In sei­nen Stü­cken lebt er wei­ter

Freun­de und Samm­ler tref­fen sich zur Vor­be­sich­ti­gung von Gerd Kä­fers (†82) Nach­lass

tz - - MENSCHEN - SAN­DRA BRO­CKÖT­TER

Trä­nen und Ta­schen­tü­cher wa­ren bei der Be­er­di­gung von Gerd Kä­fer (82) im Ju­ni 2015 ver­bo­ten. So auch Mon­tag­abend bei der Vor­be­sich­ti­gung des Auk­ti­ons­hau­ses Ham­pel zur Ver­nis­sa­ge von Gerd Kä­fers Hab und Gut aus Kitz­bü­hel – Trau­rig­keit nicht er­wünscht, ganz im Sin­ne der Gour­met­le­gen­de. Und so wan­del­ten Gerds Freun­de und Ham­pel-Kun­den durch den ers­ten Stock, vor­bei an all den wun­der­ba­ren Din­gen, die dem Ta­fel­de­cker so wich­tig wa­ren. Nym­phen­bur­ger Por­zel­lan, Kunst­wer­ke von Grö­ßen wie An­dy War­hol, Gun­ter

Sachs oder Gott­hart

Graub­ner, ei­ne Samm­lung von­mehr als 50 Spa­zier­stö­cken oder sei­ne heiß und in­nig ge­lieb­ten Kup­fer­töp­fe. „Gerd lebt in den Stü­cken wei­ter“, so sei­ne Wit­we Uschi Acker

mann zur tz. „Ich bin be­geis­tert, mit wie viel Lie­be Fa­mi­lie Ham­pel die Stü­cke hier aus­stellt. Man hat das Ge­fühl, dass er gleich um die Ecke kommt. Hier ist wirk­lich al­les bis ins letz­te De­tail per­fekt. Da hät­te nicht ein­mal mein Mann et­was zu me­ckern ge­habt – und er fand ja ei­gent­lich im­mer was“, er­in­nert sich die PR-La­dy

So­gar klei­ne Fens­ter im Stil des Kitz­bü­he­ler Hau­ses wur­den in­stal­liert, so­dass der Aus­stel­lungs­raum fast so aus­sah wie das Ös­ter­rei­chi­sche Ori­gi­nal, die Kitz­bü­he­ler Vil­la, an die sich an die­sem Abend so vie­le Weg­be­glei­ter er­in­ner­ten. In der sie un­zäh­li­ge schö­ne St­un­den bei opu­len­ten Ta­fel­freu­den und ei­nem ed­len Trop­fen in Kä­fers Par­ty­turm fei­er­ten.

So er­in­ner­te sich die lang­jäh­ri­ge Freun­din Ina Putz-La­ne an die vie­len schö­nen ge­mein­sa­men St­un­den. „Es ist ko­misch, all die Sa­chen jetzt hier wie­der zu se­hen, und es stimmt mich trau­rig. Aber auf der an­de­ren Sei­te ist es schön zu wis­sen, dass je­der, der mag, ein Stück­chen Gerd bei sich zu Hau­se ha­ben kann.“Der ExDürn­bräu-Chef Pe­ter

Schmuck hät­te noch ei­ne an­de­re Idee ge­habt: „Man hät­te ja auch ein Gerd-Kä­fer-Mu­se­um er­öff­nen kön­nen.“

Und dann ka­men sie hoch – die vie­len Ge­schich­ten, die die Par­ty­gäs­te mit ih­rem Gerd er­lebt ha­ben. Es wur­de ge­lacht, Cré­mant und Glüh­wein ge­trun­ken und klei­ne Köst­lich­kei­ten, wie Mi­ni­schnit­zel – klar von Kä­fer – ge­nos­sen. „Weißt du noch?“– das wur­de die Fra­ge des Abends.

Zahl­lo­se die­ser An­ek­do­ten hat Joa­chim

Schmidt im Kopf. Er war bis vor Kur­zem die See­le der Kä­fer-Schän­ke und sorg­te als Re­stau­rant­chef fast 40 Jah­re da­für, dass sich die Gäs­te wohl­fühl­ten. „Ich er­in­ne­re mich noch an mei­ne ers­te Be­geg­nung, als ich mich als jun­ger Mann be­warb. Ich kam da­mals zum ver­ein­bar­ten Ter­min, und als die Se­kre­tä­rin mich an­kü- dig­te, rief Gerd Kä­fer nur, dass er heu­te kei­nen mehr se­hen kön­ne. Ich war völ­lig ver­dutzt. Da wuss­te ich noch nicht, dass das eben manch­mal sei­ne Art war, aber er es nie ganz ernst mein­te. „Der spricht Eng­lisch und Fran­zö­sisch“, rief dann die Se­kre­tä­rin noch­mals zu ihm rü­ber. „Soll rein­kom­men“, rief Herr Kä­fer zu­rück. Der An­fang ei­ner tol­len Zu­sam­men­ar­beit.“

