Zwei star­ke Frau­en

Die Kon­zer­te von Si­mo­ne Ker­mes und Ce­ci­lia Bar­to­li

tz - - KULTUR + TV - JJ/TH

Zwei der größ­ten Ba­rock-Spe­zia­lis­tin­nen gleich­zei­tig an ei­nem Abend? Ein sel­ten un­glück­li­cher Sch(w)ach­zug der Ver­an­stal­ter.

In der eben­so rie­si­gen wie da­für un­ge­eig­ne­ten Phil­har­mo­nie muss Si­mo­ne Ker­mes vor spär­lich be­setz­ten Rei­hen auf­tre­ten. Ker­mes nimmt’s sport­lich und emp­fiehlt, sich in den vor­de­ren Blö­cken zu­sam­men­zu­set­zen. Ge­sagt, ge­tan – und nach der zwei­ten Arie gab’s Hit­ze­wal­lun­gen des am En­de fre­ne­tisch ju­beln­den Pu­bli­kums. Ker­nes, mit drei ver­schie­de­nen aus­la­den­den Ba­rock­kos­tü­men, fin­det vor al­lem in der zwei­ten Kon­zert­hälf­te zu ge­wohn­ter Bril­lanz. In den lang­sa­men Ari­en von u. a. Per­go­le­si und Por­po­ra zeigt sie ih­re gan­ze Kunst: aus dem Nichts ent­ste­hen­de Tö­ne, Ver­zie­run­gen in höchs­ten La­gen und auf hal­ber Stim­me, schein­bar un­end­li­chem Atem und Le­ga­to-Kul­tur.

*** Ein paar Me­ter wei­ter: Ce­ci­lia Bar­to­li im Prinz­re­gen­ten­thea­ter, die an die­sem Abend nicht als Ko­lo­ra­tu­ren-Spring­ball un­ter­wegs ist. Ne­ben sel­te­nen Feu­er­wer­ken (Hän­del-Ari­en aus Se- me­le oder Apol­le e Daf­ne) wird man vor al­lem Zeu­ge ei­ner sehr be­son­de­ren, sehr ei­gen­tüm­li­chen In­ner­lich­keit. Die er­schöpft sich nicht im Säu­seln, son­dern ist mit ei­ner In­ten­si­tät auf­ge­la­den, wie sie nur die­ser Su­per­star er­zielt.

Bar­to­li weiß, dass sie nicht das ein­schmei­chelnds­te Tim­bre hat. Auch das ak­tu­el­le Hän­del-Pro­gramm bie­tet die Be­geg­nung mit ei­ner im­mens klu­gen, selbst­be­wuss­ten Künst­le­rin. Es gibt Zau­be­rei­en an der un­te­ren Dy­na- mik-Gren­ze, olym­pi­sche Ver­zie­rungs­gir­lan­den, aber eben auch ei­ne wie auf Spit­ze ge­sun­ge­ne De­li­ka­tes­se und ein sub­ti­les Spiel mit der Wei­te des Tons.

Selbst bei Schla­gern wie La­scia la spi­na stockt ei­nem der Atem.

F: Dec­ca, dpa

Si­mo­ne Ker­mes (l.) und Ce­ci­lia Bar­to­li ver­sprü­hen Ba­rock-Glanz

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