En­ten und Gän­se in Schock­star­re

tz - - MENSCHEN -

Sie lei­ten die Kam­pa­gne bei Vier Pfo­ten zum The­ma Dau­ne. Was ist Ih­nen wich­tig

De­ni­se Schmidt: Wir möch­ten bei Käu­fern und den Her­stel­lern ei­ne noch grö­ße­re Sen­si­bi­li­tät we­cken. Die Dau­ne als Na­tur­pro­dukt hat ein sehr gu­tes Image, da­bei ist die Ge­win­nung oft mit gro­ßem Tier­leid ver­bun­den. Vie­le Her­stel­ler be­haup­ten zwar, sie wür­den kei­ne Dau­nen aus Le­ben­drupf und Stopf­mast ver­wen­den. Das Pro­blem ist je­doch, dass die Lie­fer­ket­te sehr un­durch­sich­tig ist. Es gibt kei­ne Trans­pa­renz. Die Dau­ne geht vom Tier zum Ver­brau­cher durch un­zäh­li­ge Hän­de. Vie­le Her­stel­ler kon­trol­lie­ren zu­dem nicht selbst, son­dern ver­las­sen sich auf Zer­ti­fi­ka­te von Lie­fe­ran­ten und Schlacht­hö­fen. Häu­fig wer­den nur die Dau­nen kon­trol­liert, nicht aber die Be­trie­be, wo die Tie­re ge­lebt ha­ben. Wir wol­len, dass sich das än­dert. Es gibt schon ei­ni­ge gu­te An­sät­ze von Be­klei­dungs­her­stel­lern. Ge­naue­res kön­nen Sie auf un­se­rer In­ter­net­sei­te www.vier­pfo­ten.de und www.40li­ves. org nach­le­sen.

In der EU ist das Le­ben­drup­fen ver­bo­ten, aber das Rau­fen er­laubt. Ist das ei­ne tier­freund­li­che Me­tho­de?

Schmidt: Über­haupt nicht, die­ser Un­ter­schied exi­si­tiert nur auf dem Pa­pier. Wenn die Vö­gel in der Mau­ser sind, ver­lie­ren sie ei­ni­ge Dau­nen und Fe­dern. In der Zeit wer­den sie dann ge­rupft. Die ge­rupf­ten Dau­nen ? sind üb­ri­gens be­son­ders von äl­te­ren Tie­ren bau­schi­ger und hoch­wer­ti­ger, als Dau­nen von jün­ge­ren Tie­ren. Das ist ein zu­sätz­li­cher fi­nan­zi­el­ler An­reiz zum Rup­fen in Be­trie­ben mit El­tern­tie­ren. Wir wa­ren auf Far­men in Un­garn und Po­len und ha­ben das Rup­fen be­ob­ach­tet. Da spie­len sich er­schüt­tern­de Sze­nen ab. Die Tie­re wer­den per Hand im Ak­kord ge­rupft. Es kommt zu schlim­men Riss­wun­den, die oh­ne Be­täu­bung ge­näht wer­den, Flü­gel wer­den aus­ge­renkt. Nach der Pro­ze­dur ste­hen die Tie­re un­ter Schock, sie be­kom­men Me­di­ka­men­te, sonst wür­den vie­le nicht über­le­ben. Und es wird ge­spens­tisch still im Stall.

Die meis­ten Dau­nen kom­men aus Chi­na, oder?

Schmidt: Dort ist das Le­ben­drup­fen und auch das Stop­fen der Tie­re er­laubt. Ge­schätz­te 80 Pro­zent der Dau­nen kom­men aus Chi­na. Tie­re, die für die Zucht ver­wen­det wer­den, wer­den drei- bis vier­mal im Jahr ge­rupft, bis sie im Al­ter von vier oder fünf Jah­ren ge­schlach­tet wer­den. In Frankreich, Un­garn, Bul­ga­ri­en, Spa­ni­en und Bel­gi­en ist das Stop­fen üb­ri­gens auch er­laubt. Die Le­ber der Tie­re schwillt wäh­rend des Zwangs­mäs­tens von cir­ca 80 auf 500 Gramm an. Das Or­gan wird so rie­sig, dass es Atem­not ver­ur­sacht. Die ar­men Vö­gel be­kom­men kei­ne Luft mehr. Wenn al­so ir­gend­wo steht, die Dau­nen stam­men von Tie­ren, die schon ge­schlach­tet wa­ren, be­deu­tet dies nicht un­be­dingt, dass es sich um tier­freund­lich pro­du­zier­te Dau­nen han­delt. Wie ge­sagt, es gibt mitt­ler­wei­le vie­le Al­ter­na­ti­ven als Füll­ma­te­ri­al. Der Mensch braucht kei­ne Dau­nen und Fe­dern.

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