Ros­bergs wil­de WM-Par­ty

tz - - ERSTE SEITE - RALF BACH

Wah­re Grö­ße zeigt sich manch­mal auch im Mo­ment des Sie­ges. Nach dem zwei­ten Platz in Abu Dha­bi, der Ni­co Ros­berg zum Ti­tel reich­te, bra­chen bei dem Deut­schen al­le Mau­ern und Däm­me. Im­mer wie­der kul­ler­ten bei den Sie­ger­inter­views Trä­nen, im­mer wie­der schüt­tel­te er sei­nen Kopf. Es war ei­ne Mi­schung aus Un­gläu­big­keit und Stolz, am En­de nicht nur Ha­mil­ton, son­dern sei­ne ei­ge­nen Selbst­zwei­fel be­siegt zu ha­ben, im ent­schei­den­den Mo­ment dem im­men­sen Druck stand­hal­ten zu kön­nen.

Spä­tes­tens in der Am­ber Lounge des Golf­clubs Yas Links fiel jeg­li­cher Druck vom neu­en Welt­meis­ter ab. Zu­sam­men mit Frau Vi­vi­an, sei­ner Fa­mi­lie und acht Freun­den, die aus der gan­zen Welt ein­ge­flo­gen wa­ren, ließ es Ros­berg bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den kra­chen. Mit ihm fei­er­ten ei­ni­ge an­de­re For­mel-1-Pi­lo­ten, un­ter an­de­rem Jen­son But­ton und Fe­li­pe Mas­sa. Der Bra­si­lia­ner griff zu fort­ge­schrit­te­ner Zeit so­gar zum Mi­kro­fon und tob­te sich am DJ-Pult aus.

Vor Ros­bergs ers­tem PR-Auf­tritt als Welt­meis­ter in Ma­lay­sia dach­te der 31-Jäh­ri­ge in sei­ner Tri­umph­nacht auch an Micha­el Schu­ma­cher. „Ich hof­fe, dass er es mit­be­kommt, dass ich hier ge­won­nen ha­be. Er hat auch ei­nen An­teil an die­sem Er­folg“, zoll­te der aus dem Schat­ten sei­nes Mer­ce­des-Ri­va­len Le­wis Ha­mil­ton ge­tre­te­ne Deut­sche dem Re­kord­cham­pi­on Re­spekt. „Er war drei Jah­re hier, hat drei Jah­re ge­pusht, dass das Team vor­an­kommt. Es war ein sehr in­ter­es­san­tes Er­leb­nis, mit Si­cher­heit ha­be ich von die­sem Er­leb­nis ei­ni­ges auf den Weg mit­ge­nom­men“, be­schrieb Ros­berg den Wir­kungs­grad Schu­ma­chers. Nach 21 Ren­nen, acht Sie­gen und ei­nem acht Mo­na­te lan­gen ner­ven­zer­reis­sen­den Kampf mit dem schein­bar un­be­zwing­ba­ren Voll­gas­tier Ha­mil­ton und sei­nen ei­ge­nen Ner­ven zer­spreng­te Ros­berg den Pan­zer stoi­scher Ru­he, den er sich selbst auf­er­legt hat­te: „Für mich war es das Bes­te ei­ne Wand um mich auf­zu­bau­en und von Ren­nen zu Ren­nen zu den­ken. Wenn du an das gro­ße Gan­ze denkst, macht dich das nur ner­vös und ver­rückt.“

Se­bas­ti­an Vet­tel, der Ros­berg nach dem Ren­nen ar­tig und auf­rich­tig gra­tu­lier­te und The Guar­di­an: für ein Sie­ger­sel­fie po­sier­te, hat­te in der ab­ge­lau­fe­nen Sai­son we­nig zu la­chen. Nach sei­nen und Schu­ma­chers Er­fol­gen, er­leb­te die For­mel 1 in Deutsch­land ein klei­nes Loch, der Ho­cken­heim­ring steht vor dem Aus und wird ver­mut­lich aus dem Ka­len­der ge­stri­chen. „Viel­leicht än­dert sich in Zu­kunft ja et­was“, mein­te Mer­ce­des-Mo­tor­sport­chef To­to Wolff. „Es wä­re groß­ar­tig, wenn Ni­co die Lei­den­schaft neu ent­fa­chen könn­te.“Für’s Ers­te darf Ni­co Ros­berg aber ein­fach nur stolz auf sei­ne Leis­tung sein.

Fo­tos: ba­b­i­rad, dpa, afp, ima­go, fkn

Ju­bel pur: Ni­co Ros­berg mit Frau Vi­vi­an (li.) und mit Se­bas­ti­an Vet­tel (o.)

Ni­co Ros­berg wur­de im Golf­club Yas Links von al­len auf Hän­den ge­tra­gen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.