DerBe­frei­er

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Fi­del Cas­tro wird von vie­len Ku­ba­nern, aber auch von Lin­ken welt­weit, kul­tisch ver­ehrt. Der Per­so­nen­kult um den lang­jäh­ri­gen ku­ba­ni­schen Prä­si­den­ten lässt sich vor al­lem durch des­sen Rol­le in der ku­ba­ni­schen Re­vo­lu­ti­on er­klä­ren. Cas­tro star­te­te einst als Hoff­nungs­trä­ger ei­ner Be­völ­ke­rung, die in den 1950er-Jah­ren vom Ty­ran­nen Ful­gen­cio Ba­tis­ta und des­sen Mi­li­tärs un­ter­drückt wur­de.

Cas­tro hat die­se Un­ter­drü­ckung am ei­ge­nen Leib zu spü­ren be­kom­men. Wäh­rend des Ju­ra­Stu­di­ums und spä­ter als An­walt hat­te sich Cas­tro po­li­tisch ge­gen die kor­rup­te Re­gie­rung en­ga­giert – ei­ne ju­ris­ti­sche Kar­rie­re konn­te er sich da­her ab­schmin­ken, als 1952 der frü­he­re Un­ter­of­fi­zier Ba­tis­ta durch ei­nen Putsch die Macht an sich riss. Cas­tro wur­de zum Re­vo­lu­tio­när. Ein von ihm or­ga­ni­sier­ter Um­sturz­ver­such schei­ter­te zu­nächst am 26. Ju­li 1953 bei ei­nem di­let­tan­ti­schen Über­fall auf die Mon­ca­da-Ka­ser­ne in San­tia­go de Cu­ba. Doch der re­de­ge­wand­te Gue­ril­le­ro ver­such­te es nach ei­nem Exil-Auf­ent­halt in Me­xi­ko er­neut und fand schließ­lich so gro­ßen Zu­lauf, dass er 1959 sieg­reich un­ter Ju­bel­ru­fen in Ha­van­na ein­zog. „Fi­del Cas­tro hat sein Le­ben ris­kiert, als er mit we­ni­gen Frau­en und Män­nern be­gann, das dik­ta­to­ri­sche Re­gime Ba­tis­tas zu be­kämp­fen“, wür­digt der frü­he­re Lin­ken-Chef Gre­gor Gy­si den frü­he­ren ku­ba­ni­schen Staats­chef in der BamS. Zwei­fel­los sei Cas­tro in die­ser Zeit ein Held ge­we­sen.

Der Weg an die Spit­ze des Staa­tes war für den jun­gen Fi­del kei­nes­wegs vor­ge­zeich­net. Als un­ehe­li­cher Sohn ei­nes spa­ni­schen Plan­ta­gen­be­sit­zers ge­bo­ren, fiel er al­ler­dings be­reits in sei­ner Schul­zeit in ei­nem Je­sui­ten­kol­leg Ha­van­nas durch Ehr­geiz und schier un­be­zwing­ba­ren Wil­len auf: Ein­mal soll er mit dem Fahr­rad ab­sicht­lich ge­gen ei­ne Mau­er ge­rast sein - um zu be­wei­sen, dass Angst und Schmerz ihn nicht auf­hal­ten kön­nen. Nach dem Sieg der Re­vo­lu­ti­on trieb Cas­tro zahl­rei­che Re­for­men vor­an. Das Bil­dungs- und vor al­lem das Ge­sund­heits­we­sen in Ku­ba gal­ten im Ver­gleich mit an­de­ren Län­dern Latein­ame­ri­kas lan­ge als bei­spiel­haft. Mit ei­ner Land­re­form und der Ver­staat­li­chung von Un­ter­neh­men mach­te sich Cas­tro al­ler­dings die USA zum Feind, die die In­sel mit ei­nem weit­rei­chen­den Han­dels­em­bar­go be­leg­ten. Die­se Erb­feind­schaft zu den USA brach­te dem Re­vo­lu­tio­när aus Ha­van­na die Wert­schät­zung der Lin­ken welt­weit ein. Cas­tro trotz­te wäh­rend sei­ner Re­gie­rungs­zeit zehn US-Prä­si­den­ten und über­leb­te zahl­rei­che At­ten­tats­ver­su­che. Cas­tro ha­be in der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Ku­ba und den USA be­wie­sen, „dass ein Zwerg ge­gen ei­nen Rie­sen er­folg­reich be­ste­hen kann“und sei da­mit zu ei­ner Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur ge­wor­den, ana­ly­siert Gün­ther Mai­hold von der Stif­tung Wis­sen­schaft und Po­li­tik.

Ein als Che Gue­va­ra ver­klei­de­ter Mann trau­ert in Ku­ba

Fo­tos: ima­go, AP

Ein An­hän­ger Fi­del Castros be­weint in Ha­van­na den Tod sei­nes Idols

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