Der Dik­ta­tor

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„Rös­te in der Höl­le“: Exil-Ku­ba­ner in Mia­mi fei­ern Castros Tod mit ma­ka­bren Pa­ro­len Fo­to: ima­go

Fi­del Cas­tro war 49 Jah­re lang Staats­chef in Ku­ba – von vie­len wur­de er nach sei­nem Tod als un­beug­sa­mer Re­vo­lu­ti­ons­held ge­wür­digt, doch Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal ver­weist auf die dunk­le Sei­te sei­ner Re­gent­schaft: „Die Er­run­gen­schaf­ten von Fi­del Cas­tro, der Mil­lio­nen Ku­ba­nern Zu­gang zu staat­li­chen Leis­tun­gen ver­schafft hat, wur­den auf­ge­wo­gen durch ei­ne sys­te­ma­ti­sche Un­ter­drü­ckung der Grund­rech­te wäh­rend sei­ner Zeit an der Macht.“

Schon wäh­rend der von Cas­tro an­ge­führ­ten Re­vo­lu­ti­on sei­en in Ku­ba Hun­der­te Geg­ner hin­ge­rich­tet wor­den. Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on lob­te zwar „be­deu­ten­de Fort­schrit­te beim Zu­gang zum Ge­sund­heits­sys­tem und zu Woh­nun­gen“so­wie bei­spiel­lo­se Er­fol­ge im Kampf ge­gen An­alpha­be­tis­mus. „Al­ler­dings wa­ren die 49 Jah­re der Herr­schaft von Fi­del Cas­tro trotz der Er­fol­ge im so­zia­len Be­reich ge­kenn­zeich­net von ei­ner bru­ta­len Un­ter­drü­ckung der Mei­nungs­frei­heit“, bi­lan­zier­te die Am­nes­ty-Che­fin für die Re­gi­on Ame­ri­ka, Eri­ka Gue­va­ra-Ro­sas. „Der ak­tu­el­le Zu­stand der Mei­nungs­frei­heit in Ku­ba, wo Ak­ti­vis­ten wei­ter we­gen ih­rer Po­si­tio­nie­rung ge­gen die Re­gie­rung fest­ge- nom­men oder Op­fer von Be­läs­ti­gun­gen wer­den, ist das dun­kels­te Er­be von Fi­del Cas­tro.“Am­nes­ty hat in Ku­ba Hun­der­te Fäl­le von In­haf­tie­run­gen we­gen fried­li­cher Mei­nungs­äu­ße­run­gen do­ku­men­tiert. Nun stel­le sich die Fra­ge, wie die Men­schen­rechts­la­ge im Ku­ba von mor­gen aus­se­hen wer­de. „Vie­le Le­ben hän­gen da­von ab“, mahn­te Gue­va­ra-Ro­sas. Der künf­ti­ge US-Prä­si­dent Do­nald Trump be­zeich­ne­te Cas­tro als ei­nen „bru­ta­len Dik­ta­tor, der sein ei­ge­nes Volk fast sechs Jahr­zehn­te lang un­ter­drückt hat“. Sei­ne Re­gie­rung wer­de „al­les“da­für tun, um da­zu bei­zu­tra­gen, dem ku­ba­ni­schen Volk den Weg „in Rich­tung Wohl­stand und Frei­heit“zu eb­nen. In­ter­es­san­te Er­in­ne­run­gen an Cas­tro hat auch der Ex-Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen In­dus­trie, Hans-Olaf Hen­kel. Er hat Ku­bas Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer mehr­fach ge­trof­fen. Schein­bar such­te Cas­tro bei Hen­kel das, was er im ei­ge­nen Land nicht fin­den konn­te: „Er fand es wohl in­ter­es­sant, weil ich ihm of­fen wi­der­spro­chen ha­be, das war er wohl nicht ge­wöhnt“. Bei ei­ner ge­mein­sa­men Sil­ves­ter­fei­er zur Jahr­tau­send­wen­de ha­be Cas­tro ihm den „Un­ter­gang des Ka­pi­ta­lis­mus“vor­aus­ge­sagt so­wie ei­ne Kri­se der Fi­nanz­bran­che. Mit letz­te­rer ha­be er nicht ganz falsch ge­le­gen, schmun­zelt Hen­kel. Er ha­be Cas­tro als ei­nen „sehr ge­bil­de­ten, aber ideo­lo­gisch völ­lig ver­bohr­ten Men­schen“ken­nen­ge­lernt. Hen­kels Kon­takt zu Cas­tro brach 2003 ab. „Ich ha­be mich da­mals in ei­nem Brief bit­ter bei ihm be­schwert, weil er drei Ku­ba­ner nach ei­nem Schnell­ver­fah­ren hin­rich­ten ließ, die ei­ne Fäh­re nach Mia­mi hat­ten ent­füh­ren wol­len“, so Hen­kel. Ganz so kri­tik­fä­hig war Cas­tro dann wohl doch nicht …

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