Es hör­te nicht auf zu blu­ten

tz - - BAYERN - WS

Sie führ­ten das nor­ma­le Le­ben ei­nes äl­te­ren Ehe­paa­res, Ma­ria und Josef A. (66 und 67) aus dem Kreis Lands­hut. Doch aus un­er­klär­li­chen Grün­den fühl­te sich Josef schwach. Wäh­rend ei­nes Ur­laubs blu­te­te er plötz­lich im Mund, es ließ sich kaum stop­pen. Seit ges­tern muss sich nun die Ehe­frau vor dem Lands­hu­ter Schwur­ge­richt ver­ant­wor­ten. Die An­kla­ge wirft ihr vor, sie ha­be Josef A. aus Hab­gier tö­ten wol­len. Ei­ne Tat­waf­fe: das Blut­ver­dün­nungs­mit­tel Mar­cu­mar.

Die An­ge­klag­te, die schon zwei­mal ver­hei­ra­tet ge­we­sen war, woll­te in ih­rem Ge­burts­land Russ- land Me­di­zi­ne­rin wer­den. Nach der Über­sied­lung er­hielt sie in Mün­chen ei­ne An­stel­lung als Kran­ken­schwes­ter. Staats­an­walt Tho­mas Rauscher: „Seit Fe­bru­ar 2015 hat die Ehe­frau da­mit be­gon­nen, ih­rem Ehe­mann heim­lich in ei­ner Viel­zahl von Fäl­len das blut­ge­rin­nungs­hem­men­de Mar­cu­mar und das Blut­hoch­druck­mit­tel Clo­ni­din deut­lich über­do­siert zu ver­ab­rei­chen – um ihn zu tö­ten.“Denn für die Me­di­ka­men­te ha­be es kei­nen me­di­zi­nisch not­wen­di­gen Grund ge­ge­ben.

Bei Ge­sun­den kann Mar­cu­mar mas­si­ve Blu­tun­gen aus­lö­sen – und ge­nau das pas­sier­te zum ers- ten Mal im Ma­rok­ko-Ur­laub. Josef A. blu­te­te im Mund und aus der Na­se, auch spä­ter nach der Heim­kehr. Sein Ge­sund­heits­zu­stand ver­schlim­mer­te sich, er konn­te we­gen stei­fer Ge­len­ke kaum ge­hen, fühl­te sich matt. An­fang Ju­ni blu­te­te er er­neut im Mund, er­litt nach ei­nem Sturz ei­ne Platz­wun­de am Kopf, die auch stark blu­te­te. In der Not­auf­nah­me des Lands­hu­ter Kli­ni­kums fand man den Grund – Mar­cu­mar. Der Wirk­stoff lag in ei­ner le­bens­be­droh­li­chen Kon­zen­tra­ti­on vor wie auch der Wirk­stoff von Clo­ni­din, des­sen to­xi­sche Do­sie­rung et­wa Schwin­del her­vor­ruft. Dank der schnel­len Re­ak­ti­on im Kli­ni­kum wur­de das Le­ben des Man­nes ge­ret­tet. Sei­ne Frau kam in U-Haft. Laut An­kla­ge hat sie heim­tü­ckisch ver­sucht, ans Er­be zu kom­men.

Auf­ge­wach­sen un­ter ärm­li­chen Be­din­gun­gen, hat­te Ma­ria A. ih­ren Weg ge­macht. So be­saß sie et­wa ei­ne Drei­zim­mer Woh­nung in Mün­chen im Wert von 230 000 Eu­ro. Auf Be­ob­ach­ter im Ge­richt wirkt sie bie­der, trägt ein oran­ges Sak­ko und schwar­ze Ho­se. Sie ließ im Vor­feld des Pro­zes­ses er­ken­nen, dass sie den Vor­wurf be­strei­tet, da­zu äu­ßern woll­te sie sich nicht. Heu­te wird der Pro­zess fort­ge­setzt.

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