Das La­den-Ka­rus­sell

In nur zehn Jah­ren: Drei von vier Ge­schäf­ten sind hier neu!

tz - - MÜNCHEN - S. KAROWSKI, M. BIE­BER

Was macht ei­ne Stadt un­ver­wech­sel­bar? Was gibt ihr das Ge­sicht? Na­tür­lich die gro­ßen Bau­ten, die Se­hens­wür­dig­kei­ten. Und, ge­nau­so wich­tig: die klei­nen Lä­den. Doch die­se Lä­den ster­ben aus. Und ma­chen ei­ne Stadt ge­sichts­los. Ganz be­son­ders schlimm trifft es die Send­lin­ger Stra­ße. Zwi­schen 2006 und 2016 ha­ben hier 62 Ge­schäf­te ihr Ge­sicht ver­än­dert. Zum Ver­gleich: In der Kau­fin­ger­stra­ße wa­ren es ge­ra­de mal sie­ben im sel­ben Zei­t­raum. Das geht aus ei­ner Stu­die des IVD-In­sti­tuts für Markt­for­schung her­vor.

Der Grund ist fast im­mer der­sel­be: Die alt­ein­ge­ses­se­nen Tra­di­ti­ons­ge­schäf­te kön­nen sich die Miet­erhö­hun­gen nicht mehr leis­ten. „Die Münch­ner In­nen­stadt ver­wan­delt sich im­mer mehr in ei­ne uni­for­me­re In­nen­stadt“, sagt IVD-Chef Ste­phan Kip­pes. Auch wenn sich Tra­di­ti­ons­häu­ser ge­gen die na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Fi­lia­lis­ten be­haup­ten könn­ten, dräng­ten die­se zu­neh­mend stär­ker auf den Markt. Denn: „Sie ste­hen we­ni­ger un­ter Druck als in­ha­ber­ge­führ­te Ein­zel­han­dels­be­trie­be und kön­nen schwä­che­re Um­sät­ze oder über­durch­schnitt­lich ho­he Miet­prei­se an ein­zel­nen Stand­or­ten bes­ser ver­kraf­ten“, sagt Kip­pes.

Ein Pa­ra­de­bei­spiel hier­für ist die Send­lin­ger Stra­ße. Mitt­ler­wei­le ha­ben in­ter­na­tio­na­le Mar­ken die Ein­kaufs­mei­le ent­deckt – eng­li­sche Fir­men­na­men vom Rin­der­markt bis zum Send­lin­ger Tor. Aber­crom­bie & Fitch, Star­bucks, G-Star Raw Sto­re, The North Face Sto­re sind nur ei­ni­ge Bei­spie­le. Doch ei­ne an­de­re Un­ter­su­chung des IVD zeigt auch: In der Send­lin­ger Stra­ße sind weit­aus we­ni­ger Men­schen un­ter­wegs als in der Kau­fin­ger­stra­ße. Mit Ein­füh­rung der Fuß­gän­ger­zo­ne und dem Bau der Hof­statt woll­te man ei­ne neue Fla­nier­mei­le, mehr Kund­schaft an­spre­chen und ei­ne ho­he Auf­ent­halts­qua­li­tät schaf­fen.

Teils sei das ge­lun­gen, so Kip­pes. „In der Send­lin­ger Stra­ße prä­sen­tie­ren sich zu­meist Ge­schäf­te für ei­ne jun­ge Kli­en­tel mit ge­ho­be­nem An­spruch.“Aber: „Ein­kaufs­mei­len ver­lie­ren an In­di­vi­dua­li­tät. Da­her ist es wich­tig, den tra­di­tio­nel­len Han­del zu er­hal­ten.“

Ob das in der Send­lin­ger Stra­ße zu schaf­fen ist? Als si­cher gilt nur, dass mit der neu­en Fuß­gän­ger­zo­ne vor al­lem ei­nes steigt: die Miet­prei­se für die klei­nen Lä­den.

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