An­ge­klag­ter chat­te­te bis kurz vorm Un­glück!

tz - - BAYERN -

Er wuss­te, dass er im Di­enst die Fin­ger von sei­nem Han­dy las­sen muss – und spiel­te den­noch da­mit. Der An­ge­klag­te im Pro­zess um das Zug­un­glück von Bad Ai­b­ling mit zwölf to­ten Men­schen und 89 teils le­bens­ge­fähr­lich Ver­letz­ten hat­te dies auch gleich zu Be­ginn des Pro­zes­ses ge­stan­den. Am vier­ten Ver­hand­lungs­tag dreh­te sich wie­der viel um die ver­bo­te­ne Smart­pho­nen­ut­zung. Da­bei kam her­aus: Micha­el P. (40) spiel­te nicht nur das On­li­ne­spiel Dun­ge­on Hun­ter – er chat­te­te auch noch ak­tiv mit an­de­ren Spie­lern! Der Fahr­dienst­lei­ter war al­so mög­li­cher­wei­se noch mehr ab­ge­lenkt als bis­her an­ge­nom­men!

So er­folg­te bei­spiels­wei­se ein Chat nach den Auf­zeich­nun­gen der Fir­ma bis zwölf Mi­nu­ten vor dem Zu­sam­men­stoß der bei- den Nah­ver­kehrs­zü­ge am 9. Fe­bru­ar. Dies sag­te am Mon­tag ein Mit­ar­bei­ter je­ner Fir­ma aus, de­ren Spiel der An­ge­klag­te ge­spielt hat­te. Bis­lang war schon be­kannt, dass P. rund ei­ne Mi­nu­te vor dem Zu­sam­men­prall der Zü­ge das On­li­ne­spiel end­gül­tig be­en­det hat­te.

Als Micha­el P. an je­nem Mor­gen be­merk­te, dass er bei­de Zü­ge auf die ein­glei­si­ge Stre­cke ge­schickt hat­te, woll­te er die Zug­füh­rer war­nen. Doch er ver­wech­sel­te laut An­kla­ge zwei Tas­ten. So er­reich­te der Not- ruf nicht die Zü­ge, son­dern le­dig­lich an­de­re Fahr­dienst­lei­ter in der Re­gi­on. Am Mon­tag stell­te da­zu ein un­ab­hän­gi­ger Sach­ver­stän­di­ger klar: Hät­te Micha­el P. die rich­ti­ge Tas­te ge­drückt, hät­te das Un­glück ver­hin­dert wer­den kön­nen. Zehn Se­kun­den nach dem ers­ten No­t­ruf sei­en die Zü­ge noch knapp 900 Me­ter von­ein­an­der ent­fernt ge­we­sen. Die Ent­fer­nung hät­te aus­ge­reicht, die Zü­ge noch vor ei­ner Kol­li­si­on bis zum Stand ab­zu­brem­sen! Auch ein Op­fer des Un­glücks sag­te am Mon­tag aus. Ein Mit­ar­bei­ter (57) der Deut­schen Bahn, der als Fahr­gast in ei­nem der Zü­ge saß, be­rich­te­te von sei­nen Be­ob­ach­tun­gen. Es ha­be ihn stut­zig ge­macht, dass er beim Blick aus dem Fens­ter sei­nes Ab­teils ein Son­der­si­gnal zwei­mal hin­ter­ein­an­der ge­se­hen ha­be. Beim Auf­prall „wur­de ich aus der Sitz­bank ge­schleu­dert“, sag­te er vor dem Land­ge­richt in Traun­stein. Er sei fünf Me­ter durch den Wag­gon ge­flo­gen und ha­be sich da­bei schwe­re Prel­lun­gen an der Brust zu­ge­zo­gen. Der Pro­zess geht am Don­ners­tag wei­ter.

Fo­tos: dpa

Bis kurz vor dem Un­glück mit zwölf To­ten chat­te­te der An­ge­klag­te Micha­el P. mit Spie­lern des On­li­ne­spiels Dun­ge­on Hun­ter. Dies sag­te am Mon­tag ein Mit­ar­bei­ter des Spie­leent­wick­lers vor dem Land­ge­richt in Traun­stein aus

Am 9. Fe­bru­ar krach­ten die Zü­ge fron­tal zu­sam­men

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