Das Kunst­wadl-Dra­ma

Ei­nen Tag vor der Be­er­di­gung der FCB-Le­gen­de stirbt auch sei­ne Frau

tz - - MÜNCHEN+REGION - NI­NA BAUTZ

Die Be­er­di­gung ih­res ge­lieb­ten Man­nes hat sie nicht mehr mit­er­lebt: Wie jetzt be­kannt wur­de, ist die Wit­we des FC-Bay­ern-Auf­stiegs­ka­pi­täns Adolf „Adi“Kunst­wadl († 76) über­ra­schend ge­stor­ben – aus­ge­rech­net ei­nen Tag vor der Bei­set­zung ih­res Man­nes am 22. No­vem­ber. „Das war gar nicht ab­seh­bar“, sagt Die­ter Bren­nin­ger, auch ehe­ma­li­ger FCB-Pro­fi und Freund der Fa­mi­lie Kunst­wadl, der tz.

74 Jah­re alt wur­de An­ne­ma­rie, die im­mer an Adis Sei­te war. „Sie ha­ben 1963 ge­hei­ra­tet und im­mer zu­sam­men­ge­hal­ten“, er­zählt der al­te Bay­ern-Kol­le­ge Pe­ter Kup­fer­schmidt. Adi hat­te ei­nen Schlag­an­fall, dann hat­te er Pro­ble­me mit dem Rü­cken, zu­letzt ei­ne Herz-OP, be­rich­ten die al­ten Ka­me­ra­den. Bren­nin­ger: „An­ne­ma­rie hat Adi ge­pflegt, ob­wohl sie selbst Asth­ma und Kreis­lauf­pro­ble­me plag­ten. Man hat ge­merkt, dass ihr der schlech­te Zu­stand ih­res Man­nes zu­ge­setzt hat.“

Zu Adis Be­er­di­gung am Rie­mer Fried­hof sei­en 300 Gäs­te ge­kom­men – so­gar Uli Ho­en­eß und Franz Be­cken­bau­er, be- rich­tet Kup­fer­schmidt. Und dann muss­ten die Fuß­ball­freun­de er­fah­ren, dass Adis Frau am Tag zu­vor ver­stor­ben ist. Dass die Tru­de­rin­ge­rin ih­rem Mann so schnell in den Tod folg­te – dar­an kön­ne das ge­bro­che­ne Herz (sie­he Text un­ten) schuld sein, mut­maßt man im Um­feld. „Das war der Kum­mer, be­stimmt“, sagt Kup­fer­schmidt.

Die Kunst­wadls sind den Alt­stars in gu­ter Er­in­ne­rung. „Wir wa­ren frü­her oft nach den Re­gio­nal­li­ga-Spie­len bei ih­nen zu Hau­se und ha­ben ge­fei­ert oder den Frust weg­ge­trun­ken“, er­in­nert sich Bren­nin­ger. Der Adi sei „ein Pfunds­kerl“ge- we­sen, „ein ge­stan­de­nes Manns­bild, als Mensch ein­ma­lig“.

Adi Kunst­wadl war im­mer da­bei – ob­wohl er nur ein ein­zi­ges Spiel mit dem FC Bay­ern in der Bun­des­li­ga ab­sol­vier­te. Nach meh­re­ren Jah­ren in der Re­gio­nal­li­ga führ­te der Ka­pi­tän die Mann­schaft 1965 in die ers­te Li­ga. Nach dem Auf­takt­spiel – aus­ge­rech­net ge­gen den TSV 1860 – war die Kar­rie­re aber wie­der vor­bei. „Der Adi hat­te sich am Knie ver­letzt“, sagt Bren­nin­ger. „Da­mals durf­te man nicht aus­wech­seln – und er muss­te wei­ter­spie­len.“Nach recht lan­ger Ver­let­zungs­pau­se war dann bei der ers­ten Mann­schaft Schluss. Adi Kunst­wadl spiel­te spä­ter ein paar Jah­re beim FC Wa­cker, da­nach blieb er dem FC Bay­ern in der Eh­ren­li­gaMann­schaft treu.

Bis zu­letzt tra­fen sich die Alt­stars re­gel­mä­ßig bei den Kunst­wadls da­heim. Sie sind ei­ne Fuß­bal­l­er­fa­mi­lie, wie es sie im schnell­le­bi­gen Ge­schäft heu­te kaum noch gibt. Des­halb sagt Kup­fer­schmidt: „Wir ha­ben den Adi schön ver­ab­schie­det, und das wer­den wir am Di­ens­tag auch mit sei­ner Frau ma­chen.“

Fo­tos: Ima­go (2), Günter Herk­ner

Im To­de ver­eint: Adi Kunst­wadl († 76) mit Ehe­frau An­ne­ma­rie († Die FCB-Alt­stars Die­ter Bren­nin­ger (2. von links) und Pe­ter Kup­fer­schmidt (ganz rechts) hin­ter dem Ori­gi­nal­tri­kot von Adi Kunst­wadl Claas Lah­mann, Pro­fes­sor für Psy­cho­so­ma­tik Adi Kunst­wadl führ­te den FC Bay­ern 1965 als Ka­pi­tän in die Ers­te Li­ga

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