt. Bei Tem­pe­ra­tu­ren über 38,5 Grad ge­hört man ins Bett“, sagt der Herz-Spe­zia­list. „Al­ler­dings kann sich ei­ne Myo­kar­d­i­tis auch oh­ne Fie­ber ent­wi­ckeln. Des­halb soll­te man sich nach ei­nem In­fekt erst wie­der kör­per­lich an­stren­gen, wenn die Sym­pto­me ver­schwun­den sind und man sich wie­der hun­dert­pro­zen­tig fit fühlt. Das gilt für die Ar­beit ge­nau­so wie für den Sport.“

Herz-Prof. Dr. Ha­rald Kühl vom städ­ti­schen Kli­ni­kum Har­la­ching

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