Ar­beit in der di­gi­ta­len Ära

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So­zi­al­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) will Deutsch­land fit ma­chen für die di­gi­ta­len Ent­wick­lun­gen in In­dus­trie und auf dem Ar­beits­markt. In ih­rem Weiß­buch 4.0 hat die So­zi­al­de­mo­kra­tin Vor­schlä­ge auf­ge­lis­tet, die ihr Haus über Mo­na­te ge­sam­melt hat, de­stil­liert aus Stel­lung­nah­men von Ex­per­ten und Er­geb­nis­sen von Dis­kus­sio­nen zwi­schen Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­bern. Zwi­schen den Buch­de­ckeln ver­ber­gen sich zum Teil fast re­vo­lu­tio­nä­re Ide­en – die nicht von al­len Be­tei­lig­ten be­grüßt wer­den. Die Ar­beit­ge­ber sind skep­tisch: Ver­bands­prä­si­dent In­go Kra­mer warnt vor den fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen. In der Uni­on geht es man­chen nicht schnell ge­nug mit den Lo­cke­rungs­übun­gen. Nah­les be­tont, ihr ge­he es nicht in ers­ter Li­nie um ein Ge­setz, son­dern dar­um, „Leit­plan­ken für Ver­hand­lungs- und Er­fah­rungs­räu­me zu mar­kie­ren“. ■ Fle­xi­ble­re Ar­beits­zei­ten: Be­gin­nen soll die Zu­kunft mit ei­ner zwei­jäh­ri­gen Ex­pe­ri­men­tier­pha­se, bei der et­wa ver­schie­de­ne Va­ri­an­ten ei­ner Ab­kehr vom Acht­stun­den­tag aus­ge­tes­tet wer­den sol­len. Wenn sich Ta­rif­part­ner ei­ni­gen, sol­len ge­setz­li­che Vor­ga­ben ge­lo­ckert wer­den kön­nen. Mehr Fle­xi­bi­li­tät dür­fe aber nicht be­deu­ten, dass Ta­rif­ver­trä­ge, so­zia­le Ab­si­che­run­gen oder ar­beit­neh­mer­freund­li­che Struk­tu­ren – et­wa Be­triebs­rä­te – weg­fal­len. ■ Er­ör­te­rungs­recht: Ein Ar­beit­neh­mer soll mit dem Chef dar­über ver­han­deln kön­nen, mor­gens z.B. ei­ne hal­be St­un­de spä­ter zu kom­men, um das Kind zur Ki­ta zu brin­gen. Der Chef soll das nur gut be­grün­det ab­leh­nen kön­nen. ■ Ho­me­of­fice: Auch An­stö­ße zur Er­leich­te­rung von Ho­me­of­fices sol­len die Ta­rif­part­ner ver­ein­ba­ren kön­nen. Wer zum Bei­spiel we­gen der Kin­der frü­her heim­geht und abends dann wei­ter­ar­bei­tet, bei dem könn­te nach ent­spre­chen­der Ab­spra­che die Spät­schicht­zu­la­ge weg­fal­len. ■ Rück­kehr­recht auf Voll­zeit: Rück­kehr­recht aus der Teil­zeit in ei­ne frü­he­re vol­le Ar­beits­zeit soll es vor al­lem Frau­en er­leich­tern, nach ei­ner Fa­mi­li­en­pha­se wie­der kom­plett in den Job ein­zu­stei­gen. Das will die SPD durch­set­zen. ■ Aus­bau der Wei­ter­bil­dung: Die Bun­des­agen­tur für Ar­beit soll bun­des­weit Qua­li­fi­zie­rungs­be­ra­tung an­bie­ten. ■ Er­werbs­tä­ti­gen­kon­to: Nah­les will ein Gut­ha­ben für je­den Ar­beit­neh­mer – da­mit soll Zeit für Wei­ter­bil­dung für ab­seh­ba­re An­for­de­run­gen im Job oder fa­mi­li­en­be­ding­te Aus­zei­ten fi­nan­ziert wer­den. Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke drückt bei die­ser Maß­nah­me aufs Tem­po, aber Staats­se­kre­tär Thor­ben Al­brecht ver­weist auf die Fi­nan­zie­rungs­fra­ge. Er bringt Mit­tel aus der Erb­schafts­steu­er ins Spiel. ■ Selbst­stän­di­ge: Für die vie­len Ein­zel­un­ter­neh­mern, die es ge­ra­de in der In­ter­net­wirt­schaft gibt, will die Mi­nis­te­rin ei­ne Pflicht­ver­si­che­rung in der ge­setz­li­chen Ren­te ein­füh­ren.

Fo­to: dpa

Die SPD-Mi­nis­te­rin be­tont die Be­deu­tung ih­rer Vor­schlä­ge für die Ren­te

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