Kri­mi ums Prä­si­den­ten­amt

tz - - POLITIK -

Gan­ze 30 000 Stim­men trenn­ten Alex­an­der van der Bel­len (Grü­ne) und Nor­bert Ho­fer (FPÖ) bei der Stich­wahl des Staats­prä­si­den­ten in Ös­ter­reich am 22. Mai: 50,3 zu 49,7 Pro­zent lau­te­te das Er­geb­nis. Doch Ho­fer focht die Wahl an – mit Er­folg. Das ös­ter­rei­chi­sche Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fand zwar kei­ne Hin­wei­se auf Wahl­be­trug, wohl aber Re­gel­ver­stö­ße beim Aus­zäh­len. Des­halb wer­den jetzt am Sonn­tag die 6,4 Mil­lio­nen Wäh­ler er­neut zur Ur­ne ge­ru­fen. Und er­neut wird mit ei­nem ex­trem en­gen Er­geb­nis ge­rech­net. Um­fra­gen se­hen bei­de Kan­di­da­ten un­ver­än­dert gleich­auf. Ho­fer liegt zwar meis­tens knapp vorn, aber ver­läss­li­che Pro­gno­sen sind un­mög­lich.

Ei­nes der wich­tigs­ten Wahl­kampf­the­men von Ho­fer ist die Flücht­lings­po­li­tik von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. Ihr Satz „Wir schaf­fen das“hät­te Eu­ro­pa schwe­ren Scha­den zu­ge­fügt. Be­zah­len müs­se die Rech­nung auch der ös­ter­rei­chi­sche Steu­er­zah­ler. Van der Bel­len setzt in sei­nem Wahl­kampf vor al­lem auf mo­de­ra­te Tö­ne: „Ver­nunft statt Ex­tre­me“– „Wäh­len! nicht wun­dern“, lau­ten sei­ne Bot­schaf­ten. Doch hat van der Bel­len ein Pro­blem. Es feh­len Un­ter­stüt­zer. So­gar die Grü­nen hal­ten sich zu­rück. Zu viel Nä­he, so ih­re Sor­ge, könn­te kon­ser­va­ti­ve Wäh­ler ver­prel­len. Zwar be­ken­nen sich Bun­des­kanz­ler Chris­ti­an Kern (ÖVP) und Wi­ens Bür­ger­meis­ter Micha­el Häupl (SPÖ) öf­fent­lich zur Wahl von van der Bel­len. Aber ih­re Par­tei­en hal­ten sich mit Wahl­emp­feh­lun­gen zu­rück. Ei­ner­seits, weil sie Angst ha­ben, ei­nen Part­ner zu ver­grau­len – die ÖVP ko­aliert in Ober­ös­ter­reich mit der FPÖ, die SPÖ im Bur­gen­land – an­de­rer­seits, weil man fürch­tet, den Vor­wurf der Po­pu­lis­ten zu be­stä­ti­gen, es ge­be ei­ne Ver­schwö­rung der Po­lit-Eli­te ge­gen die Stim­men des Vol­kes.

Gleich­auf: Alex­an­der van der Bel­len (li.) und Nor­bert Ho­fer

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