So ju­belt Mia­mi…

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Par­ty­Stim­mung in Mia­mi we­gen Castros Tod F.: ima­go/ AP

So groß die Trau­er auf den Stra­ßen Ha­van­nas ist, so über­schwän­g­lich auch die Freu­de in Mia­mi: Dort, im US-Bun­des­staat Flo­ri­da, fei­er­ten Exil­Ku­ba­ner den Tod des ih­nen ver­hass­ten Re­vo­lu­ti­ons­füh­rers mit Cham­pa­gner und Hup­kon­zer­ten.

Wäh­rend in Ku­ba kurz vor Mit­ter­nacht, als Raúl Cas­tro den Tod sei­nes Bru­ders ver­kün­de­te, die Mu­sik ver­stumm­te und Par­tys auf­ge­löst wur­den, ging in Mia­mi die Fei­er erst rich­tig los: Mehr als Tau­send Men­schen ström­ten auf die Stra­ßen, ju­bel­ten und tanz­ten.

Sie skan­dier­ten „Frei- heit, Frei­heit“, trom­mel­ten auf Koch­töp­fen, tanz­ten Po­lo­nai­se und schwenk­ten ku­ba­ni­sche Flag­gen. Vie­le von ih­nen wa­ren einst vor Un­ter­drü­ckung und Ent­eig­nung aus Ku­ba ge­flo­hen.

Aus der Men­ge er­tön­ten Ru­fe wie „Jetzt ist Raúl dran!“.

Auch in Spa­ni­en, wo­hin eben­falls vie­le Exil-Ku­ba­ner nach dem po­li­ti­schen Um­sturz 1959 ge­flo­hen wa­ren, gab es spon­ta­ne Freu­den­fei­ern. In Ma­drid kam es zu ge­walt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Cas­tro-Geg­nern und -An­hän­gern.

Nach der Re­vo­lu­ti- on hat­te Cas­tro nach und nach sei­ne ra­di­ka­len po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen ver­wirk­licht – und sich da­mit vor al­lem die rei­che Schicht Ku­bas zum Tod­feind ge­macht: Wohn­raum, Bil­dung und kos­ten­lo­se Ge­sund­heits­für­sor­ge für die ge­sam­te Be­völ­ke­rung. Groß­grund­be­sit­zer und aus­län­di­sche Fir­men wur­den ent­eig­net, Tau­sen­de „Kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re“aus dem Land ge­jagt. Sie fan­den vor al­lem im US-Bun­des­staat Flo­ri­da Zuflucht und ge­hör­ten von da an zu Castros er­bit­terts­ten Fein­den. 1961 ver­such­ten die Exil-Ku­ba­ner mit Hil­fe der US-Re­gie­rung Cas­tro zu stür­zen – doch die Lan­dung in der Schwein­bucht schei­ter­te kläg­lich.

Ge­gen Sys­tem­geg­ner und Dis­si­den­ten griff Cas­tro wei­ter hart durch: Sie wur­den drang­sa­liert, aus dem Land ge­trie­ben oder ein­ge­sperrt. Mehr als ei­ne Mil­li­on Ku­ba­ner kehr­ten ih­rer Hei­mat im Lau­fe der Jah­re aus po­li­ti­schen oder wirt­schaft­li­chen Grün­den Ku­ba den Rü­cken. So floh 1993 so­gar Castros Toch­ter Ali­na nach Mia­mi, sei­ne Schwes­ter Jua­ni­ta for­der­te sei­nen Rück­tritt.

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