Kon­se­quent von An­fang an

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Das ers­te Mal in mei­nem Le­ben saß ich in der of­fi­zi­el­len FIA-Pres­se­kon­fe­renz nach ei­nem Ren­nen, oh­ne ein Fah­rer zu sein. In Abu Dha­bi bin ich nur we­gen Ni­co Ros­berg dort hin­ge­gan­gen. Ich woll­te da­bei sein, wenn er das ers­te Mal Fra­gen als Welt­meis­ter be­ant­wor­ten muss. Al­le Emo­tio­nen platz­ten aus ihm her­aus, und ich konn­te ver­ste­hen war­um. Ich ken­ne Ni­co, seit er ein klei­ner Jun­ge war. Sein Va­ter und ich hat­ten Bü­ros in Mo­na­co di­rekt ne­ben­ein­an­der, wir tran­ken öf­ters Kaf­fee, quatsch­ten, und oft war der klei­ne Ni­co auch da­bei. Ich ver folg­te sei­ne ers­ten Schrit­te im Mo­tor­sport und be­wun­der­te von An­fang an, wie kon­se­quent er sei­nen Weg ging. Im Som­mer ha­be ich oh­ne zu zö­gern aus die­ser Ver­bun­den­heit her­aus für ihn den neu­en Mer­ce­des-Ver­trag aus­ge­han­delt, als mich sein Va­ter dar­um ge­be­ten hat­te. Ni­co hat schon des­halb den Ti­tel ver­dient, weil es al­les an­de­re als ein­fach ist, den glei­chen Be­ruf wie sein Va­ter aus­zu­üben und sich im­mer wie­der mit ihm ver­glei­chen und mes­sen zu müs­sen. Nur Da­mon Hill und Jac­ques Vil­le­neuve ha­ben es vor Ni­co ge­schafft, aus dem Schat­ten ih­rer er­folg­rei­chen und cha­ris­ma­ti­schen Vä­ter hin­aus­zu­fah­ren. Aber nicht nur des­halb ist Ni­co ein wür­di­ger Cham­pi­on. Als er 2010 zu Mer­ce­des wech­sel­te, hat­te er kei­nen Ge­rin­ge­ren als Micha­el Schu­ma­cher als Team­kol­le­gen. Ni­co meis­ter­te die Auf­ga­be. 2013 kam es noch schlim­mer. Mit Le­wis Ha­mil­ton be­kam er den wahr­schein­lich schnells­ten Pi­lo­ten der Ge­gen­wart an sei­ne Sei­te. Drei Jah­re lang du­el­lier te er sich auf Au­gen­hö­he mit ihm und konn­te sich je­des Jahr ver­bes­sern. Ich fin­de es fas­zi­nie­rend, wie er Rück­schlä­ge weg­steck­te und aus ih­nen lern­te. Der WM-Ti­tel ist nicht nur das Er­geb­nis jah­re­lan­ger har ter Ar­beit, son­dern auch von ex­trem star­ken Ner­ven. Oh­ne die kann man ei­nen Le­wis Ha­mil­ton näm­lich nicht schla­gen. Des­halb ver­nei­ge ich mich vor der Leis­tung von Ni­co Ros­berg.

Von Ger­hard Ber­ger, Ex-For­mel-1Fah­rer

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