Fa­ta­le Ver­knüp­fung

tz - - POLITIK -

Ver­su­chung ist groß, Ren­zi ei­nen Denk­zet­tel zu ver­pas­sen.

Der bri­ti­sche Re­gie­rungs­chef Da­vid Ca­me­ron hat er­lebt, wie fa­tal es sein kann, die Ab­stim­mung über ei­ne Sach­fra­ge mit dem sei­ner per­sön­li­chen Kar­rie­re zu ver­knüp­fen. Er setz­te die Br­ex­it-Ab­stim­mung an, im fes­ten Glau­ben dar­an, dass die Bri­ten für den Ver­bleib in der EU stim­men. Und muss­te an­schlie­ßend zu­rück­tre­ten. Ita­li­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Mat­teo Ren­zi droht nun ein ähn­li­ches Schick­sal. Und das auch noch oh­ne Not. Denn bei­de Par­la­ments­kam­mern hat­ten der Ver­fas­sungs­re­form im April be­reits zu­ge­stimmt. Doch an­ge­sichts sei­ner da­mals glän­zen­den Um­fra­ge­wer­te glaub­te Ren­zi auch noch ei­ne Volks­ab­stim­mung ma­chen zu müs­sen. Die Zu­stim­mung für sei­ne Po­li­tik (und fürs ei­ge­ne Ego) schien si­cher. In­zwi­schen hat Ren­zi sei­ne Machtar­ro­ganz, längst be­reut. Denn der Wind hat sich ge­dreht. Und sei­ne Ver­su­che, die Ab­stim­mung wie­der auf ei­ne sach­li­che Ebe­ne zu­rück­zu­füh­ren sind kläg­li­che ge­schei­ter t. Die Op­po­si­ti­on lässt ihn nicht mehr vom Ha­ken – und jetzt kämpft Ren­zi ums po­li­ti­sche Über­le­ben. Es sieht nicht gut aus für den 41-Jäh­ri­gen. Aber soll man mit je­man­den Mit­leid ha­ben, der ei­ne Volks­ab­stim­mung fürs ei­ge­ne po­li­ti­sche Kal­kül miss­braucht? Die Ver­su­chung ist groß, Ren­zi ei­nen Denk­zet­tel zu ver­pas­sen. Trotz­dem soll­ten die Ita­lie­ner dar­auf ver­zich­ten: Das Land braucht drin­gend die­se Re­form, um in der Kri­se und für die Zu­kunft hand­lungs­fä­hi­ger als bis­her zu sein.

Wolf­gang de Pon­te

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