Zu­sam­men­ge­ar­bei­tet mit der Wit­we hat auch das Ehe­paar Ham­pel. „Es war wahn­sin­nig viel Ar­beit, die um­fang­rei­che Samm­lung zu sich­ten, zu ka­ta­lo­gi­sie­ren und nun aus­zu­stel­len“, er­zähl­te Holger Ham­pel, und sei­ne Frau Bar­ba­ra er­gänz­te: „Aber wir ha­ben es sehr ger­ne ge­macht, weil es auch ei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit ist. Gerd Kä­fer hat die schöns­ten Fes­te für uns or­ga­ni­siert.“

Und so gleicht die Aus­stel­lung jetzt auch eher ei­nem Par­ty­raum. Bis zur Versteigerung der Lieb­ha­ber­stü­cke am 6. De­zem­ber kann die Aus­stel­lung täg­lich von 10 bis 17 Uhr (Schel­ling­s­tra­ße 44) be­sich­tigt wer­den. „Das hät­te Gerd ge­fal­len, dass sich al­le Men­schen an sei­nen Din­gen er­freu­en kön­nen“, so Uschi Acker­mann, die ganz still wur­de, als Gerds Lei­bärz­tin den Raum be­trat. „Sie stand uns in der schwe­ren Zeit bei – oh­ne sie hät­ten wir es gar nicht ge­schafft.“Dr. Da­na Szur­mant: „Herr Kä­fer war ein tol­ler Mann, aber Hil­fe woll­te er nie so recht an­neh­men – auch kei­nen Pfle­ger. Al­so ha­ben wir ihm den als per­sön­li­chen As­sis­ten­ten ver­kauft.“Es sind die Ge­schich­ten, die Gerd Kä­fer un­ver­ges­sen ma­chen.

Eben­so un­ter den Gäs­ten: In­grid Pfeif­fer, Au­to­rin

Ma­ja Schul­ze-Lack­ner und Franz Wams­ler mit Gat­tin Su­san­ne.

Fo­tos: Heinz Weiß­fuß

Lie­be­voll blickt Ina Putz-La­ne (2. v. r.) auf die Er­in­ne­rungs­stü­cke an ih­ren lang jäh­ri­gen Freund Gerd Kä­fer

So hat­te Gerd Kä­fer auch sei­nen Tisch bei sich zu Hau­se ge­deckt – und sei­ne Lei­den­schaft wa­ren Nym­phen­bur­ger Por­zel­lan­fi­gu­ren

Wit­we Uschi Acker­mann (l.) freut sich über die tol­le Ar­beit der Auk­ti­ons­haus­in­ha­ber Holger und Bar­ba­ra Ham­pel

Dr. Da­na Szur­mant be­treu­te den Ta­fel­de­cker ärzt­lich

Gas­tro­nom Pe­ter Schmuck (l.) mit Ham­pel-Ge­schäfts­füh­rer Vi­tus Graupner

Ex-Kä­ferSchän­keLei­ter Joa­chim Schmidt mit tz-Ko­lum­nis­tin San­dra Bro­cköt­ter

Un­ter­neh­mer Franz Deubl kam mit Freun­din Hel­ga Heidlberg zur Vor­be­sich­ti­gung

Kup­fer­töp­fe hat­te der Ta­fel­de­cker in un­zäh­li­gen Va­ri­an­ten

Sa­bi­na Froh­wit­ter (r.) schau­te mit Ma­rit­ta Süss vor­bei, und An­ge­li­ka Wald­leit­ner (re.) in­ter­es­sier­te sich für den Por­zel­lan-Pa­pa­gei

Uschi Dämm­rich von Lut­titz (l.) mit Ai­g­nerChe­fin Sybille Schön

Gut 100 Gäs­te ge­nos­sen den fa­bel­haf­ten Abend im Auk­ti­ons­haus Ham­pel

Ines Gschwendt über­legt, wo sie Platz schaf­fen könn­te für ein Stück von ih­rem Freund Gerd

Ob weiß oder grün – schö­nes Ge­schirr war Gerd Kä­fers gro­ße Lie­den­schaft

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