Ita­li­en-Re­fe­ren­dum

Mat­teo Ren­zis Re­fe­ren­dum

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Die Stim­mung ist auf­ge­heizt. Ei­ne Wo­che vor der Ab­stim­mung über die Ver­fas­sungs­re­form wird in Ita­li­en der Ton zwi­schen Be­für­wor­tern und Geg­nern im­mer schär­fer. Der An­füh­rer der Op­po­si­ti­ons­par­tei Fünf-Ster­ne-Be­we­gung,Bep­pe Gril­lo, be­zeich­ne­te Re­gie­rungs­chef Mat­teo Ren­zi zu­letzt so­gar als „ver­wun­de­te Wild­sau“, Be­für­wor­ter des Re­fe­ren­dums sei­en „Se­ri­en­kil­ler“von Ita­li­ens Kin­dern… Das macht deut­lich, es geht um mehr als ei­ne Än­de­rung des par­la­men­ta­ri­schen Sys­tems. Die tz er­klärt die Hin­ter­grün­de: ■ Wor­um geht’s bei Re­form?

Die zwei­te Kam­mer, der Se­nat, soll qua­si ab­ge­schafft wer­den. Da­mit er­hofft sich die Re­gie­rung ein En­de der für Ita­li­en ty­pi­schen Dau­er­blo­cka­den von Re­for­men. Kri­ti­ker fürch­ten den Macht­zu­wachs der Re­gie­rung und be­kla­gen, dass die ei­gent­li­chen Pro­ble­me nicht ge­löst wür­den. ■ War­um ist die Ab­stim­mung für Eu­ro­pa wich­tig?

Ren­zi hat sei­ne Zu­kunft mit ei­nem Er­folg beim Re­fe­ren­dum ver­knüpft. Ver­liert er, droht ei­ne Re­gie­rungs­kri­se. Und Eu­ro­pa ver­liert an der Spit­ze sei­ner dritt­größ­ten Volks­wirt­schaft ei­nen wich­ti­gen EU-Be­für­wor­ter. Das könn­te Aus­wir­kun­gen auf ganz Eu­ro­pa ha­ben. ■ Wie groß Ren­zis Chan­cen?

Um­fra­gen sa­hen ei­nen Vor­sprung von sie­ben bis zehn Punk­ten für sei­ne Geg­ner, al­ler­dings gibt es noch vie­le un­ent­schlos­se­ne Wäh­ler. ■ Wie ist die ak­tu­el­le La­ge in

Ita­li­en? der sind

Ren­zi re­giert jetzt über 1000 Ta­ge. Al­lein dies wird schon als Er­folg ge­wer­tet, denn seit dem Krieg gab es in Ita­li­en schon 65 (!) Re­gie­run­gen. Sei­ne Bi­lanz: 1,6 Pro­zent Wirt­schafts­wachs­tum (dop­pelt so viel wie sei­ne bei­den Vor­gän­ger schaff­ten), 656 000 neue Jobs (da­von 500 000 un­be­fris­tet), drei Pro­zent mehr Kauf­kraft für Fa­mi­li­en.

Doch im Ver­gleich zur Eu­ro-Zo­ne hängt Ita­li­en im­mer noch weit zu­rück. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt liegt auf dem Ni­veau von 2000, im glei­chen Zei­t­raum wuchs es in der EU um 18, in Deutsch­land um 20 und in Spa­ni­en um 25 Pro­zent. Die Fol­ge: ei­ne Ban­ken­kri­se. Au­ßer­dem steigt die Staats­ver­schul­dung (über zwei Bil­lio­nen Eu­ro) im­mer wei­ter an. In der Bo­ni­tät liegt das Land nur noch kurz über Schrott-Sta­tus. ■ Wie sieht Ita­li­ens Zu­kunft aus?

Ex­per­ten se­hen in Ren­zis bis­he­ri­gen Re­for­men (u. a. Li­be­ra­li­sie­rung des Ar­beits­mark­tes, Ver­ein­fa­chung des Steu­er­sys­tems etc.) ei­nen gro­ßen Fort­schritt, der über ei­nen­län­ge­renZei­t­raumF­rüch­te tra­gen wür­de. Fragt sich nur, ob Ita­li­ens Wäh­ler Ren­zi auch die­se Zeit ge­ben.

Glaubt an sei­ne Re­for­men: Ita­li­ens Re­gie­rungs­chef Mat­teo Ren­zi

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