Prü­ge­lei um den bes­ten Platz

Vor dem Amts­ge­richt se­hen sich die bei­den Streit­hansl jetzt wie­der

tz - - MÜNCHEN+REGION - A. THIE­ME

Sein Knopf­ak­kor­de­on hat er gut ge­pflegt. Seit 20 Jah­ren schon trägt An­d­rii S. (42) es in die Send­lin­ger Stra­ße. Dort spielt er Stü­cke von Bach – und be­geis­tert vie­le Men­schen, die durch die In­nen­stadt schlen­dern. Ei­nem je­doch stieß die Mu­sik bit­ter auf: Ma­te O. (22), ein Bett­ler, schlug den be­kann­ten Münch­ner Stra­ßen­mu­si­ker bru­tal nie­der, weil der ihm an­geb­lich sei­nen Platz weg­ge­nom­men hat­te. Jetzt wird ihm der Pro­zess am Amts­ge­richt ge­macht.

Saal B 273, ges­tern um 9 Uhr. In der lin­ken Ecke sitzt Ma­te O. auf der An­kla­ge­bank. Er ist ein Schwer­ge­wicht: mehr als 100 Ki­lo, brei­tes Kreuz, das schwar­ze T-Shirt spannt über sei­nem Bauch. „Es stimmt al­les, was in der An­kla­ge steht“, räumt er di­rekt ein. Sein Ge­ständ­nis ist der Knock-out im Straf­pro­zess. Aber ei­ne sinn­vol- le Stra­te­gie, denn al­le Fak­ten spre­chen ge­gen ihn.

„Geh weg, das ist mei­ne Stra­ße!“, schrie Ma­te O. – dann soll er den Mu­si­ker laut Staats­an­walt­schaft mit den Fäus­ten auf Hin­ter­kopf und Rü­cken ge­schla­gen ha­ben. Für An­d­rii S. hat­te die Atta­cke vom 13. April schlim­me Fol­gen: „Ich hat­te ge­bro­che­ne Rip­pen und ei­ne Ge­hirn­er­schüt­te­rung.“

Es ist 9.30 Uhr, als er ges­tern im Zeu­gen­stand Platz nimmt, nur drei Me­ter ent­fernt von sei­nem Pei­ni­ger. Ta­ge­lang ha­be er sich vor Schmer­zen kaum be­we­gen kön­nen, sagt der Mu­si­ker. Er trägt die Haa­re zum Zopf, hat fei­ne Hän­de – so sieht kein Kämp­fer aus. Aber S. ist hart im Neh­men. „Erst hat­te ich nur Angst um mein In­stru­ment, weil ich mir kein neu­es leis­ten kann. Doch dann hat er mich hef­tig ge­schla­gen – wie ein Bo­xer ei­nen Box­sack.“15 Schlä­ge auf den Ober­kör­per sol­len es ge­we­sen sein.

Der Mu­si­ker tau­mel­te, hielt sich aber auf den Bei­nen – bis die Po­li­zei kam. „Ich dach­te, der schlägt mich tot“, sagt er – und war so be­nom­men, dass er nach der Prü­ge­lei den ers­ten Flie­ger in die Ukrai­ne nahm. „Über den Wol­ken wur­de mir klar, wie ge­fähr­lich das al­les war. Dann ist mir schlecht ge­wor­den.“

Pas­san­ten hat­ten be­ob­ach­tet, wie der Bett­ler den Mu­si­ker re­gel­recht ge­jagt hat­te. Vor dem Ko­nen in der Send­lin­ger Stra­ße muss­te die Po­li­zei Ma­te O. so­gar fes­seln, so ag­gres­siv war sein Wi­der­stand ge­gen die Be­am­ten. „Mein Man­dant lei­det un­ter Schi­zo­phre­nie“, stell­te Ver­tei­di­ger Ni­co­las Früh­sor­ger klar. Ma­te O. sitzt seit­her in der Psych­ia­trie. Im Pro­zess geht es nun dar­um, ob er dort blei­ben muss.

Fs: Thie­me

Schrä­ge Tö­ne vor Ge­richt: Ma­te O. (links) schlug vor dem Ko­nen auf den Mu­si­ker An­d­rii S. (rechts) ein

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