So trau­ert Ha­van­na…

tz - - REPORT - KLAUS RIM­PEL

„Fi­del zu ver­lie­ren fühlt sich an, als ob man ei­nen Va­ter ver­liert“, so zi­tiert die Nach­rich­ten­agen­tur AFP den Bä­cker Mi­chel Ro­d­ri­guez aus Ha­van­na. Die tz frag­te te­le­fo­nisch bei ei­nem ganz durch­schnitt­li­chen Ku­ba­ner nach, ob die Trau­er dort wirk­lich so ein­hel­lig ist.

Der Ku­ba­ner Car­los S. (56), der an­onym blei­ben will, mein­te da­zu, dass das Volk tat­säch­lich sehr trau­rig sei: „Wir Ku­ba­ner sind zu 100 Pro­zent Fi­de­lis­tas!“Trotz al­ler Pro­ble­me – die meis­ten Ku­ba­ner hät­ten den grei­sen Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer wirk­lich sehr ver­ehrt.

Aber auf den All­tag ha­be der Tod des grei­sen Re­vo­lu­ti­ons­füh­rers trotz­dem we­nig Ein­fluss: „Al­les läuft nor­mal, wir ar­bei­ten, die Kin­der ge­hen zur Schu­le…“Denn schließ­lich sei Fi­del Cas­tro nun schon lan­ge nicht mehr Prä­si­dent – di­rek­te po­li­ti­sche Ver­wer­fun­gen wer­de sein Tod al­so nicht aus­lö­sen. Und die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on ha­be oh­ne­hin ei­ne we­ni­ger star­ke Be­zie­hung zu dem Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer als die Äl­te­ren.

„Fi­del war ja schon sehr alt, trotz­dem kam sein Tod für uns jetzt über­ra­schend. Das Volk war nicht auf die­se Nach­richt vor­be­rei­tet wor­den“, er­zählt Car­los.

Die Füh­rung ha­be ei­ne neun­tä­gi­ge Staats­trau­er aus­ge­ru­fen, be­rich­tet der 56-Jäh­ri­ge. „Im Ra­dio spie- len sie jetzt die Re­vo­lu­ti­ons­lie­der und im Fern­se­hen lau­fen his­to­ri­sche Do­kus, die an Castros Hel­den­ta­ten er­in­nern.“Al­le Kon­zer­te und Sport­ver­an­stal­tun­gen wur­den ab­ge­sagt. Auch Star­te­nor Pláci­do Do­m­in­go, der am Sams­tag ei­gent­lich sein ers­tes Kon­zert in Ku­ba ge­ben woll­te, durf­te nicht auf­tre­ten.

Mor­gen be­gin­nen die of­fi­zi­el­len Trau­er­fei­er­lich­kei­ten mit ei­ner Mas­sen­kund­ge­bung auf dem Platz der Re­vo­lu­ti­on in Ha­van­na. Von Mitt­woch an soll die Ur­ne mit der Asche Castros dann in ei­ner vier­tä­gi­gen Pro­zes­si­on in die süd­öst­li­che Stadt San­tia­go de Cu­ba ge­bracht wer­den. Dort soll der „Máxi­mo Lí­der“am Sonn­tag schließ­lich be­er­digt wer­den.

Trotz des gro­ßen Pomps ist das so manch ei­nem Fi­delFan noch zu we­nig: „Er war ein gro­ßer An­füh­rer. Sie hät­ten 30 Ta­ge Staats­trau­er aus­ru­fen sol­len“, sag­te der Metz­ger An­dy Lo­res aus Ha­van­na zu AFP.

Fo­to: AP

Ha­van­na: Ker­zen zu Eh­ren des Ma­xi­mus Lider

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.