Son­ja Ger­hardt im In­ter­view

tz - - ERSTE SEITE - IN­TER­VIEW: RU­DOLF OGIERMANN

Son­ja Ger­hardt hat ei­ne Schwä­che für star­ke Frau­en. Zu­letzt sah man die zar­te blon­de Schau­spie­le­rin im ZDF-Drei­tei­ler Ku’damm 56 als auf­müp­fi­ge jun­ge Frau im Nach­kriegs­deutsch­land, da­vor schlug sie sich in der TV-Rei­he Deutsch­land 83 als Leh­re­rin al­lein in der DDR durch, nach­dem ihr Freund als Spi­on re­kru­tiert wur­de. Und auch in der in­ter­na­tio­na­len Kopro­duk­ti­on Jack the Rip­per, die Sat.1 heu­te zeigt, lässt sich die 27-Jäh­ri­ge vom blut­rüns­ti­gen Frau­en­mör­der nicht ein­schüch­tern. „Ich fin­de es toll, dass man mir so taf­fe Rol­len zu­traut“, sagt Son­ja Ger­hardt im In­ter­view.

Was wuss­ten Sie über den his­to­ri­schen Jack the Rip­per, be­vor Sie den Film ge­macht ha­ben?

Son­ja Ger­hardt: Ich wuss­te, dass es sich um ei­nen nie ge­fass­ten Se­ri­en­mör­der han­delt, der Pro­sti­tu­ier­te um­ge­bracht hat. Ich wuss­te al­ler­dings nicht, dass un­ter den vie­len Men­schen, die ver­däch­tigt wur­den, auch ei­ne Frau war. Das fand ich sehr in­ter­es­sant. Als Mo­tiv hat man bei ihr Ra­che ver­mu­tet, weil sie die Frau ei­nes Frau­en­arz­tes war, die selbst kei­ne Kin­der be­kom­men konn­te. Vie­len der Op­fer wur­de ja vom Mör­der die Ge­bär­mut­ter raus­ge­schnit­ten.

Was hat Sie an der Fi­gur der An­na Kos­min­ski ge­reizt?

Ger­hardt: Mich hat fas­zi­niert, dass hier ei­ne jun­ge Frau ganz al­lei­ne in ein frem­des Land reist, um ih­ren Bru­der, das ein­zi­ge noch le­ben­de Fa­mi­li­en­mit­glied, aus dem Ir­ren­haus her­aus­zu­ho­len. In die Su­che nach dem wah­ren Jack the Rip­per ge­rät sie ja ganz zu­fäl­lig – im­mer in Ge­fahr, selbst zum Op­fer zu wer­den.

Wie wa­ren die Dreh­ar­bei­ten? Der Film er­weckt den Ein­druck, als sei das ge­sam­te Team Op­fer von Re­gen und Schlamm ge­wor­den.

Ger­hardt: Im Ge­gen­teil – wir ha­ben im Som­mer ge­dreht, es war wun­der­schö­nes Wet­ter, und wir sind zer­flos­sen in den Ko­s­tü­men. Nur an ei­nem Dreh­tag hat es ge­reg­net, das war dann auch schwie­rig, weil sich mein Rock­saum so­fort voll Was­ser ge­saugt hat.

Sind Sie pri­vat ein eher ängst­li­cher Typ?

Ger­hardt: Nachts al­lei­ne durch den Wald ge­hen wür­de ich nicht, aber ich schaue mir sehr ger­ne Hor­ror­fil­me an. Da bin ich ganz vor­ne mit da­bei.

Es gibt ja noch an­de­re Or­te, an de­nen man sich fürch­ten kann ...

Ger­hardt: In Städ­ten bin ich abends auch schon mal al­lei­ne un­ter­wegs. Ich le­be in Ber­lin. Al­ler­dings ist es ja auch nicht so, dass in je­der dunk­len Ecke ei­ner steht, der mir was an­tun will.

Sie ha­ben im Kin­der­en­sem­ble des Fried­rich­stadt­pa­las­tes ge­tanzt, in­wie­weit ha­ben Sie da­von für Ih­ren jet­zi­gen Be­ruf pro­fi­tiert?

Ger­hardt: Ich ha­be da vor al­lem Dis­zi­plin ge­lernt. Ich bin mit fünf oder sechs dort hin­ge­kom­men und ge­blie­ben, bis ich 16, 17 war, das hat mir sehr viel ge­bracht – für den Kör­per und für den Kopf.

War das Ih­re Idee – oder woll­ten das Ih­re El­tern?

Ger­hardt: We­der noch. Über die Zei­tung wur­de zu ei­nem Cas­ting ein­ge­la­den, und ei­ne Freun­din von mir, die zu der Zeit schon acht war, woll­te un­be­dingt hin, aber nicht al­lei­ne, und da hat sie mich ge­fragt, ob ich mit­kom­me. Am En­de wur­de ich auf­ge­nom­men und sie nicht, weil sie schon zu alt war. Mei­ne El­tern ha­ben das aber na­tür­lich be­für­wor­tet und stan­den im­mer hin­ter mir.

Was war das Be­ein­dru­ckends­te, das Sie bis­her ge­macht ha­ben?

Ger­hardt: Auf je­den Fall Ku’damm 56. Ich ha­be die Bü­cher ge­le­sen und so­fort ge­sagt: Das – will – ich – spie­len! Ich war fünf oder sechs­mal beim Cas­ting, bin zum Glück im­mer ei­ne Run­de wei­ter­ge­kom­men. Ich ha­be ge­kämpft – und es am En­de ge­schafft. Und was war das Be­ein­dru­cken­de? Ger­hardt: Ich fin­de die Zeit span­nend, in der der Film spielt. Es wird auch die da­ma­li­ge Frau­en­be­we­gung the­ma­ti­siert. Mei­ne Schau­spiel­kol­le­gin­nen Clau­dia Mi­chel­sen, Ma­ria Eh­rich, Emi­lia Schü­le und ich ha­ben ei­ne Fa­mi­lie ge­spielt und sind beim Dre­hen auch wie ei­ne Fa­mi­lie zu­sam­men­ge­wach­sen. Das war ei­ne tol­le Er­fah­rung.

Ihr ak­tu­el­les Pro­jekt?

Ger­hardt: Ich ha­be zu­letzt Ho­nig­frau­en ge­dreht, ei­nen Drei­tei­ler, der nächs­tes Jahr im ZDF läuft. Er spielt 1986, und es geht um zwei Schwes­tern, die in der DDR le­ben und Ur­laub am Ba­la­ton ma­chen, in Un­garn, wo sie an ih­re Gren­zen kom­men. Mehr darf ich aber noch nicht ver­ra­ten. Wie sieht es mit dem Thea­ter aus? Ger­hardt: Das wür­de ich ger­ne mal ma­chen, aber ich ha­be sehr viel Re­spekt da­vor. Da bräuch­te ich ei­nen Re­gis­seur, den ich gut ken­ne und der mich da gut durch­bringt. In­wie­fern Re­spekt? Ger­hardt: Je­de Vor­stel­lung ist live, da darf kein Feh­ler pas­sie­ren – und wenn, dann musst du im­pro­vi­sie­ren kön­nen. Beim Film kannst du al­les tau­send­mal ma­chen, so lan­ge, bis es passt.

Ich bin nicht be­son­ders angst­lich aber vor­sich­tig Schau­spie­le­rin Son­ja Ger­hardt

Ge­ra­de erst in Lon­don an­ge­kom­men, wird An­na (Son­ja Ger­hardt) aus­ge­raubt und fast ver­ge­wal­tigt

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